So regeln Redaktionen den Umgang mit KI

ChatGPT und Co. - Das Westschweizer Portal Heidi News hat soeben Regeln für die Nutzung von künstlicher Intelligenz bei Texten oder Bildern definiert. Auch SRF hat den redaktionellen Einsatz von KI in den Leitlinien verankert. Ringier, Tamedia und NZZ arbeiten daran. Noch kein Thema ist es bei 20 Minuten.

von Michèle Widmer

Übersetzung von Texten, Transkription von mündlichen Interviews oder die Moderation von Kommentaren: Bei Schweizer Medien kommen KI-Tools schon länger zum Einsatz, wie eine Umfrage von persoenlich.com im Januar zeigte. Danebst wird auf verschiedenen Ebenen experimentiert, wo KI-Programme für Texte oder Bilder die redaktionelle Arbeit erleichtern können. In der Debatte um künstliche Intelligenz ist klar: Der Einsatz wirft ethische Fragen auf. Auch Thomas Ruck von der Beratungsfirma Accenture Song empfiehlt im aktuellen persoenlich.com-Blog-Beitrag, im Sinne eines verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgangs mit KI die nötigen Richtlinien zu erarbeiten.

Das Westschweizer Onlineportal Heidi News hat genau das getan und Grundsätze für die redaktionelle Arbeit mit KI formuliert. Allgemein halten die neuen KI-Leitlinien des Mediums fest: «Die Redaktion kann KI einsetzen, um ihre Arbeit zu erleichtern oder zu verbessern, aber die menschliche Intelligenz bleibt das Herzstück unserer gesamten redaktionellen Produktion.» In Bezug auf die Nutzung von KI bei Texten heisst es in der Charta: «Jeder veröffentlichte Artikel wird von einem oder mehreren Journalisten unterzeichnet, die weiterhin für den Wahrheitsgehalt und die Relevanz der darin enthaltenen Informationen bürgen.» Und: «KIs sind Werkzeuge, aber keinesfalls Informationsquellen.»

Bei Heidi News kommen synthetische Bilder zu Illustrations-, jedoch aber nicht zu Informationszwecken zum Einsatz. Bilder, die auch als Fotografien durchgehen könnten, werden nicht gezeigt. Und nicht zuletzt soll gemäss den Leitlinien jedes veröffentlichte synthetische Bild mit einer sichtbaren Markierung versehen werden. Die Bildunterschrift muss das verwendete KI-Modell sowie die Hauptanweisung, die dem Bild gegeben wurde, enthalten. 

Ethische Grundsätze wahren

«Der Redaktion von Heidi News war es wichtig, zu synthetischen Inhalten – seien es Texte oder Bilder – Stellung zu nehmen», heisst es in einer Mitteilung. Man wolle die Entwicklung in diesem Bereich genau verfolgen, aber dennoch die ethischen Grundsätze, die der redaktionellen Arbeit zugrunde liegen, wahren. 

Auch SRF hat den Umgang mit KI in den Publizistischen Leitlinien verankert – und zwar unter dem Punkt 7 «Transparenz und Umgang mit Quellen», wie es auf Anfrage heisst. Dort ist festgehalten: «Wir streben das Maximum an Sicherheit und Transparenz an.» Dort, wo der Einsatz von Algorithmen oder künstlicher Intelligenz für die Nutzenden nicht offensichtlich sei (zum Beispiel beim Einsatz von künstlich generierten oder geklonten Stimmen oder Avataren), weise SRF ausdrücklich darauf hin, steht dort weiter. Zudem setzt SRF «auf menschenzentrierte, vom Menschen geschaffene und kon­trollierte KI». Auch selbstlernende KI und Machine Learning erfolgten nur unter menschlicher Kontrolle, heisst es in den Leitlinien weiter.

Nicht alle Medienhäuser sind bei der Ausarbeitung von KI-Richtlinien schon so weit wie SRF oder Heidi News. «Der verantwortungsvolle Einsatz der KI-Technologien ist uns ein zentrales Anliegen. Dementsprechend werden momentan verbindliche KI-Richtlinien für die gesamte Ringier-Gruppe erstellt, die in Kürze final sein sollten», teilt Daniel Riedel, Mediensprecher der Blick-Gruppe, auf Anfrage mit. Inhaltlich würden sich diese Richtlinien nicht nur auf die redaktionelle Arbeit beschränken, sondern umfassen den Einsatz in sämtlichen Geschäftsbereichen.

Auch Tamedia ist aktuell daran, zusammen mit den Redaktionen Grundsätze für den Umgang mit KI zu erarbeiten, wie TX-Group-Sprecher Florian Näf sagt. Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. Und bei der NZZ heisst es: «Die NZZ befasst sich sowohl mit der inhaltlichen als auch technischen Nutzung von KI und erarbeitet aktuell entsprechende Guidelines.»

20 Minuten will bei Implementierung reagieren

Zurzeit noch kein Thema sind KI-Leitlinien bei 20 Minuten. «Stand heute gibt es keine systematische Implementierung in einzelnen Bereichen, Ressorts oder Rubriken. Wir prüfen aber laufend neue Anwendungsbereiche und werden bei einer allfälligen Implementierung die entsprechenden Regelungen zur Prüfung und Deklaration von durch KI erstellten Inhalten definieren», teilt 20-Minuten-Kommunikationschefin Eliane Loum-Gräser mit. Das Medienhaus CH Media hat entsprechende Anfragen von persoenlich.com am Donnerstag nicht beantwortet.