26.05.2024

SRG-Generaldirektion

So kommentieren Medien die Wahl

Von «Wohltemperiertheit» ist die Rede, von «Managementfloskeln», aber auch von «Superheldin»: Nach der Wahl von Susanne Wille zur neuen SRG-Generaldirektorin sind in der Deutschschweizer Presse einige Kommentare erschienen. Ein Überblick.
SRG-Generaldirektion: So kommentieren Medien die Wahl
Susanne Wille am SwissMediaForum von 2018. (Bild: SMF)

«Sie soll die Halbierungs-Initiative bodigen»

Blick (Jean-Claude Galli): «Dass sie (Susanne Wille) eine Frau mit beträchtlichem Abstand zum Pensionsalter ist, schadet nach den bleiernen Marchand-Jahren nicht. Und trotz städtisch wirkenden Drives erreicht die gebürtige Aargauerin, aufgewachsen in Villmergen im Freiamt als mittleres von drei Kindern in einem Lehrerhaushalt, ebenso ländliche Kreise. (…) Dass für die Marchand-Nachfolge schlussendlich keine SRG- und SRF-externe Figur ernsthaft in Erwägung kam, kann Wille egal sein. Zu stark wog wohl die Angst, ein Aussenstehender wie der von Insidern genannte frühere CH-Media-TV-Chef Roger Elsener (46) könnte die Bude zünftig auf den Kopf stellen und womöglich etwas im Keller finden. Wille verfügt über eine exakte Innensicht. Die Aussenperspektive und Spiegelung wird sie zwingend holen müssen.»

«Mit Rösti einen starken Mitstreiter an der Seite»

CH Media (Francesco Benini): «Auf Willes Auftreten, auf ihre rhetorische Beschlagenheit kommt es an im Abwehrkampf der SRG gegen die 200-Franken-Initiative der SVP. Nach einem Ja zur Vorlage müsste der Rundfunk sein Angebot erheblich reduzieren. Nun zeichnet sich ab, dass Susanne Wille einen starken Mitstreiter an der Seite haben wird. SVP-Bundesrat Albert Rösti hielt am Swiss Media Forum ein Plädoyer für die SRG. Er sprach von den Rätoromanen, die ohne die Haushaltabgabe keine Radio- und Fernsehprogramme in eigener Sprache konsumieren könnten.»

«Wo Susanne Wille politisch steht, weiss niemand so genau – und das ist ihr Vorteil»

NZZ (Christina Neuhaus): «Ihr Vorvorgänger de Weck verstand die SRG als eidgenössische Institution, als Bastion des Qualitätsjournalismus und Bollwerk gegen rechtspopulistische Kräfte. Für Gilles Marchand wiederum, Willes direkten Vorgänger, war die SRG so etwas wie ein helvetisches Medienmonopol. (…) Susanne Wille ist weder eine glänzende Publizistin noch ein Anstaltsapparatschik. Sie ist eine gute Journalistin und Moderatorin, die als Kulturchefin bei SRF auch zu einer geübten Medienmanagerin geworden ist. (…) Wo sie politisch steht, weiss niemand so genau. Und genau diese Wohltemperiertheit ist ihr Vorteil. Die SRG hat in den vergangenen Jahren zu viel politisches Profil gezeigt. Unter Susanne Wille muss die SRG vor allem die Frage klären, was Service public heute bedeutet.»

«Besser werden, um gross zu bleiben: Susanne Wille stehen gewaltige Aufgaben bevor»

NZZ am Sonntag (Peer Teuwsen): «Seit langem hat sich Susanne Wille auf diesen Job ihres Lebens vorbereitet – auch wenn sie ihre Gelüste immer wieder dementierte. Macht man halt so in diesem Land, wo die Losung heisst: immer bedeckt halten. Wer sich vordrängt, wird in der Regel abrasiert. (…) Wenn Susanne Wille ihre Entscheidung nur nicht verfluchen wird. Sie wird eine schwierige, um nicht zu sagen: eine fast unmögliche Aufgabe antreten (die ihr aber mit 520'000 Franken versüsst wird). Sie muss die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft, die stramm auf die hundert zugeht, durch die grösste Krise seit ihrer Gründung 1931 führen. (…) Bloss, das wird nicht einfach. Über die Inhalte entscheiden die Chefredaktoren, und überall lauern die Bedenkenträger, die Wächter und Besserwisser (wie der Verfasser dieses Artikels). Hoffentlich hat Susanne Wille einen Plan, sie in Schach zu halten.»

