21.05.2025

Medienpolitik

SP-Nationalrat kritisiert SRG-Verleger-Deal scharf

David Roth sieht in der Vereinbarung zwischen der SRG und dem Verlegerverband VSM einen «Beigeschmack von Bestechung». Im Interview mit der Wochenzeitung WOZ bezeichnet er die Abmachung als «höchst irritierend».
Medienpolitik: SP-Nationalrat kritisiert SRG-Verleger-Deal scharf
Kritik von links: SP-Nationalrat David Roth geht mit der SRG hart ins Gericht. (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)

Am vergangenen Donnerstag präsentierten die Spitzen von SRG und dem Deutschschweizer Verlegerverband VSM eine Reihe gemeinsamer Massnahmen. In etlichen Bereichen zieht sich die SRG zurück oder kooperiert mit den privaten Medienunternehmen (persoenlich.com berichtete). Im Gegenzug lehnen der Verband und seine Mitglieder die Halbierungsinitiative ab und anerkennen das Online-News-Angebot der SRG. Die TX Group hat die Vereinbarung nicht unterzeichnet.

Aus der Politik gab es bisher kaum Reaktionen auf den Deal. Nun meldet sich der Luzerner SP-Nationalrat und Mediengewerkschafter David Roth zu Wort. In einem Interview mit der Wochenzeitung WOZ kritisiert der linke Politiker die Vereinbarung mit teils harschen Worten.

Abgabe von Sportrechten findet er problematisch

«Der Auftrag der SRG lautet, die Schweiz zusammenzubringen – doch diese Vereinbarung macht das Gegenteil», kritisiert Roth. Besonders die Beschränkungen in den sozialen Medien und die Abgabe kommerziell interessanter Sportrechte an Private hält er für problematisch. Wie die SRG erklärte, ändert sich an ihrer Präsenz auf Social Media nichts. Eine missverständliche Formulierung in der Medienmitteilung zur Vereinbarung führte zu dieser Befürchtung und entsprechend kritischen Reaktionen, vor allem von jungen Menschen.

Weiter kritisiert der Nationalrat, dass die SRG mit der Vereinbarung dem Parlament vorgreife, wo die Diskussion über den künftigen Leistungsauftrag noch nicht begonnen habe. «Ich finde es sehr befremdlich, dass zu einem Zeitpunkt vor der Abstimmung über die Halbierungsinitiative private Marktakteure ihre Ansprüche an die SRG vorbringen können», sagte Roth gegenüber der WOZ.

Besonders scharf kritisiert der SP-Mann die Intransparenz: Die Vereinbarung werde nicht veröffentlicht, nicht einmal die zuständige Parlamentskommission, der er angehört, erhalte Einblick. Die SRG begründet dies damit, dass man zuerst den Entscheid der Wettbewerbskommission abwarten wolle.

Medienabgabe «über die Hintertür» an Verlage

Die Intransparenz habe «den Beigeschmack von Bestechung – und von sich bestechen lassen», so Roths harter Vorwurf. Die SRG kaufe sich mit Geld und Sportrechten politische Unterstützung. Profitieren würden vor allem die grossen Medienkonzerne, während Gelder aus der Haushaltsabgabe, die für die SRG bezahlt werden, «über die Hintertür» an Private weitergegeben würden.

Angesichts dieser Entwicklung fordert Roth einen zweiten Service-public-Anbieter neben der SRG: «Wenn die SRG von sich aus meint, sie sei zu mächtig, dann drängt es sich auf, einen Teil ihres Budgets an eine Alternative zu transferieren.» Er denkt dabei an zusätzliche öffentlich-rechtliche Angebote, die nicht gewinnorientiert sein dürften.

Im Bundeshaus sei er mit seiner Kritik keineswegs allein, betont Roth. «Auch in den anderen Parteien zeigt man sich höchst irritiert über den Vorgang.» Zunächst müsse aber die Halbierung der Gebührengelder abgewendet werden, bevor an eine Finanzierung alternativer öffentlich-rechtlicher Angebote zu denken sei. (nil)


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KOMMENTARE

Victor Brunner
22.05.2025 08:26 Uhr
Mit der Vereinbarung zwischen SRG und den zustimmenden Medienhäuser wurde auch ein Maulkorb für die JournalistenInnen geschaffen. Bei Ringier bekannt aus der Corona-Zeit als BLICK zum Newsletter des BAG wurde!
Giuseppe Scaglione
21.05.2025 21:13 Uhr
Was hier zwischen der SRG und den Verlegern hinter verschlossenen Türen ausgehandelt wurde, verdient mehr als das harmlose Etikett "irritierend". Es hat vielmehr den Beigeschmack eines "Sau-Häfeli, Sau-Deckeli"-Deals, der mit Transparenz und medienpolitischer Verantwortung wenig zu tun hat. Dass Gebührengelder der SRG über Umwege – etwa über Werbebuchungen – an private Medienkonzerne weitergeleitet werden, wirft grundlegende Fragen auf: Wer entscheidet eigentlich, ob diese Mittel bei den Verlegern besser investiert sind als zum Beispiel bei Social Media-Plattformen, auf denen sich gerade die jüngere Bevölkerung informiert? Sollten wir das Geld der Gebührenzahler*innen nicht dort einsetzen, wo es journalistisch und gesellschaftlich den grössten Effekt erzielt – und nicht dort, wo politischer Druck herrscht? Ebenso fragwürdig ist der "Gegendeal" der Verleger: Sie lehnen nun (offiziell) die Halbierungsinitiative ab – im Austausch für kommerzielle Vorteile. Wie stellen sie sicher, dass dieser Deal eingehalten wird? Wird in den Redaktionen nun etwa eine interne Linie gegen die Initiative durchgesetzt? Ein Maulkorb für Journalist*innen?Und das nennt sich unabhängiger Journalismus? Auch aus Sicht der SRG ist das Vorgehen problematisch: Der Leistungsauftrag ist Sache des Parlaments – nicht das Ergebnis von geheimen Absprachen mit Marktakteuren, die davon direkt profitieren. Die Tatsache, dass weder die Öffentlichkeit noch die zuständige Parlamentskommission Einsicht in die Vereinbarung erhält, ist medienpolitisch unhaltbar. Und zuletzt: Die SRG hat in den vergangenen Jahren bei den wirklich relevanten Themen (Covid, Ukraine, Israel/Gaza) nicht mit ausgewogener Berichterstattung überzeugt – im Gegenteil, sie hat ihre Rolle als öffentlich-rechtlicher Informationsanbieter zu oft parteiisch interpretiert. Diese neue, intransparente Verflechtung mit den Verlagshäusern liefert nun das nächste Argument: Wer glaubt, damit sei die Unabhängigkeit der SRG gestärkt, täuscht sich. Es spricht im Gegenteil alles dafür, der Initiative zuzustimmen. Und nein – die Demokratie ist nicht in Gefahr, wenn die SRG künftig mit weniger Gebührengeldern auskommen muss. Die Rolle der grossen Medienhäuser wird für das Funktionieren der Demokratie völlig überschätzt. Es gab funktionierende Demokratien lange vor der SRG und dem heutigen Medienmainstream. Heute gelten laut Forschung bis zu 50 % der Bevölkerung als „news-deprived“ – also kaum informiert über klassische Nachrichtenkanäle. Wenn man den Argumenten der SRG- und Verlegerlobby folgt, wären wir also schon längst keine Demokratie mehr. Jeder weiss: Das ist Unsinn.
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