Als vor 20 Jahren Medien auf die Digitalisierung reagieren mussten, habe SRF geschlafen – und mit dem Schweizer Radio und Fernsehen auch die ganze SRG. Dies schreibt die NZZ am Sonntag in der aktuellen Ausgabe. «Heute zahlt SRF den Preis dafür, dass es sich zu langsam darum gekümmert hat», wird Bakom-Direktor Bernard Maissen zitiert.
Erst als 2019 die neue SRF-Direktorin Nathalie Wappler von Ruedi Matter übernahm, sei Bewegung in die Digitalisierung gekommen, so die NZZaS. Zuvor sei Digitalisierung zwar ein Thema gewesen, jedoch ohne erkennbare Reaktion. Immer noch würden in der Geschäftsleitung von SRF kaum Digitalcracks sitzen. Das kommt «beim innovationsfreundlichen Teil der Belegschaft nicht gut an», so die NZZ am Sonntag.
Auch würden viele SRF-Mitarbeitende feststellen, wie die Akzeptanz in der Politik schwinde. Es gebe kaum mehr Goodwill. Die Gründe werden laut NZZaS in der SRG-Führung geortet. «Die SRG versagt massiv in der politischen Arbeit», so die SRF-Bundeshausredaktorin Priscilla Imboden, die zur Republik wechselt. Es gelinge nicht mehr, dass die Mehrheiten stabil hinter dem Unternehmen stehen würden. «Das Hauptproblem von SRF ist, dass es alles tut, um nicht das Aufsehen der Politik zu erregen», sagt auch Roger Schawinski. Der Support der Kulturszene ist laut der NZZ am Sonntag ebenfalls am Bröckeln.
«Wenn man die Stimmung bei SRF mit einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre ‹Orientierungslosigkeit› keine schlechte Wahl», heisst es im Zeitungsartikel. Die NZZaS berichtete bereits vor einer Woche darüber, «wie das SRF mit Reformen und Sparmassnahmen seine Sendungen und seinen Journalismus beschädigt». Sechs Journalistinnen und Journalisten arbeiteten an der Recherche mit. (cbe)