«Die Abwesende setzt sich durch»

persoenlich.com (Matthias Ackeret): «Am vergangenen Donnerstag war es für die SRG-Auguren klar: Die Topfavoritin macht das Rennen, Susanne Wille wird neue SRG-Generaldirektorin. Der Grund: Die 50-jährige Aargauerin nahm trotz Anmeldung nicht am SwissMediaForum, dem wichtigsten Medienanlass des Landes, teil. Angeblich, so wurde in den dunklen Gängen des KKL kolportiert, feile sie bereits an ihrer Rede für die samstägliche SRG-Delegiertenversammlung. Die mediale Resonanz, die diese Wahl hatte, erinnerte fast schon an die Trainersuche beim FC Bayern München, nur mit befriedigenderem Ausgang.»

«Ein bitterer Welcome-Drink für die Chefin»

SonntagsBlick (Reza Rafi): «Die neue SRG-Generaldirektorin Susanne Wille (50) begann ihre berufliche Laufbahn einst als Flight-Attendant der Swissair. Als Videojournalistin beim Regionalsender Tele M1 spürte sie für kurze Zeit wieder den Boden unter den Füssen, ehe sie zum grossen glitzernden Schweizer Fernsehen zog, wo sie rasch in ganz andere Sphären abzuheben begann. (…) Wille schien mit jener seltenen Gabe gesegnet zu sein, die im Boulevardmedium Fernsehen als Nonplusultra gilt: Sie verbindet Seriosität mit telegener Kurzweil. (…) Der politische Wind ist rau. Das wissen auch die SRG-Strategen – also musste eine Gegenfigur zur SVP-Vorlage her. Da bot sich Susanne Wille als mehrheitstaugliche Sympathieträgerin an, als ‹Leutschenbach-Leuthard› sozusagen, die das Zeug dazu hat, Abstimmungen zu gewinnen.»

«Natürlich spricht sie auch Rätoromanisch»

SonntagsZeitung (Andreas Tobler): «Am Ende dieses Samstagnachmittags, an dem Susanne Wille als erste Frau überhaupt als SRG-Direktorin verkündet wurde, gab es dann doch noch eine Überraschung: Die frühere ‹10 vor 10-Moderatorin spricht – neben Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Deutsch – auch Rätoromanisch. (…) ‹Stehenbleiben ist keine Option, verkündete Susanne Wille auf der Medienkonferenz. Und man fragte sich, was sie als Journalistin von solchen Managementfloskeln gehalten hätte. (…) Das Amt der SRG-Generaldirektorin wird Susanne Wille bereits auf den 1. November 2024 antreten. Sie hat dann im Hinblick auf die Halbierungsinitiative und einen allfälligen Gegenvorschlag noch gut zwei Jahre Zeit, um sich alle Argumente für das SRF-Angebot draufzuschaffen – und vielleicht sogar noch einen neuen, originellen Leitspruch zu finden, selbstverständlich in allen vier Landessprachen.»

«Sie soll die SRG retten – warum Susanne Wille die nötige Superkraft dafür hat»

Watson (Seline Meier): «Der SRG stehen schwierige Zeiten bevor. (…) Die SRG brauchte also ein Multitalent. Eine Krisenmanagerin, ein Medienprofi und ein Kommunikationsgenie in einem. Welch Glück, dass Susanne Wille eine Alleskönnerin ist. Es gibt vermeintlich nichts, was die gebürtige Aargauerin nicht kann. (…) Wille ist unbestritten ein Kommunikationstalent. Und ja, sie ist nicht nur professionell, sondern auch wirklich ein netter Mensch. (…) Die SRG hat sich für den Kampf gerüstet. Mit Susanne Wille hat sie die nötige Superheldin für den Job gefunden.» (cbe)


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