04.05.2017

NZZ-Mediengruppe

Veit Dengler distanziert sich von Erklärvideo

Der NZZ-CEO kritisiert einen «Native Advertising»-Film auf der Website des Verlegerverbands. Dieser reagiert auf Anfrage von persoenlich.com prompt und entfernt den Clip. Zwar sei der Film von der Aussage her nicht falsch, sei aber aus Sicht der Publisher nicht ideal, heisst es beim Verband Schweizer Medien.
NZZ-Mediengruppe: Veit Dengler distanziert sich von Erklärvideo
Im Erklärfilm «Native Advertising» wird geschildert, wie gesponserte Inhalte in ein redaktionelles Umfeld gelangen. Wie ein Chamäleon würden sich diese Artikel der Umgebung anpassen. (Bild: Screenshot)
von Christian Beck

Zu später Stunde twittert NZZ-CEO Veit Dengler am Mittwochabend: «Die NZZ-Mediengruppe distanziert sich vom unsäglichen Video des VSM zu Native Advertising.»

Gemeint ist folgender Explain-it-Erklärfilm, der vor zwei Monaten auf der Website des Verbands Schweizer Medien VSM publiziert und am Mittwochnachmittag von der «Republik»-Herausgeberin Project R in Umlauf gebracht wurde:

«‹Native› – allgemein im Wortsinn und im Speziellen im Sinne des Videos – bedeutet bewusste, gewollte Verwechslung von redaktionellen und gekauften Inhalten», sagt Dengler auf Anfrage von persoenlich.com. «Das zerstört das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Medien.» Dengler verweist auf die NZZ-eigenen Richtlinien zu Branded Content. Darin heisst es unter anderem: «Branded Content darf und wird unsere Leserinnen und Leser nicht täuschen. Daher ist Branded Content auf NZZ.ch gekennzeichnet.» In den Richtlinien folgt eine Auflistung, wie ein solcher gesponserter Inhalt zu erkennen ist. «Die Unterschiede sind selbsterklärend», so Dengler.

VSM reagiert schnell

persoenlich.com konfrontiert VSM-Geschäftsführer Andreas Häuptli mit Denglers Kritik. Dieser sagt, dass der Erklärfilm zum Thema Native Advertising vom Anbieter Explain-it zur Verfügung gestellt wurde, also keine Eigenproduktion sei. «Zu Native Advertising gibt es verschiedene Definitionen. Der Film ist von der Aussage her insofern nicht falsch», sagt Häuptli. Aber: «Es erklärt die Vorteile dieser Werbeform für den Werbekunden, berücksichtigt die Problematik der Unterscheidbarkeit zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung für den Leser aber nicht genügend», gesteht er ein. «Das ist aus Sicht der Publisher in der Tat nicht gut.» Schliesslich habe auch der Verlegerverband einen «Code of Conduct» zu diesem Thema, in dem die Unterscheidbarkeit von redaktionellen Inhalten und Werbung vorgeschrieben sei.

Häuptli lässt auf Worte umgehend Taten folgen. Bereits am frühen Donnerstagmorgen wurde der Erklärfilm von der VSM-Website entfernt. «Wir werden zukünftig vorsichtiger vorgehen bei der Auswahl», verspricht Häuptli.

Explain-it hat hunderte Kunden

Explain-it ist ein Anbieter von Erklärvideos und Video Based Trainings im deutschsprachigen Raum. Zu den mehr als 700 Kunden zählen mittlere und grosse Unternehmen sowie Marken wie unter anderem Allianz, Bosch, Coca Cola, L’Oréal, Samsung und Siemens. Auch persoenlich.com hat eine Partnerschaft mit Explain-it und veröffentlicht regelmässig Erklärfilme.

 



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Kommentare

  • Thomas Binder, 05.05.2017 15:49 Uhr
    "Wenige Themen der Menschheitsgeschichte sind so gründlich durchleuchtet wie 9/11." (Veit Dengler) 9/11 - Eine Frage der Statik des Rückgrats https://www.vimentis.ch/dialog/readarticle/9-11---eine-frage-der-statik-des-rueckgrats/
  • Peter Eberhard, 05.05.2017 10:23 Uhr
    Die "Erklärung" des VSM-Vertreters ist hilflos. Allein die Chamäleon-Analogie im Video entlarvt Native Ad als das, worauf diese Werbeform angelegt ist: Täuschung.
  • Sandro Prezzi, 04.05.2017 18:00 Uhr
    Werbung rutscht wohl immer stärker in eine Identitätskrise. Sie gibt gerade Online vermehrt als etwas aus, was sie nicht ist. Ob nun als Sponsored Content bei Facebook, Instagram, Online Medien oder Native Advertising, sie versucht etwas vorzuteuschen, was sie nicht ist. "Schleichwerbung" ist aber keine Erfindung der Digi-Tech-Kids - sondern schon so alt wie die Werbung selbst. Genauso verpönt und unbeliebt ist sie auch seither. Leider sehen viele Verleger die Gefahr, welche gerade von solchen Werbeformaten ausgeht nicht, sondern lassen sich vom potentiellen Werbeumsatz verleiten. Dass sie dadurch die Glaubwürdigkeit auch des Qualitätscontent riskieren und damit noch mehr zahlende Abonnenten riskieren, bzw. verlieren werden, scheint egal. Schade.
  • Kurt Heller, 04.05.2017 10:41 Uhr
    Wenn man einen Stein in eine Meute wirft, dann heult der Betroffene.
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