04.04.2016

my105

Scaglione verlässt DAB+

Der Zürcher Radiounternehmer will seine Station in einer neuen Kampagne als App vermarkten. Während einigen Monaten war sein Sender auf DAB+ zu hören.
my105: Scaglione verlässt DAB+

Mit «my105» setzte der Zürcher Radiounternehmer Giuseppe Scaglione wieder auf online. Zuvor versuchte er während rund sechs Monaten seine Hörer über DAB+ zu erreichen.

Die DAB-Betriebsgesellschaft Swiss Media Cast hatte Scaliogne zu vergünstigten Einstiegskonditionen einen Sendeplatz gegeben. Dies berichtete der «Tagesanzeiger» im vergangenen Sommer. Dank DAB+ konnte Scaglione mit seinem Programm wie die SRG die ganze Deutschschweiz abdecken, was eine enorme Reichweitensteigerung bedeutet. Im europäischen Vergleich hat die Schweiz mit über zwei Millionen Geräten eines der dichtesten DAB-Netze. «Wir möchten nicht nur den Streaming-Markt beleben, sondern auch die Radioszene nochmals aufmischen», so Scaglione im vergangenen August gegenüber dem «Tagesanzeiger». 

Nun hat sich die Situation vollkommen geändert. Seit zwei Wochen ist «my105» wieder ein reines Onlineradio: «Wir waren ein halbes Jahr auf DAB+ und konnten wertvolle Erfahrungen sammeln. Aus strategischen Gründen haben wir nun aber beschlossen, komplett auf Online zu setzen», begründet Scaglione gegenüber persoenlich.com diesen Schritt.

Die DAB-Verbreitung werde überschätzt und sei auch nicht dazu geeignet, die Multi-Channel-Strategie seines Senders abzubilden, sagt Scaglione weiter. «Für ein gewöhnliches Lokalradio, das vorwiegend ältere Hörer anspricht, mag die DAB-Verbreitung vielleicht Sinn machen – erst recht, wenn man vom Gesetzgeber dazu verpflichtet wird, um die UKW-Lizenz nicht zu verlieren.» Dass er von Lokalradios nicht viel hält, ist bekannt. «Wenn das Lokalradio nicht tot ist, liegt es im Sterben», meinte er vor einem Jahr gegenüber persoenlich.com.

«my105» setze nun den Fokus komplett auf Mobile First, schliesslich sei das Smartphone beim jungen Publikum die beliebteste Music-Device: «Jugendliche kaufen sich kaum ein neues DAB-Radio – ein neues Smartphone hingegen schon», ist Scaglione überzeugt.

«my105» will sich deshalb nicht als Radiostation positionieren, sondern als Musik App, deshalb läuft momentan auch die aktuelle Kampagne «Best Music App»: «Meine Überzeugung, dass die Lokalradios im Sterben liegen, eher zu- statt abgenommen» Mit dieser Meinung stehe er nicht alleine da, glaubt Scaglione: «Verschiedene Branchenkollegen sehen das auch so, können sich jedoch nicht so frei und offen zu diesem Thema äussern, weil sie noch zu stark von der UKW-Verbreitung und einige in diesem Zusammenhang auch von Gebührengeldern abhängig sind.»  

Es gebe noch einen weiteren Grund, nicht mehr auf die «alte Medienwelt» mit UKW und DAB zu setzen, so Scalignone: «Im Unterschied zu traditionellen Radiostationen können wir dem Kunden nämlich genau sagen, wer seine Werbung wann gehört hat. UKW- oder DAB-Radiostationen arbeiten mit Daten, die ein halbes Jahr und älter sind und erst noch lediglich auf Hochrechnungen beruhen. Ich bin davon überzeugt, dass solche Hochrechnungen im Online-Zeitalter ein Auslaufmodell sind und eines Tages von Werbekunden auch nicht mehr akzeptiert werden.» (lcv)

 

 

 



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