Seit Mitte Januar ist bekannt, dass der entlassene Bild-Chefredaktor Julian Reichelt eine eigene Plattform plant (persoenlich.com berichtete). Auch im Weltwoche-daily-Interview mit Roger Köppel wollte er dazu nichts Konkretes sagen, weil vieles davon «eine Überraschung» werde.
Doch Reichelt gab erstmals einen Einblick, wo er eine «Marktlücke» im Journalismus ortet. «Das grundsätzliche Phänomen, das ich sehe, ist: Die Berichterstattung in grossen Teilen unserer Medien, besonders über das, was Menschen in ihrem Alltag bewegt, lässt sich nicht mehr in Einklang bringen damit, was Menschen tatsächlich erleben», so der 41-Jährige.
Dies wiederum bedeute: In Deutschland gebe es Millionen «medial Obdachlose» – Menschen, die ihre Sicht auf die Welt und, wie sie die Welt erleben, in den Medien nirgendwo wiederfinden. «Darin sehe ich eine grosse Marktlücke. Da wird man ja verrückt, wenn man daraus kein Geschäft macht.»
Reichelt ergänzte zudem, dass es nur wenige Ausnahmen von Medien – zum Beispiel Chefredaktor Ulf Poschhardt bei der Welt – gebe, welche die Ansichten der Wähler in ihrer Berichterstattung aufgreifen würden. (tim)

