SRF sucht Generalisten statt Spezialisten

Ausbildung - Nach vier Jahren Pause wird Schweizer Radio und Fernsehen ab 2025 wieder Leute ausbilden. Anders als beim letzten Umgang sucht SRF für den crossmedialen Stage Leute mit breit gefächertem Allgemeinwissen und erwartet eine Identifikation mit dem Service public.

von Nick Lüthi

In der Vergangenheit gehörte eine Stage bei Schweizer Radio und Fernsehen SRF zu den begehrtesten Praxisausbildungen im Journalismus. Mehrere hundert Leute bewarben sich jeweils auf ein paar wenige Ausbildungsplätze. Das grosse Interesse hatte einen Grund: Wer die zwei Jahre Stage durchhielt, durfte mit einer festen Anstellung bei SRF rechnen.

Zahlreiche Aushängeschilder fanden so ihre Stelle, wie etwa die frühere Russlandkorrespondentin Luzia Tschirky oder «10 vor 10»-Moderator Arthur Honegger. «Im Stage habe ich gelernt, was es heisst, Qualitätsjournalismus in jeder Lebenslage zu produzieren», wirbt Honegger für den nächsten Umgang der zweijährigen Ausbildung.

Neuausrichtung als Grund für Pause

Anfang Juni hat SRF die Ausschreibung für den Lehrgang mit Start am 1. März 2025 aufgeschaltet. Seit 2021 pausierte die Ausbildung. Grund für die Pause sei die Neuausrichtung des Unternehmens rund um den Strategieprozess «SRF 2024» gewesen, teilt SRF auf Anfrage von persoenlich.com mit.

An der Grundstruktur des zweijährigen Stage hat SRF nichts geändert. Neben einer crossmedialen Grundausbildung arbeiten die Stagiaires auf einer Redaktion in den Bereichen Information, Kanäle Radio, Kultur oder Sport. Die grössten Änderungen gegenüber dem letzten Ausbildungsgang gibt es bei den Anforderungen an die Bewerberinnen und Bewerber.

Vor fünf Jahren suchte SRF Leute, die ein «fundiertes Spezialwissen in einem Fachbereich» mitbringen, und nannte als Beispiele dafür eine Reihe wissenschaftlicher Disziplinen – mit dem Ergebnis, dass 13 Personen mit einem akademischen Abschluss ausgewählt wurden. Das sorgte für Kritik. Für SRF war die bildungsbiografische Uniformität der Stagiaires hingegen ein «reiner Zufall».

SRF kommentiert Anpassungen nicht

Heute sucht SRF Leute mit einem breiten Allgemeinwissen und einem Interesse «für Themen, welche die Schweiz und die Welt bewegen». Warum die Anforderungen in diesem zentralen Punkt angepasst wurden, mag SRF zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Der Rekrutierungsprozess habe erst angefangen und dauere bis im Herbst. «Deshalb können zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben gemacht werden», teilt SRF auf Anfrage mit. Auch die Anzahl der angebotenen Ausbildungsplätze gibt der Sender nicht bekannt. In der Vergangenheit waren es immer rund ein Dutzend.

Eine weitere Änderung gegenüber 2019 findet sich beim eingeforderten Bekenntnis zum Unternehmen. Und das gleich doppelt. Zum einen sollen sich Bewerbende mit dem Service public identifizieren, zum anderen solle «eine erfolgreiche journalistische Laufbahn bei SRF» das Ziel der Ausbildung sein. Das fordert SRF mit gutem Grund. Von den Absolventinnen und Absolventen der früheren Ausbildungsgänge haben nicht wenige das Unternehmen früher oder später verlassen.