Den Auflösungsbeschluss fasste der Verein Medienqualität Schweiz (MQS) an seiner Generalversammlung vom Mittwoch. Als Begründung nennt der Vorstand in einer Mitteilung veränderte Rahmenbedingungen: Die Medienlandschaft und ihre Nutzungsformen hätten sich stark gewandelt, gleichzeitig seien die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen für eine institutionalisierte Weiterführung zunehmend schwieriger geworden. Trotz geprüfter Weiterentwicklungs- und Neupositionierungsoptionen sei der Vorstand zum Schluss gelangt, dass eine nachhaltig finanzierte Fortsetzung nicht mehr möglich sei.
Ein zentraler Grund ist der Rückzug wichtiger Geldgeber. «Bedeutende Donatoren haben ihr langjähriges Engagement beendet. Es gelang uns nicht, andere Unternehmen zu finden, welche in ähnlichem Umfang bereit waren, unsere Arbeit zu unterstützen», so Andreas Durisch, Initiator und Vorstandsmitglied des MQS, auf Anfrage von persoenlich.com. Hinzu komme eine inhaltliche Verschiebung der Debatte: «Die Qualitätsdiskussion hat sich tendenziell verlagert von der Qualität der einzelnen Titel zur Grundsatzfrage, wer in Zukunft den öffentlichen Diskurs gestalten kann, um unsere direkte Demokratie funktionsfähig zu halten.»
Medienqualitätsranking wird nicht weitergeführt
Der Verein Medienqualität Schweiz wurde im März 2014 gegründet mit dem Ziel, die Diskussion über Medienqualität in der Schweiz zu fördern und zu versachlichen (persoenlich.com berichtete). Kernstück seiner Arbeit war das Medienqualitätsranking, das in Zusammenarbeit mit universitären Instituten entwickelt wurde und empirische Grundlagen für die öffentliche Debatte lieferte.
Die bisherigen Studien und Erkenntnisse des Vereins sollen dokumentiert und zugänglich bleiben. «Das Medienqualitätsranking wie bisher wird nicht weitergeführt», so Durisch. Das Ranking erschien alle zwei Jahre – die nächste Ausgabe wäre 2026 fällig gewesen, voraussichtlich im Herbst. Sie bleibt nun aus. Die beteiligten wissenschaftlichen Institute wollen die Forschung zur Medienqualität in anderen Projekten weiterführen.
Gemäss Statuten sind verbleibende Mittel «einer steuerbefreiten Institution, mit Sitz in der Schweiz, mit gleicher oder ähnlicher Zielsetzung» zuzuwenden. «Das restliche Vereinsvermögen ist bescheiden», so Durisch. Vorstand und Generalversammlung hätten beschlossen, die wenigen Tausend Franken dem Verein Qualität im Journalismus (QuaJou) zu spenden, der sich ebenfalls für die Medienqualität engagiere.