Herr Geissbühler, wenn Sie zurückblicken – wie haben Sie sich als 15-Jähriger informiert?
In den Zeitungen! Mitte der Achtzigerjahre gab es ja auch kaum Alternativen – abgesehen vom schweizerischen Farbfernsehen. Wir hatten zu Hause das Thuner Tagblatt und die Berner Zeitung abonniert – damals noch zwei selbstständige Komplettzeitungen. Übrigens bin ich mit 15 Jahren ziemlich selbstbewusst in die damalige Thuner Redaktion der BZ marschiert und habe erklärt, dass ich Journalist werden will, dazu aber einen Auftrag brauche. So entstand mein erster Artikel über ein lokales Bluegrass Festival.
Heute, als Chefredaktor vom Thuner Tagblatt, veröffentlichen Sie alle zwei Wochen eine Jugendseite namens «Pfeffer». Wie gut kommt diese bei den Jugendlichen an? Gibt es dazu Zahlen?
Bisher haben wir die Zahlen – beispielsweise Onlinezugriffe oder Verweildauer – nicht im Detail ausgewertet. Wir leisten uns hier bewusst ein Stück Idealismus, ein Alltags-Labor für Jugendliche sowie für die Redaktion.
«Wir wollen auch die ältere Leserschaft an der Lebenswelt der Jugendlichen teilhaben lassen»
Heute blättern die wenigsten Jugendlichen morgens durch eine Zeitung. Warum macht «Pfeffer» aus Ihrer Sicht dennoch Sinn?
Ziel ist es einerseits, die Jugendlichen auf das Printprodukt aufmerksam zu machen. Andererseits wollen wir auch die ältere Leserschaft an der Lebenswelt der Jugendlichen teilhaben lassen. Und natürlich spielen wir die Pfeffer-Beiträge auch auf unserer Website aus.
Die Inhalte stammen von Jugendlichen. Wie entsteht die «Pfeffer»-Seite oder generell der Inhalt?
Das Team wird von unserem Redaktor Marco Zysset betreut. Es trifft sich fünf- bis sechsmal im Jahr zu einer Sitzung, an der die Jugendlichen ihre Themenvorschläge einbringen, besprechen und Aufträge untereinander verteilen. Anschliessend recherchieren sie eigenständig und liefern ihre Inhalte termingerecht bei Marco Zysset ab, der die Beiträge redigiert und für Online und Print produziert. Im Rahmen von Projektwochen des Vereins JuRep 2.0, bei dem das Thuner Tagblatt und der Berner Oberländer Partner sind, publizieren wir im «Pfeffer» zudem die Texte, Fotos und online die Videos von Schülerinnen und Schülern der 7. bis 9. Klasse.
Wie setzt sich das Team zusammen?
Aktuell sind im Team zwölf junge Frauen und zwei junge Männer im Alter zwischen 14 und 24 Jahren. Die meisten, die die obligatorische Schulzeit hinter sich haben, sind am Gymi oder studieren. Ein Mann illustriert ausschliesslich Beiträge, die sich besser zeichnerisch bebildern lassen als mit einem Foto.
«Wir konnten aus dem Pfeffer-Team bereits Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten rekrutieren»
Wie nutzt das «Pfeffer»-Team die Kanäle Instagram, TikTok oder Snapchat?
Zum Jubiläum hat sich das Team einen Instagram-Account geschenkt. Es betreibt ihn in Eigenregie, ehrenamtlich und in seiner Freizeit.
Medienaffine Jugendliche im Haus zu haben, ist für jedes Medium eine Chance. Inwiefern profitiert das Thuner Tagblatt davon?
Wir konnten aus dem Pfeffer-Team bereits zahlreiche Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten rekrutieren und dann im regulären Betrieb als Freie Mitarbeitende einsetzen. Zudem erhalten wir von den jungen Menschen wertvolle Feedbacks zu unserer täglichen Arbeit und lernen so die Bedürfnisse von jungen Leserinnen und Lesern besser kennen.
Der erste «Pfeffer»-Artikel ist vor 25 Jahren erschienen. Wie hat sich die Seite in dieser Zeit verändert?
Anfänglich waren die Texte kürzer. Die ganze Seite war kleingliedriger gestaltet, was indes sehr aufwendig ist in der Produktion. Mit der Standardisierung der Printlayouts unterschied sich die Printseite optisch zusehends weniger vom Rest der Zeitung. Dem wollen aber jetzt etwas entgegenwirken. Deshalb haben wir das Logo aufgefrischt und etwas «magazinigere» Muster-Layouts entworfen.
Gibt es weitere Pläne, die Seite weiterzuentwickeln?
Luc Marolf (17) vom Pfeffer-Team hat die Seite in den Fokus seiner Maturarbeit gestellt. Ein Teil dieser Arbeit ist ein Ratgeber mit Handlungsempfehlungen an die Redaktion. Wir sind gespannt auf seine Inputs und werden sehen, was sich umsetzen lässt.

