Herr Küng*, am Donnerstag feiern Sie zusammen mit Gästen 20 Jahre IGEM. Gibt es derzeit überhaupt Grund zum Feiern?
Ein 20-Jahr-Jubiläum ist alleine schon ein Grund zum Feiern. Wir konnten aber auch in all den Jahren immer wieder beweisen, dass wir einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung des kommerziellen Marktes der elektronischen Medien bieten konnten. Und vor allem möchten wir unseren treuen Mitgliedern danken und mit ihnen dieses Jubiläum feiern.
In den Medien findet eine beispielslose Konzentration statt, der Vermarkter Publicitas ging Konkurs… Wie ist die Stimmung im Verein?
Mit dem Konkurs der Publicitas verlieren wir ein langjähriges, geschätztes Mitglied. Da sich die Publicitas jedoch vor einigen Jahren aus der Vermarktung der klassischen elektronischen Medien TV, Radio und Kino zurückgezogen hat, ist auch seit längerem kein Publicitas-Vertreter mehr in unserem Vorstand aktiv. Das Thema betrifft aber natürlich jene Mitglieder, welche auch im Printgeschäft tätig sind, sehr stark. Unsere Jubiläumsstimmung wird dadurch aber nicht getrübt.
«Die Monate ohne Zuschauerzahlen haben uns permanent beschäftigt»
Seit 2007 stehen Sie der IGEM als Präsident vor. Welches waren sonst die grössten Schwierigkeiten in der Vereinsgeschichte?
Das war ohne Frage das Jahr 2013 mit dem missglückten Währungswechsel in der TV-Forschung (persoenlich.com berichtete). Die Monate ohne Zuschauerzahlen haben uns im Vorstand permanent beschäftigt. Wir konnten hier aber auch einen grossen Beitrag zum Dialog der verschiedenen Parteien leisten. Dass wir damals weiterhin sachlich diskutieren konnten, beweist einmal mehr, dass der IGEM-Vorstand – trotz seiner heterogenen Zusammensetzung – im Sinne der Sache sehr gut funktioniert.
Und welches würden Sie als grössten Meilenstein der IGEM bezeichnen?
Sicherlich die Treue unserer Mitglieder. Abgesehen von durch Marktveränderungen bedingten Gründen, lassen sich die Abgänge von Mitgliedern in den letzten 20 Jahren an einer Hand abzählen. Drei Viertel der Gründungsmitglieder von 1998 sind heute noch IGEM-Mitglied. Das zweite grosse Highlight ist sicherlich unsere jährliche IGEM-DigiMonitor-Studie. Wir sind stolz darauf, diese im Markt einzigartige Forschung jedes Jahr finanzieren und unseren Mitgliedern zur Verfügung stellen zu können.
Vor 20 Jahren wurde der Begriff «elektronische Medien» teils sicher noch anders verstanden als heute. Was hat sich seither verändert?
Der Wechsel von analog zu digital. Da sind wir in allen Bereichen gefordert, in welchen wir aktiv sind. Angefangen von der Forschung bis hin zu unseren Engagements in den Themen Politik oder Ausbildung.
Wagen wir damit einen Blick in die Zukunft: Bewegtbild wird immer wichtiger – über alle Medien. Was macht da die IGEM?
Die Themen Bewegtbild, konvergente Währung und All-Screen-Planning stehen schon seit Jahren ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Auch hier haben wir einmal mehr den Vorteil, dass sämtliche Beteiligten bei uns Mitglieder sind. Somit können wir unseren Beitrag in allen Gremien leisten und eine Plattform für Information und Ausbildung leisten.
Der Swiss Media Data Hub will eine neue Online-Werbemittelforschung einführen. Die IGEM will mitwirken. Auf welche Weise?
Die Online-Werbemittelforschung ist unabdingbar für die Entwicklung einer konvergenten Währung. Da dies wie gerade erwähnt eines unserer Kernthemen ist, beabsichtigt die IGEM, sich am Swiss Media Data Hub zu beteiligen. Denn so können wir uns bestmöglich einbringen.
«Auch von Seiten des Bundes wurde die Kompetenz der IGEM erkannt»
Auch politisch ist die IGEM aktiv. Wie wollen Sie sich beim anstehenden Mediengesetz einbringen?
Auch von Seiten des Bundes wurde die Kompetenz der IGEM erkannt. So werden wir in der Regel zu allen medienpolitischen Themen angehört beziehungsweise unsere Meinung angefragt. Wie bei allen vergangenen Anpassungen von RTVG und RTVV werden wir uns im Sinne von vielfältigen und liberalen Möglichkeiten kommerzieller Kommunikation in den elektronischen Medien einbringen.
Von Werbeeinschränkungen bei der SRG halten Sie jedoch wenig. Warum?
Sich für vielfältige Werbemöglichkeiten einzusetzen, ist sozusagen die DNA der IGEM. So haben wir tatsächlich einstimmig und ohne Diskussionen im Vorstand entschieden, dass wir uns aktiv gegen weitere Werbeeinschränkungen bei der SRG einsetzen werden. Auch hier wurden einmal mehr Eigeninteressen weggelassen und für die Sache entschieden.
Bleiben wir in der nahen Zukunft: Wie feiern Sie persönlich am Donnerstagabend?
Da habe ich zuerst einmal ein paar offizielle Funktionen wahrzunehmen und dann freue ich mich darauf, mit unseren Mitgliedern und Gästen auf das Jubiläum anzustossen.
* Der 51-jährige Stephan Küng ist Präsident der Interessengemeinschaft Elektronische Medien (IGEM) und Inhaber der Mediaagentur TWmedia.
Das Interview wurde schriftlich geführt.