14.06.2019

Frauenstreik

Violette Online-Artikel und geschlossene Agentur-Türen

Landauf landab haben die Frauen am Freitag für Gleichberechtigung mobilgemacht. Auch die Medien- und Kommunikationsbranche nutzte den Streik, um auf Lohnungleichheit und Diskriminierung aufmerksam zu machen.
Frauenstreik: Violette Online-Artikel und geschlossene Agentur-Türen
Wie in Zürich gingen in der ganzen Schweiz die Frauen am Freitag auf die Strasse, um für Gleichberechtigung zu kämpfen. (Bild: Keystone/Melanie Duchene)

Der Frauenstreik ist am Freitag landesweit sichtbar gewesen. Der Kampftag für die Gleichstellung der Geschlechter war dezentral organisiert und ging mit mannigfaltigen Aktionen über die Bühne. Bereits um Mitternacht gab es in Zürich und Basel erste Aktionen.

Auch die Frauen in der Medien- und Kommunikationsbranche nutzten den Streik, um auf die Ungleichbehandlung und geschlechterspezifischen Probleme in ihren Berufen aufmerksam zu machen. So organisierten beispielsweise viele Redaktionen am Morgen Protestaktionen in ihren Betrieben. Rund 40 Online-Medien schalteten zudem den «Purple Screen» auf, einen Artikel mit violettem Teaserbild (persoenlich.com berichtete).

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Auch Zeitungen zogen mit besonderen Aktionen mit. So erschien etwa der «Bote der Urschweiz» am Frauenstreik als «Botin der Urschweiz» und der Lokalteil der Tageszeitung «Der Rheintaler» trug den Titel «Die Rheintalerin».

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Am Mittag trafen sich zahlreiche Medienfrauen und ihre Unterstützerinnen auf dem Kanzleiareal in Zürich, wo sie einen eigenen Pavillon hatten und Leserinnen zum Diskurs einluden. Am Nachmittag stellten sich die Journalistinnen den Fragen und Inputs bei der Aktion «More Woman More News», die sie auf Instagram und Twitter dokumentierten.

Kurz vor Mittag legten die Buchhändlerinnen, unterstützt von den Autorinnen, ihre Arbeit nieder und veranstalteten eine Protestpause auf dem Zürcher Stadelhoferplatz.

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Auch viele Agenturen unterstützen den Streik. Die einen schenkten ihren Mitarbeiterinnen einen freien Halbtag, die anderen forderten aktiv zum Streik auf, wie persoenlich.com berichtete. Und wieder andere liessen sich besondere Aktionen einfallen.

Die Zürcher Agentur Y&R Wunderman beispielsweise lud weibliche Talente der Kommunikationsbranche am frühen Freitagmorgen zu einem Networking-Frühstück ein. Frauen aus zwölf verschiedenen Agenturen und Firmen seien bei ihnen zu Gast gewesen, sagt Creative Director Annette Häcki. «Der Austausch und das Feedback waren sehr positiv. Es kam sogar die Idee auf, sich von nun an regelmässig zu treffen.» Vielleicht werde sie das initiieren, so Häcki.

Die Agentur Franz&René entschied sich gar, ihre Türen ab Mittag zu schliessen und damit nicht nur «die Frauen rauszuwerfen, sondern auch die Männer». Wie es in einer Mitteilung heisst, will die Agentur damit zeigen, dass «in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt etwas gewaltig schief läuft».

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Ein Blick in die Schweizer Zeitungen zeigt einen höchst unterschiedlichen Umgang mit dem Thema. Der «Blick» beispielsweise zeigte plakativ, was sich ändern muss, damit ein Frauenstreik überflüssig wird. Dabei lässt er unter anderem auch Frauen prominent zu Wort kommen, die üblicherweise als stille Schafferinnen am unteren Ende der Lohnskala keine Stimme haben. Eine solch hohe Präsenz der Frauenanliegen finden sich auch in der Gewerkschaftszeitung «Work» und der Wochenzeitung «WOZ».

Zwischen hoher und geringer Präsenz

Den entgegengesetzten Pol auf der Frauenstreik-Skala bilden «Der Zürcher Bote» und «20 Minuten». Die wöchentliche Zeitung der kantonalen Zürcher SVP schaffte es, Gleichberechtigung umzudeuten: Männer und in der Schulbildung die Buben bedürften der Gleichberechtigung, so der Tenor in der sogenannten «Wochenzeitung für den Mittelstand». Auch «20 Minuten» verwies den Frauenstreik und dessen Anliegen in eine schattige Nische.

Zwischen diesen beiden Polen bewegten sich andere Schweizer Zeitungen. Mit gewohnt intellektuellem Anspruch und feiner Klinge ging die «Neue Zürcher Zeitung» ans Werk. Die Leserinnen mussten schon sehr genau hinschauen, um zu bemerken, dass die Freitagsausgabe an einem besonderen Tag erschien. Die Tamedia-Zeitungen sowie die Blätter der CH-Media-Gruppe gaben den Frauen immerhin die wichtigsten Stimmen in ihren Kommentarspalten und kündigten diese prominent auf der Front auch an. (sda/lom)



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