Herr Gebel, der Zeitpunkt Ihres Rücktritts als Unterhaltungschef erstaunt. Warum gehen Sie vor Ruedi Matter?
Ich verlasse SRF nicht, ich gebe die Abteilungsleitung der Unterhaltung ab, um direkt bei Ruedi Matter angesiedelt in der Unternehmensleitung einen neuen Job anzutreten. 17 Jahre in der Geschäftsleitung sind unglaublich lang und ich finde den Zeitpunkt für einen Wechsel ideal.
2011 sind Unterhaltungschef geworden. Es ist jedoch breit bekannt, dass Sie damals lieber Sportchef geworden wären.
Vor vielen Jahren, als ich noch gar nicht bei SRF tätig war, habe ich einmal auf die Frage nach meinem Traumjob gesagt: Sportchef bei SRF. Das war einmal. Bei der Fusion von Radio DRS und SF zu SRF im Jahr 2011 habe ich mich dann für die Unterhaltung beworben – ein wahrlich tolles Gebiet. Da war das Thema Sport schon lange abgeschlossen.
Wie hat sich die Abteilung innert dieser sechs Jahre verändert?
Wir haben in der Zeit des digitalen Umbruchs verschiedenste Herausforderungen zu bewältigen. Zudem hatten wir immer weniger Geld zur Verfügung, mussten aber praktisch die gleiche Anzahl Sendeplätze mit unserem Portefeuille bespielen. Alles ist kurzlebiger geworden, Fernsehen ist zwar noch wichtig, aber viele Menschen konsumieren Medien heute anders. Dem entsprechend haben wir unsere Abteilung laufend angepasst und uns stark reorganisiert.
Wie viele Leute führten Sie zum Schluss?
Rund 110 Personen.
Und welches Budget verwalten Sie aktuell?
Das kann ich hier nicht im Detail ausführen. Die Kosten finden Sie auf srf.ch/sendungskosten.
Wie gingen Sie vor beim Scouting von Talenten und frischen Formaten?
Wir haben eine eigene Programmentwicklung, die sehr kreativ ist. Zudem lassen wir uns bei öffentlichen Ausschreibungen Ideen und Projekte vorschlagen. Bei der Suche nach neuen Talenten scouten wir in regelmässigen Abständen im Markt. Aufgrund unserer Stellung melden sich aber auch immer wieder Personen, die an Projekten bei uns interessiert sind.
Welche Neulancierung in Ihrer Zeit erwies sich als besonders gelungen?
Ich denke, es sind uns einige Perlen gelungen, ob grössere oder kleinere Sendungen. Auf eine Auflistung möchte ich hier verzichten. Rein marktmässig ist aber sicher am Vorabend die Lancierung von «Mini Beiz, dini Beiz» zu erwähnen: ein grosser Erfolg. Heute haben wir auf diesem Sendeplatz tolle Zuschauerzahlen.
Welche Entscheidung war besonders risikoreich?
In der zweiten Arbeitswoche meiner Amtszeit haben mich meine Kollegen bestürmt, Roman Kilchsperger als Moderator des «Donnschtig-Jass» einzusetzen. Da habe ich mich schon gefragt, ob das passt. Die Kolleginnen und Kollegen waren aber sowas von überzeugt, dass ich in Unkenntnis aller Fakten einfach Ja gesagt habe. Dass dies ein guter Entscheid war, sieht man auch nach der siebten Sommersaison mit durchschlagendem Erfolg.
Kritisiert wurde immer wieder der Einkauf Formaten aus dem Ausland sowie das Engagement ausländischer Produktionsfirmen. Was kann das hiesige Filmschaffen zu wenig bieten?
Weniger als 10 Prozent unseres Portefeuilles sind eingekaufte Formate, dies wird immer wieder ausgeblendet. Wir lizenzieren sehr zurückhaltend und nur dort, wo es nicht anders geht.
Daneben gab es kürzlich Aufruhr, weil grosse Sendungen künftig in Kreuzlingen produziert werden statt im Leutschenbach. Warum haben Sie das Studio 1 nicht erneuern können?
Ich habe keinen Aufruhr bemerkt. Aber es gab Diskussionen bei den Sportvereinen in Kreuzlingen, die nicht sicher waren, ob sie noch zum Zuge kommen. Die Verhandlungen laufen noch. Es geht erst um die Jahre 2019/2020 und ich bin sicher, wir finden eine gute Lösung für alle. Es sind Umwandlungspläne im betreffenden Gebäude vorgesehen. Wir müssen somit eine Ersatzlösung extern haben.
Was wird die grösste Herausforderung sein für Ihren Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin?
Gelassen bleiben und seinen Plan weiter zu verfolgen, bei allem Gegenwind. Nirgends gibt es mehr Experten als bei der Unterhaltung. Man darf sich da nicht aus dem Konzept bringen lassen.
Sie werden weiterhin als Berater für SRF tätig sein. Brauchen Sie daneben noch einen zusätzlichen Job oder können Sie künftig davon leben?
Ich bleibe bei SRF zu 100 Prozent angestellt und kann von meinem Lohn auch weiterhin leben.
Und was genau tun Sie Neues: Können Sie uns einen Tipp geben, in welche Richtung es gehen soll?
Die Herausforderung, direkt in der Unternehmensleitung in die grossen, strategischen Projekte eingebunden zu sein, ist spannend. Ich denke, meine Erfahrungen werden da wertvoll sein.
Das Interview wurde schriftlich geführt.

