27.01.2026

Tamedia

Reorganisation kostet bis zu 30 Stellen

Das Medienunternehmen trennt ab 1. März 2026 Print und Digital in zwei eigenständige Geschäftsbereiche und fasst künstliche Intelligenz sowie Datennutzung in einer zentralen Einheit zusammen. Die Redaktionsorganisation und die Kernmarken bleiben vom Abbau unberührt.
Tamedia: Reorganisation kostet bis zu 30 Stellen
Tamedia treibt die Transformation weiter voran. (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)

Das Medienhaus Tamedia baut weitere Stellen ab. Gemäss dem Unternehmen geht es um 25 bis 30 Vollzeitstellen. Der Schritt steht im Zusammenhang mit einer Neuorganisation.

Per 1. März würden Print- und Digitalgeschäft organisatorisch voneinander getrennt, teilte Tamedia am Dienstag mit. Künftig würden sie in eigenen Geschäftsbereichen geführt. Für die betroffenen Mitarbeitenden komme ein Sozialplan zur Anwendung.

Das Digitalgeschäft solle massiv vorangetrieben werden, schrieb das zur TX Group gehörende Medienunternehmen. Mit der Neuaufstellung reagiere man auf die veränderten Marktbedingungen und das sich wandelnde Nutzungsverhalten der Leser.

Der angekündigte Personalabbau werde vor allem in den kommerziellen Bereichen der Deutsch- und Westschweiz stattfinden, präzisierte Tamedia-Sprecher Edi Estermann auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die 2024 mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarte Beschäftigungsgarantie für Journalistinnen und Journalisten bis September 2026 halte das Medienhaus nach wie vor ein.

Die Organisation der Redaktionen bleibt laut Mitteilung unverändert. Die Kernmarken des Unternehmens seien vom Stellenabbau nicht betroffen.

Neue Einheit «AI & Data» 

Unternehmensweit sollen zudem die neuen Möglichkeiten der technologischen Entwicklung genutzt werden. Insbesondere Anwendungen der künstlichen Intelligenz würden künftig verstärkt in redaktionelle und betriebliche Prozesse integriert, um Effizienz und Qualität weiter zu steigern.

Die entsprechenden Bereiche werden zur Einheit «AI & Data» unter der Leitung von Nadia Kohler zusammengefasst. Der Bereich ist direkt Tamedia-Chefin Jessica Peppel-Schulz unterstellt.

«Die Mediennutzung und der Werbemarkt haben sich grundlegend verändert. Der damit verbundene Stellenabbau schmerzt, jede verlorene Kollegin schmerzt, jeder verlorene Kollege schmerzt», wird Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz zitiert.

Die neue Organisationsstruktur umfasst laut Mitteilung den Bereich Publizistik unter der Leitung von Simon Bärtschi, die Geschäftsbereiche Premium Digital unter Marc Isler und Premium Print & E-Paper unter Jürg Mosimann sowie Technology unter Marcel Holdener.

Neue Chefredaktorin bei Basler Zeitung

Bei der Basler Zeitung kommt es zu einem Wechsel in der Chefredaktion: Nina Jecker übernimmt ab 1. Februar 2026 von Marcel Rohr, der die Zeitung während sieben Jahren leitete. Rohr wird als Senior Editor im Sport und Lokalressort weiterhin für die BaZ tätig sein (persoenlich.com berichtete).

Jecker war bisher stellvertretende Chefredaktorin und bringt langjährige journalistische Erfahrung innerhalb der TX Group mit. Tamedia hebt ihre journalistische Vielseitigkeit, ihr Gespür für relevante Themen, ihren Blick für digitale Entwicklungen und die Expertise im Bereich der künstlichen Intelligenz hervor.

Leeres Versprechen

Die Gewerkschaft Syndicom kritisierte den neuerlichen Stellenabbau bei Tamedia. Damit habe sich die Ankündigung eines zweijährigen Entlassungsstopps ab Ende 2024 als leeres Versprechen entpuppt, teilte Syndicom am Dienstag mit. Mit dem angekündigten Stellenabbau werde die Schwelle zur Massenentlassung knapp unterschritten.

Laut Syndicom vermutet das Personal, dass Tamedia damit das gesetzliche Konsultationsverfahren bewusst umgeht. Dass das Medienhaus dem betroffenen Personal deshalb nur einen reduzierten Sozialplan zur Verfügung stellen will, ist in den Augen der Gewerkschaft «inakzeptabel».

Besonders stossend sei der erneute Abbau vor dem Hintergrund der hohen Gewinne, welche die TX Group vergangenen Herbst an der Börse erzielt hatte. Das zeigt aus Sicht von Syndicom, «wie stark das grösste private Medienunternehmen der Schweiz auf kurzfristige Rendite ausgerichtet ist.» (sda/pd/cbe)


Lesen Sie auch das Interview mit Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz.


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KOMMENTARE

Victor Brunner
27.01.2026 12:24 Uhr
"... jede verlorene Kollegin schmerzt, jeder verlorene Kollege schmerzt», wird Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz zitiert. Frau Peppel-Schulz ist doch glücklich wenn sie weniger Leute auf der Payroll, so gross ist der Schmerz nicht. KI löst den von Frau Birrer und Herrn Bärtschi versprochenen Qualitätsjournalismus ab und Herr Supino jammert Ende Jahr das immer weniger bereit sind für Medien zu bezahlen.