Pietro Supino warnt vor den sozialen Medien

Dreikönigstagung 2021 - In seiner Ansprache hat der Verlegerpräsident betont, wie wichtig die Förderung von Medienkompetenz sei. Die sozialen Medien sieht er als Gefahr für die Demokratie.

Verlegerpräsident Pietro Supino hat die Bedeutung von Social Media für Medienunternehmen mit dem arabischen Frühling verglichen. Von der ehemaligen Hoffnung sei nicht viel übriggeblieben. Das Potenzial der sozialen Medien habe nicht nachhaltig genutzt werden können. Vielmehr seien sie zu einer Gefahr für demokratische Gesellschaften geworden.

Dies sagte Supino am Mittwoch an der Dreikönigstagung des Verlegerverbandes Schweizer Medien (VSM). Die Tagung wurde in verkürzter Form und per Livestream durchgeführt. Gesendet wurde aus einem Studio von TeleZüri.

Es liege in der Natur der Sache, dass die sozialen Medien den gesamtgesellschaftlichen Diskurs untergraben, sagte Supino. «Noch schlimmer ist, dass sie nicht selten zur aktiven Manipulation missbraucht werden.» Dass diese Gefahr im Entwurf für ein Gesetz über elektronische Medien nicht angesprochen worden sei, sei für ihn «das Unverständlichste an dem insgesamt missglückten Vorhaben».

Trittbrettfahrer missachten Standards

Als Trittbrettfahrer und dominante Akteure im digitalen Werbemarkt gefährdeten sie auch das Geschäftsmodell von Medienunternehmen, die in seriösen Journalismus investieren, sagte Supino, der die TX Group präsidiert. Da sie jedoch Standards missachteten, würden sie auch Chancen eröffnen für jene, die sich «an den Regeln des Handwerks» orientieren – «das ist nach meiner Überzeugung die einzige Chance, die wir als Verleger haben».

Wichtig seien zudem die Förderung der Medienkompetenz, das Stärken der Infrastruktur und die Hilfe zur Selbsthilfe. Diese Massnahmen seien besser und nachhaltiger, «als Fördergelder an Medienunternehmen zu zahlen und damit unvermeidlich die Unabhängigkeit des Mediensystems zu gefährden».

Supino verwies auf ein neues, auf den Lehrplan 21 ausgerichtetes Angebot. «Das Projekt unter der Führung der Leiterin unseres Medieninstituts, Marianne Läderach, ist weit fortgeschritten. Nach einem Soft-Launch im Herbst 2020 folgt in den nächsten Wochen die eigentliche Lancierung des E-Learning-Angebots mit Modulen zur Arbeitsweise im professionellen Journalismus und zu Fake News», so Supino.


Zum Schluss seiner Rede kündigte Supino an, dass die Nachfolge für Andreas Häuptli gefunden sei. Neuer Geschäftsführer des VSM wird Stefan Wabel (persoenlich.com berichtete). (sda/cbe)