Herr Grau, herzliche Gratulation zu 30 Jahre Star TV. Was bedeutet Ihnen dieses Jubiläum?
Aus heutiger Sicht ist es tatsächlich eine grosse Leistung, 30 Jahre im Medienbereich zu überleben. Swatch-Chef Nick Hayek hat mal zu mir gesagt: «Paul, es ist wirklich eine grosse Leistung im Haifischbecken der Medienbranche zu überleben. Hut ab.»
Was gab vor 30 Jahren den Ausschlag, mit einem eigenen Privatsender zu starten?
Eigentlich die Gesetzesänderung im Oktober 1994. Seit jener Zeit ist Privatfernsehen in der Schweiz kommerzialisierbar. Wir reichten dem Bakom umgehen ein Gesuch für eine nationale Verbreitung ein. Der Bundesrat erteilte uns 1995 die Bewilligung und am 31. August 1995 ging Star TV nach einem zweimonatigen Vorlauf offiziell auf Sendung.
«Gerne arbeite ich mit Menschen zusammen, die unsere Vision teilen»
Wie geht es Star TV momentan?
Star TV ist heute ein Medienunternehmen, das sich nebst der TV-Szene im Web und den Social-Media-Kanälen behaupten muss. Folglich gibt es täglich neue Herausforderungen – und so gesehen geht es uns gut. Gerne arbeite ich mit Menschen zusammen, die unsere Vision teilen.
Wieviele Mitarbeitende beschäftigen Sie?
Spätestens mit der Pandemie ist der Freelancer Anteil markant gestiegen. Vor Ort bieten wir zwölf Arbeitsplätze. Freelancer sind grösstenteils ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Star TV und Game TV. Zudem unterstützt mich meine Tochter Lea Rindlisbacher mit Eqal Visual Productions und meine Enkelin Laura Rindlisbacher. Folglich sind wir fast ein Familienbetrieb.
Sie betrieben den ersten landesweit empfangbaren Privatsender. Was löst dies bei Ihnen aus?
Landesweit im TV-Bereich trifft zu. Nebst der internationalen Verbreitung über das Internet und den Social-Media-Kanälen. Dabei ist sicher zu erwähnen, dass wir Star TV bereits im 1997 als Stream via «Real Video» weltweit verbreitet haben. Qualitativ waren das eher Mondbilder. Aber – das war eindeutig sensationell und hat unsere Innovationskraft angefeuert. Und – sportlich gesehen, waren wir zu der Zeit der dritte TV Sender, der weltweit verbreitet wurde.
«Den Prix Walo strahlen wir seit 16 Jahren auf Star TV aus»
Wenn Sie auf die vergangenen 30 Jahre zurückschauen, was waren für Sie die Highlights?
Sicher die Konzessionserteilung durch den Bundesrat 1995. Aber auch die erste landesweite Live-Übertragung der Street-Parade, die Faces & Traces-Serie, die wir für die Swatch Group produzierten, die Liveübertragungen vom «Ballermann» in Palma de Mallorca im Sommer 2005 mit der ganzen Star-TV-Crew oder die Liveübertragungen der Filmfestivals aus Locarno und Zürich und natürlich den «Prix Walo», den wir seit über 16 Jahren live auf Star TV ausstrahlen.
Star TV galt immer auch als Talentschmiede. Wer hat alles bei Ihnen gearbeitet?
Natürlich möchte ich hierbei niemanden vergessen. Es waren jedoch hunderte von talentierten jungen Menschen, denen wir die Möglichkeit gaben, sich kreativ zu entfalten und die uns als Sprungbrett nutzen konnten.
Wollten Sie in den vergangenen drei Jahrzehnten nie aufgeben?
Nein. Eigentlich nicht. Wieso sollte ich?
Sie waren immer ein Pionier und setzten schon früh auf künstliche Intelligenz. Wie zeigt sich das im Programm?
In Zeiten der Pandemie gab es nur einen Ausweg: KI. Dabei hat uns Anna, der erste Avatar von Star TV und Game TV gerettet. Heute produzieren wir die «Star News» und «Game News» ausschliesslich mit Avataren. Die Zauberformel lautet heute: Mit realen Menschen und Avatars Programme zu produzieren. Und dies in möglichst vielen Sprachen. Damit haben wir künftig die Möglichkeit, internationale Projekte zu realisieren, in x-beliebigen Sprachen.
Wie feierten Sie das 30-jährige Jubiläum?
Über 400 Personen, mehrheitlich aus dem Entertainment Bereich, haben sich für unsere Studioparty angemeldet. Es war ein sehr emotionaler, schöner Abend. Auch Dank meiner Familie und meiner Enkeltochter Laura, die mich zu Tränen gerührt hat. Ein grosser Dank geht an mein Team und Angela, die alles organisiert haben.

