13.01.2020

Medienkompetenz bei Schülern

Uni Zürich stellt aktuelles Schulmaterial her

Quellen verifizieren und Informationen einordnen können: Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich ist daran, eine eigene Redaktion aufzubauen. Sie soll Lehrer mit Unterrichtsmaterial über aktuelle mediale Debatten beliefern.
Medienkompetenz bei Schülern: Uni Zürich stellt aktuelles Schulmaterial her
«Tschäggsch Medie?»: Ein junger Mann in buntem Licht bildet das Keyvisual der Website Newsup. (Bild: newsup.ch)
von Edith Hollenstein

Wie berichtet der Blick über die Waldbrände in Australien und was ist dazu auf YouTube zu finden? Damit Lehrerinnen und Lehrer ihren Schülern den Unterschied zwischen Journalistischen Informationen und Fake News erklären können, sollen sie auf ein Angebot der Universität Zürich zugreifen können. Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (Fög) ist daran, unter dem Namen Newsup eine Redaktion aufzubauen, die Unterrichtsmaterial über aktuelle Debatten herstellen soll.

Am Beispiel der Doppeladler-Debatte im Jahr 2018 wurden Prototypen angefertigt. Das Fög hat die Schlagzeilen von Blick, NZZ und Telezüri zusammengetragen (siehe Abbildungen unten) und sie dem Instagram-Post von @Rezak sowie einem YouTube-Video von @Natuurproject gegenübergestellt. Durch den 230'000 Mal angeklickten Video-Beitrag führt eine holprige, mit Google Voice übersetzte Off-Stimme. Der Inhalt ist wirr, eine Quellenangabe über den Ursprung von Text und Bildern fehlt.

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Hier will das Fög ansetzen. «Anhand solcher Beispiele können wir Lehrern und Schülern anschaulich zeigen, wie sich journalistische Informationen auszeichnen», sagt Jens Lucht. Er ist beim Fög Departmentsleiter Wissensvermittlung und verantwortlich für dieses Projekt. «Wir haben beobachtet, dass gerade bei Social Media eine grosse Wissenslücke zwischen Lehrpersonen und Schülern klafft.» Lucht hat Verständnis dafür. «Lehrer müssen daneben in so vielen Themen auf dem Laufenden bleiben.»

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Laut dem Fög-Experten fokussiert das Angebot auf publizistischer Medienkompetenz, die trotz dem Fach «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 zu kurz komme. «Medienkompetenz in der Schule behandelt meist fast ausschliesslich technisches Know-how über Soft- und Hardware», sagt Lucht. Er will das didaktische Angebot einfach und niederschwellig halten, sodass es zeitnah und ohne weitere Adaptionen im Unterricht eingesetzt werden kann. Eine erste Version der Website ist bereits online.

56 Prozent der Jugendlichen sind newsdepriviert

Newsup richtet sich an Oberstufenschüler und Gymnasiasten, also Jugendliche ab 13 Jahren. Das Konzept mit dem Claim «Du hast Vorteile, wenn Du gut informiert bist» entstand mit Unterstützung der Jugendmarketingagentur Jim&Jim. «Ziel ist es, dass die Jugendlichen den Wert von journalistischen Informationen schätzen. Sie sollen journalistische Berufe kennen und verstehen, dass Informationsmedien eine enorme Bedeutung für die Demokratie haben», erklärt Lucht. Er verweist auf die Fög-Studien-Ergebnisse, die zeigen, dass Schweizerinnen und Schweizer sich seit Jahren immer stärker vom Newsjournalismus abwenden. In der Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen werden sogar 56 Prozent den sogenannt Newsdeprivierten zugeordnet.

Bereits 2015 hatte das Fög angekündigt, als Gegenmassnahme stärker in die Medienkompetenz der jungen Erwachsenen zu investieren. «Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie wir die jungen Erwachsenen für den Informationsjournalismus verlieren. Im Bereich Medienkompetenz wollen wir uns stärker engagieren», sagte Fög-Präsident Mark Eisenegger damals in einem Interview mit persoenlich.com.

Finanzierung unsicher

Neben Newsup gibt es in der Schweiz verschiedene weitere Medienkompetenz-Initiativen. Die Initiative Younews gehört dazu, ebenso die Anstregungen des Verbands Schweizer Medien oder der Journalistenschule MAZ. Unter dem Namen «Pumas» (Publizistische Medienkompetenz an der Schule) sind derzeit einige Akteure daran, ihre Aktivitäten zu bündeln. «Es läuft viel, aber es herrscht sozusagen Wildwuchs», sagt Lucht.

Das Newsup-Projekt läuft aktuell auf niedriger Flamme, denn noch ist die Finanzierung nicht vollständig gesichert. Damit vier bis fünf Medienthemen didaktisch aufbereitet werden können, sind 100'000 Franken im Jahr nötig.



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