2015 von Giuseppe Scaglione und Paola Libera Scaglione als reine Digitalplattform ohne UKW gegründet, positioniert sich My105 DJ Radio als Alternative zum klassischen Radio. Die App bietet über 40 kuratierte Channels sowie interaktive Funktionen. Seit 2022 überträgt My105 exklusiv das «Tomorrowland One World Radio» in der Schweiz (persoenlich.com berichtete). Laut einer Mitteilung vom Mittwoch werden insgesamt über sechs Millionen Streams pro Monat gestartet. «Zehn Jahre sind für uns nicht nur ein Meilenstein – sie sind ein Statement. Wir haben Radio neu gedacht», lässt sich Mitgründer Giuseppe Scaglione in der Mitteilung zitieren.
persoenlich.com stellte My105-Mitgründer Giuseppe Scaglione zusätzlich Fragen zur Reichweitenmessung, zur Konkurrenz und zur Zukunftsstrategie:
Sie sprechen von sechs Millionen Streams pro Monat, nehmen aber offenbar nicht an der offiziellen Mediapulse-Messung teil. Wie messen Sie Ihre Zahlen?
Unsere Zahlen basieren auf den technischen Logfile-Auswertungen unseres Streaming-Providers – wie es grundsätzlich auch bei der Mediapulse-Messung der Fall ist. An der neuen Streaming-Messung von Mediapulse, die erst vor Kurzem lanciert wurde, nehmen wir bislang nicht teil. Eine zukünftige Teilnahme wird aber derzeit geprüft.
Energy Zürich führt die Mediapulse-Rangliste mit 1,7 Millionen monatlichen Sessions an. Sie kommunizieren sechs Millionen. Sind Sie damit der grösste Audio-Streaming-Anbieter der Schweiz?
Unsere Angaben beziehen sich auf Stream-Starts, also sämtliche Audiostream-Aufrufe ab der ersten Sekunde – unabhängig von deren Dauer. Das unterscheidet sich von der Session-Definition bei Mediapulse, die nur Streams mit einer Mindestdauer von 60 Sekunden berücksichtigt. Ein direkter Vergleich ist daher nicht sinnvoll möglich. In der Werbevermarktung ist jedoch entscheidend, wie viele Menschen im Rahmen einer konkreten Kampagne tatsächlich erreicht wurden. Für diese Auswertung arbeiten wir mit dem Branchenführer AdsWizz zusammen, der exakte Auslieferungs- und Reichweitenzahlen pro Kampagne liefert – ein entscheidender Vorteil für Kunden, die Wert auf transparente, messbare Performance legen.
Mit – laut eigenen Angaben – 70 Minuten durchschnittlicher Hördauer liegen Sie weit über dem Branchenschnitt. Wie nutzen Sie das kommerziell?
In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit zur knappsten und wertvollsten Ressource geworden ist, ist eine durchschnittliche Hördauer von über 70 Minuten ein starkes Argument. Sie zeigt: My105 wird nicht nebenbei gehört, sondern bewusst und überdurchschnittlich intensiv genutzt. Für Werbepartner bedeutet das: längere Präsenzzeiten, höheres Involvement, bessere Wirkung. Wir bieten personalisierbare Audioformate, Branded Channels und massgeschneiderte Inhalte, die inhaltlich und klanglich zur Plattform passen. Dabei setzen wir auf Relevanz statt Unterbrechung – also auf native Integration statt klassischen Spot-Denkens.
Was unterscheidet My105 konkret von traditionellen Radiosendern, die ebenfalls streamen und nun mit Energy die Charts anführen?
My105 war von Anfang an als Digitalprodukt gedacht – nicht als klassischer Radiosender, der zusätzlich streamt. Unsere App bietet Funktionen wie Skip, interaktive Playlists oder die einzigartige «Mixer»-Funktion, mit der sich verschiedene Streams zu einer persönlichen Playlist kombinieren lassen. Solche Features bieten klassische Radios nicht – sie setzen in der Regel auf ein lineares Programm, das digital verlängert wird. Hinzu kommt: Wir sprechen eine deutlich jüngere Zielgruppe an – mit Musikrichtungen, die man im klassischen Radioumfeld oft vergeblich sucht. Formate wie Afro House, Mashup, Ibiza Classics oder internationale DJ-Sets sind bei uns zentrale Bestandteile, nicht Ausnahmeerscheinungen. Wir verstehen Audio als digitale Plattform, nicht als Übertragungsweg.
«My105 richtet sich seit Tag eins an eine aktive und junge Hörerschaft, die Musik anders erleben will»
2015 starteten Sie als reine Digitalplattform. Haben Sie heute noch einen Vorteil gegenüber den etablierten Sendern, die ebenfalls erfolgreich streamen?
Ja – weil wir von Anfang an ausschliesslich digital gedacht und gebaut haben. Aber es geht nicht nur um Technologie. Entscheidend sind auch Zielgruppen und Inhalte. My105 richtet sich seit Tag eins an eine aktive und junge Hörerschaft, die Musik anders erleben will – abwechslungsreicher, interaktiver, unabhängiger vom Mainstream. Dieses klare Profil schafft Nähe, Relevanz und ein starkes Nutzungserlebnis.
Wo sehen Sie My105 in fünf Jahren – bleibt es bei der App-Only-Strategie, oder planen Sie den Schritt ins klassische Radio?
Unser Fokus bleibt klar digital – die App ist und bleibt unser zentrales Produkt. Zwar strahlen wir unseren Hauptchannel 105 DJ Radio bereits seit einiger Zeit auch über DAB+ in verschiedenen Regionen der Schweiz aus – das ist technisch gesehen klassisches Radio. Aber inhaltlich und strategisch verstehen wir uns weiterhin als digitale Plattform, nicht als linearer Sender. Auch für die Zukunft gilt: Wir bleiben dort, wo wir am stärksten sind – im Digitalen.