Im Nachgang der Schilderungen von Ex-Magazin-Journalistin Anuschka Roshani hat die frühere SRF-Journalistin und heutige CEO des Finanzportals ElleXX, Patrizia Laeri, eigene Erfahrungen, die sie vor 20 Jahren bei SRF gemacht hat, öffentlich gemacht. «Redaktor versucht mich als junge Praktikantin zu küssen. Muss mich körperlich wehren. Er versucht es genau gleich bei der nächsten Praktikantin. Er sitzt immer noch in Leitungsfunktion bei SRF», schrieb sie in den sozialen Medien. SRF hat sich danach bei ihr gemeldet und einen Austausch angeboten (persoenlich.com berichtete).
Nun haben sich seither mehrere SRF-Mitarbeitende beim Schweizer Syndikat Medienschaffende (SSM) mit eigenen Erfahrungen gemeldet. Dies bestätigt SSM gegenüber dem Portal Watson. Es lägen Fälle von nicht tolerierbarem Verhalten vor. Wie viele Personen sich gemeldet und was sie geschildert hätten, dazu machte das SSM aus Vertraulichkeitsgründen keine Angaben.
Das SSM sagt gegenüber Watson: «Wir werden genau hinschauen, ob entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Wichtig ist für uns, dass es eine Untersuchung dazu gibt, warum die Fälle bislang nicht ans HR gelangten, oder falls doch, warum keine Konsequenzen gezogen wurden.»
Auch bei der Gewerkschaft für Medienschaffende Syndicom haben sich in den letzten Tagen vermehrt Journalistinnen gemeldet, die Ähnliches erlebt haben. Alleine in den letzten Wochen seien es gut ein Dutzend gewesen, sagte Sprecherin Romi Hofer zu SonntagsBlick. «Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.» Für Syndicom ist klar: In vielen Medienkonzernen herrsche ein strukturelles Sexismus- und Mobbingproblem, Vorfälle blieben oft ohne richtige Konsequenzen. Es brauche nichts weniger als einen Kulturwandel auf den Redaktionen. (sda/wid)