25.03.2019

SRF

Alle neuen Stagiaires sind Akademiker

Ohne Masterabschluss kein Stage: Im Leutschenbach starten jetzt im März 13 Stagiaires die zweijährige Ausbildung. Alle können einen Masterabschluss vorweisen. Für die Rekrutierung setzte SRF erstmals auf ein Digital-Assessment.
SRF: Alle neuen Stagiaires sind Akademiker
Sie starten wie dereinst Jonas Projer, Lukas Studer, Steffi Buchli, Arthur Honegger, Viviane Manz oder Silvan Lerch: die 13 Stagiaires vom Jahrgang 2019. (Bild: SRF/Oscar Alessio)
von Edith Hollenstein

Mehr als 200 Bewerber haben das erstmals durchgeführte Digital-Assessment gemacht, 13 haben es geschafft: Sie starteten am 1. März das crossmediale Stage beim Schweizer Radio und Fernsehen – das wahrscheinlich beliebteste praxisorientierte Ausbildungsprogramm im Schweizer Journalismus.

Der Jahrgang 2019 ist ein akademischer. Noch nie zuvor hat SRF für diese Ausbildung mit derart unterschiedlicher Fachexpertise aufgenommen. Damit wird die Vorgabe der SRF-Geschäftsleitung erfüllt, diese setzt nämlich auf mehr Fachspezialistinnen und Fachspezialisten sowie grössere Diversität, erklärt Barbara B. Peter. Sie verantwortet beim journalistischen Stage SRF die Publizistische Leitung und war massgeblich am Rekrutierungsprozess beteiligt.

Biologie, Mathe oder Physik

Was zählt mehr: Praktische Erfahrung im Journalismus oder Dossierkenntnisse, etwa in Mikrobiologie oder Physik? Seit dem ersten Jahrgang der trimedialen Stages im Jahr 2011 wurde laufend mehr auf das mitgebrachte Fachwissen gesetzt. Und dieses Jahr starten erstmals ausschliesslich Berufsleute mit einem Masterabschluss in der Tasche und drei von ihnen sind Doktorandinnen, wie Peter weiter erklärt. Unter den «Neuen» sind Absolventen in Islam-, Lebensmittel-, Geo- oder Politikwissenschaften, Genderstudies, Biologie, Mathe oder Physik. Zudem habe es unter ihnen eine – mit Master in Germanistik und Theaterwissenschaften –, die eine Regie-Ausbildung macht. Und viele seien Sprachtalente. Neben Französisch und Englisch spricht der Jahrgang 2019 zwölf Fremdsprachen, darunter Arabisch, Hebräisch, Hindi, Persisch, Taglog (Philippinisch) Chinesisch oder Türkisch.

Obwohl sie keine Garantie auf einen festen Arbeitsplatz nach Abschluss des crossmedialen Stages haben, ist damit klar, was SRF mit diesen Anforderungen bezweckt: das Fachwissen bei SRF, insbesondere im Newsroom stärken. SRF arbeitet derzeit daran, die Arbeitsprozesse auf den neuen Newsroom auszurichten, der im November seinen Betrieb aufnehmen soll (persoenlich.com berichtete). Die SRF-Journalisten arbeiten also nicht mehr exklusiv für «10vor10» oder für die «Tagesschau», sondern in Fachredaktionen, in denen sie Inhalte für verschiedene Formate in TV, Radio oder Online produzieren. Die Anpassung der Anforderungen an die Stagiaires hätten sich deswegen geändert, aber vor allem auch aufgrund der mittelfristigen Aussichten: «SRF will so aufbauen, was in fünf Jahren gefragt sein dürfte: Wissenschaft, Digital Readyness und journalistisches Potenzial», sagt Peter.

20-köpfige Jury wählt aus

Unter anderem deshalb wurden sie bereits im Rekrutierungsprozess nicht von den Redaktionsleitungen ausgewählt, sondern erst am Schluss, als alle 13 feststanden, auf die Ausbildungsredaktionen verteilt. «Der Auswahlprozess war lange und anspruchsvoll», sagt die Stage-Verantwortliche Peter. Kernstück sei ein digitales Assessment gewesen, wo etwa die Persönlichkeit getestet wurde, das logische Denken, verbales Schlussfolgern oder die Lernfähigkeit. Aus den Resultaten seien von einer zehnköpfigen Jury 32 Bewerber für ein Assessment-Center im Fernsehstudio in Zürich ausgewählt worden. Bei diesem einen ganzen Tag andauernden Verfahren – mit Kameratest, Gruppenaufgabe, Präsentation und Gespräch – seien die Bewerber von einer 20-köpfigen Jury bewertet worden, sodass am Schluss die 13 Glücklichen feststanden. «Alle sind sehr motiviert, interessiert und wach. Ich bin erstaunt, wie gross die Auftritt- und Vermittlungskompetenz der jungen Berufsleute ist, obwohl sie noch nie journalistisch gearbeitet hatten. Sie stehen lustvoll hin und haben keine Mühe, etwas vorzutragen», sagt Peter.

Die 13 Männer und Frauen im Alter von 24 bis 33 Jahren werden nun zuerst in den handwerklichen Basics für Video, Audio und Digital geschult. Anschliessend, nach zwei Jahren, so ist es das Ziel, werden sie als reguläre Redaktoren, Moderatoren oder Produzenten angestellt – sofern dies Sparmassnahmen nicht verhindern. Die zwölf Stagiaires, die im Februar 2019 ihren Stage abgeschlossen haben, arbeiten alle weiter bei SRF, teilweise allerdings mit befristeten Arbeitsverträgen.



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Kommentare

  • Robert Weingart , 25.03.2019 23:21 Uhr
    Theoretiker statt Praktiker.
  • Teresa Salerno , 27.03.2019 15:45 Uhr
    Und worin genau besteht die Diversität?
  • Sam Loew, 01.04.2019 15:07 Uhr
    Wenn jemand einen Masterabschluss hat, dann darf man immerhin davon ausgehen, dass er tatsächlich ein Studium absolviert und abgeschlossen hat. In den Biografieangaben von Journalisten schreibt SRF aber auch mal 1-2 Semester zu einem Studium hoch, um eine angebliche Fachkompetenz zu suggererien. Meines Erachtens ist es Hochstapelei von einem „Studium der Publizistik und Politologie“ zu schreiben, wenn man nur 1-2 Semester studiert hat, wenn überhaupt. Für SRF sind solche aufgehübschten Laufbahnangaben aber kein Problem.

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