22.12.2021

Wirbel um Doku

SRF bestreitet Vorwürfe gegen Onlinesendung

Die Richtlinien zur Transparenz in einer Doku über satanistische Verschwörungstheorien seien nicht eingehalten worden: Fairmedia kritisiert nach einer Recherche den Umgang des Reportageformats «rec.» mit Interviewpartnern. Dessen Leiterin Ilona Stämpfli weist die Vorwürfe zurück.
Wirbel um Doku: SRF bestreitet Vorwürfe gegen Onlinesendung
SRF-Journalist Robin Rehmann im Online-Reportageformat «rec.» mit dem Titel «Der Teufel mitten unter uns». (Bild: Screenshot SRF-Doku)
von Tim Frei

Eine SRF-Doku, die von Verschwörungserzählungen zu satanistisch-rituellem Missbrauch handelt, sorgt gemäss Fairmedia für Wirbel. Mehrere Personen, die im Beitrag vorkommen, hätten sich nach Ausstrahlung des Online-Reportageformats «rec.» beim Verein gemeldet, der sich laut eigenen Angaben für fairen Journalismus einsetzt. 

Die vielen Meldungen hätten Fairmedia bewogen, den Fall genauer zu untersuchen und die Ergebnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen. Der Verein hat mit sechs Personen Gespräche geführt, die entweder im Beitrag vorgekommen oder in die Recherche involviert gewesen seien. SRF konnte gemäss Fairmedia Stellung zu den Vorwürfen der Betroffenen nehmen, darunter die Journalistin Ilona Stämpfli und der Journalist Robin Rehmann, welche die Doku drehten.

Umgang mit Betroffenen sei «nicht in Ordnung»

Gegenüber persoenlich.com sagt Fairmedia-Geschäftsführer Jeremias Schulthess: «Wie das SRF in dieser Doku mit den Betroffenen umgeht, ist nicht in Ordnung. Die Richtlinien zur Transparenz wurden allem Anschein nach nicht eingehalten.»

Und: «Die herablassende Art, wie sich der Journalist gegenüber den Betroffenen äussert – in der Sendung, wie auch im Nachgang –, das ist kein respektvoller Umgang, den man von Journalistinnen und Journalisten eigentlich erwarten dürfte. Unabhängig davon, wie abstrus die Schilderungen von Interviewpartnerinnen und -partnern sind, haben auch diese Menschen Respekt verdient und sollten nicht vorgeführt werden.» 

«Sind jederzeit transparent vorgegangen»

Gemäss den Leitlinien von SRF sollten interviewte Personen vor dem Interview die Stossrichtung des Beitrags – soweit bekannt – kennen. «Das war in diesem Fall nicht so», betont Fairmedia. 

Was sagt SRF zu diesen harten Vorwürfen? «In allen Interviewanfragen haben wir transparent angekündigt, dass wir als SRF-Journalist:innen uns für das Thema der rituellen Gewalt interessieren und mehr darüber herausfinden wollen», sagt Ilona Stämpfli, Leiterin des Reportageformats «rec.». Sie betont: «In allen Interviews haben wir wiederholt differenziert, dass unser Interesse speziell auf den satanistischen rituellen Missbrauch zielt. Wir sind jederzeit transparent vorgegangen.»

 



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Kommentare

  • Victor Brunner, 23.12.2021 16:28 Uhr
    Wie recht sie haben, Rudolf Bolli. Anstelle von guter Information, Selbstdarstellung, künstliche, nutzlose Hektik vermitteln. Auch bei Rundschau, Kulturplatz, Kassensturz, mit oder ohne Mikro in der Gegend "rumrennen". Bei Rehmann stellt sich die Frage ob er während des Interviews nicht abgelenkt war und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet hat!
  • Stephan Werder, 23.12.2021 10:02 Uhr
    Kurz gesagt: Schlechter Journalismus.
  • Rudolf Bolli, 23.12.2021 05:06 Uhr
    Es war einfach eine schlecht gestaltete Reportage, mit einem Reporter, der sich selbst zu sehr in den Mittelpunkt stellte (weshalb musste man ihm ständig beim Autofahren zuschauen?) und schlecht geführten, teilweise ungeschickt geschnittenen Interviews.
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