29.01.2023

FocusMedia

«Unsere Sendung war ein Medienexperiment»

JobTV hat 1996 für grosse Beachtung in der Medienwelt gesorgt. Nun wird ein Dokumentationsfilm uraufgeführt, der die Geschichte des Arbeitslosen-Fernsehens zeigt. JobTV-Gründer Kurt Reinhard über den «Mutmacher seit 1996».
FocusMedia: «Unsere Sendung war ein Medienexperiment»
Gründete 1996 JobTV, ein öffentlich finanziertes Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogramm: der heute 66-jährige Kurt Reinhard. (Bild: zVg)
von Christian Beck

Herr Reinhard, können Sie anderen Menschen gut Mut machen?
Ich denke schon. Menschen ermutigen zu können, war in meiner Tätigkeit bei JobTV und FocusMedia wahrscheinlich die wichtigste Fähigkeit. Oft gelangen gerade Anfängern mit ihrem «Beginner's mind» Dinge, die ich als Profi nicht für möglich gehalten hätte.

«Mutmacher seit 1996» heisst ein 40-minütiger Dokumentationsfilm, der am Dienstag einer geschlossenen Gesellschaft vorgeführt wird. Was zeigt der Film?
Der Film zeigt die abwechslungsreiche 27-jährige Geschichte von JobTV, gespiegelt in vielen Momentaufnahmen der über 3000 beteiligten Stellensuchenden.

Was motivierte Sie damals, JobTV zu gründen?
Etwas Sinnvolles zu machen – und das im direkten Kontakt zusammen mit den betroffenen Stellensuchenden.

«Die Sender waren dankbar für spannenden Content»

Damals lief «JobTV – Arbeitslose machen Fernsehen» auf TeleZüri und TeleBärn, später dann auf Tele24 und weiteren Regionalsendern. Wurden Sie von den Sendern dafür bezahlt oder mussten Sie Sendezeit einkaufen?
Als wir mit JobTV starteten, waren das auch die Anfänge des Lokalfernsehens. Die Sender waren dankbar für spannenden Content. Der Deal mit ihnen war, dass sie unsere Sendung umsonst bekommen und uns dafür einen guten Sendeplatz geben.

Und was zeigte das wöchentliche Fernsehmagazin?
Im Zentrum standen innovative Beispiele aus der Arbeitswelt, die Mut machen. Oft waren es Beiträge an potenziellen Arbeitsorten. Den stellensuchenden Fernsehmachenden von JobTV bot sich so die Chance, in Unternehmen reinzuschauen – sich zu vernetzen und zu zeigen, was sie können.

Wie gross war das Zuschauerinteresse?
Da unser Magazin von einigen Sendern mehrmals gezeigt wurde, sahen es rund 100'000 Personen.

Richtete sich JobTV nur an arbeitslose Medienschaffende?
Unsere Sendung bot eine authentische und frische Sicht auf das Thema Arbeit und war gleichzeitig ein Medienexperiment. Unser Zielpublikum waren denn auch alle, die sich für Arbeit und Medien interessieren.

«Wir starteten schon 1998 mit einer Internetabtabteilung»

Hätten Sie damals geahnt, dass Konvergenz bei den Medien später einmal so wichtig wird?
Sicher dachten wir nicht an die Dimension, welche Konvergenz heute hat. Wir starteten aber schon 1998 mit einer Internetabtabteilung. Ein Jahr später wurde daraus das «Onlinelabor», ein neues Qualifizierungsangebot für Stellensuchende.

Was waren für Sie damals die grössten Herausforderungen?
Den fernsehmachenden Stellensuchenden klarzumachen, dass wir keine Fernsehschule sind und dass es unrealistisch ist, dass sie im Medienbereich eine Stelle finden.

Gab es auch völlig Untalentierte?
Eigentlich nicht. Die Herausforderung war, ihre Talente zu entdecken, respektive sie zu ermutigen, diese zu zeigen.

Im Jahr 2000 wurde Tele24 eingestellt. Mit welchen Folgen für JobTV?
Auf den verbliebenen Lokalsendern hätten wir künftig für einen guten Sendplatz bezahlen müssen. Da wir das nicht wollten und auch nicht konnten, entschlossen wir uns, den hart umkämpften Fernsehmarkt hinter uns zu lassen.

«Die Konkurrenz im Fernsehgeschäft nahm stetig zu»

Wie gross war der Schock für Sie?
Wir waren nicht sehr schockiert, da die Entwicklung absehbar war. Die Konkurrenz im Fernsehgeschäft nahm stetig zu. Gleichzeitig wurde der Werbekuchen nicht grösser und am Horizont zogen bereits die bedrohlichen unberechenbaren Wolken des Internets auf.

Sie haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Wie ging es weiter?
Wir waren schon länger mit der Fachstelle für Soziokultur der Stadt Zürich eine Zusammenarbeit am Eruieren. Nun bot sich die Gelegenheit mit dem Projekt «Eigenart» im Zürcher Stadtkreis 3. Unser Auftrag war es, mittels Medienarbeit den Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern.

Wenn Sie heute zurückblicken: Welches war der grösste Meilenstein?
Es war für mich nicht ein bestimmter Meilenstein, sondern, dass wir alle Umbrüche als Impulse für die Weiterentwicklung von JobTV nutzen konnten und es darum das Unternehmen – heute als FocusMedia – noch immer gibt.

Und was würden Sie heute anders machen?
Noch entschiedener und mutiger auf diese Impulse reagieren.

Die Firma JobTV wurde vor zwei Jahren 25. Gefeiert wird erst jetzt. 2021 hätte man doch trotz Coronapandemie feiern können?
Wir wollten einen Live-Anlass durchführen und fanden, dass dies während der Pandemiezeit nicht passend ist.

«Gut erzählte Geschichten mit Bildern, Tönen und Text werden immer gefragt sein»

Sie erwähnten es: 2021, im eigentlichen Jubiläumsjahr, änderten Sie den Namen von JobTV zu FocusMedia. Warum das?
Die Namensänderung stand schon länger an und war dann auf das Jubiläum hin geplant. Der Name FocusMedia entspricht viel mehr dem, was wir heute anbieten: Auseinandersetzung mit den aktuellen Medien in allen Variationen und Kombinationen.

Hat Fernsehen also ausgedient?
Wenn ich höre, dass BBC ab 2030 alle Angebote nur noch online anbietet, dann hat das klassische Fernsehen sicher ausgedient. Gut erzählte Geschichten mit Bildern, Tönen und Text werden jedoch immer gefragt sein.

Zum Schluss: Wenn jemand plötzlich vor der Arbeitslosigkeit steht, mit welchem Tipp machen Sie Mut?
Sich Zeit zu nehmen und zu fragen: Was kann ich gut? Was will ich lernen? Was macht mich glücklich? Und dann vielleicht, um das sicht- und zeigbar zu machen, sich bei FocusMedia bewerben.



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