03.02.2023

#MediaToo

Ex-Magazin-Journalistin erhebt schwere Vorwürfe

In einem Gastbeitrag im Spiegel schreibt Anuschka Roshani über Sexismus, Machtmissbrauch und Mobbing beim Magazin. Ihre Vorwürfe richten sich namentlich gegen den ehemaligen Chefredaktor Finn Canonica. Sein Anwalt dementiert.
#MediaToo: Ex-Magazin-Journalistin erhebt schwere Vorwürfe
Anuschka Roshani hat von 1995 bis 2001 für den Spiegel gearbeitet, anschliessend während 20 Jahren beim Tagi-Magi. (Bild: persoenlich.com/cbe)

Die ehemalige Magazin-Journalistin Anuschka Roshani nimmt in einem Gastbeitrag in der aktuellen Spiegel-Ausgabe kein Blatt vor den Mund. Sie schreibt von Sexismus, Machtmissbrauch und Mobbing durch ihren damaligen Vorgesetzten Finn Canonica, der im vierseitigen Artikel namentlich genannt und mit Bild gezeigt wird. Ende Juni wurde bekannt, dass Canonica nach 20 Jahren beim Magazin «eine neue berufliche Herausforderung annehmen» werde (persoenlich.com berichtete).

«Als Finn Canonica 2007 Magazin-Chefredakteur wurde, begann er ein Regime des Mobbings», so Roshani, die laut eigenen Angaben rund 14 Jahre unter ihm gearbeitet hat. Im Detail schildert sie, wie sich Canonica gegenüber seinen Mitarbeitenden verhalten haben soll. «Im Wesentlichen aber entwürdigte er mich mittels verbaler Herabsetzung», so Roshani, Mitunterzeichnerin des Protestbriefes von Anfang 2021. Dutzende Frauen beklagten damals die «sexistische Arbeitskultur» bei Tamedia. Roshani meldete die Vorfälle.

Anuschka Roshani nennt in ihrem Gastbeitrag einige konkrete Beispiele. «So unterstellte er mir in einer Konferenz, ich hätte mir journalistische Leistungen mit Sex erschlichen.» Oder: «Hinter meinem Rücken nannte er mich vor einer Kollegin ‹die Ungefickte›.» Oder: «Verwendete ich ein deutsches, in der Schweiz unübliches Wort wie ‹Kekse› statt ‹Guetzli›, zeichnete er mir Hakenkreuze an den Rand meiner Manuskripte.»

Die Spiegel-Redaktion hält Roshanis Schilderungen nach eigenen Recherchen für plausibel. Der Anwalt von Finn Canonica weist die Anschuldigungen gegenüber der deutschen Zeitschrift jedoch zurück: «Die Vorwürfe treffen nicht zu und werden vehement bestritten.» Tamedia reagierte in einer Stellungnahme: Man habe die Vorwürfe «sehr ernst genommen und akribisch prüfen lassen». Die externe Untersuchung habe Roshanis Vorwürfe «zum überwiegenden Teil» nicht bestätigt.

Ende September hat Roshani «ohne Angabe von Gründen» die Kündigung erhalten, wie sie schildert. Sie habe gegen Tamedia Klage eingereicht «wegen Verletzung der Fürsorgepflicht aufgrund sexistischer Diskriminierung und Mobbings».

Es gilt die Unschuldsvermutung. (cbe)



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Kommentare

  • Andreas Imhasly, 05.02.2023 17:22 Uhr
    Was hier berichtet wird, macht mich betroffen: ich habe die Arbeit von Frau A.R. sehr geschätzt, sie in den letzten Monaten vermisst und frage mich, warum sie nicht verabschiedet wurde. Soviel Personal-Kultur sollte sein wie zB. bei den Kolumnisten. Ich danke ihr für ihren Beitrag zur Qualität von Das Mag...
  • Aldrovandi Mario, 04.02.2023 23:09 Uhr
    Von den letzten drei Chefredaktoren des MAGAZIN waren zwei Nieten - beruflich und persönlich: Roger Köppel 1997 - 2001 Res Strehle: 2001 - 2007 Finn Canonica 2007–2022 Das Personalmanagement des Tagesanzeiger leidet offenbar seit längerem unter Fehleinschätzungen.
  • Marianne Fehr, 04.02.2023 16:38 Uhr
    Unglaublich, dass so was gedeckt wurde. An den Aussagen von A. Roshani zweifle ich keinen Moment. Canonica hatte einen schlechten Ruf.
  • Victor Brunner , 04.02.2023 14:17 Uhr
    Der Tages-Anzeiger berichtet nicht über die Vorkommnisse. Aufklärung wäre da zwingend, die Behauptungen von Frau Roshina sind keine Bagatellen. Wird da wieder auf Kosten einer Frau übles unter dem Deckel gehalten?
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