«Wir werden die Positionierung aller Sender besprechen»

CH Media - CH Media übernimmt die 3+-Gruppe und wird so zur «klaren Nummer 1 im Schweizer Privatfernsehgeschäft». Verwaltungsratspräsident Peter Wanner sagt im Interview, wo er Synergien sieht und welche Veränderungen es für die betroffenen Mitarbeitenden gibt.

von Michèle Widmer

Herr Wanner, welche konkreten Ziele verfolgt CH Media mit dem Kauf der 3+-Gruppe?
Als CH Media haben wir eine klare Strategie formuliert und festgehalten, dass wir verstärkt ins Fernsehen investieren wollen. Die erfolgreiche 3+-Sendergruppe fügt sich daher wunderbar in unser Portfolio der nationalen Sender (TV24, TV25 und S1) und ergänzt das bestehende Regional-TV-Geschäft ideal. Wir werden so die klare Nummer 1 im Schweizer Privatfernsehgeschäft. Und es besteht die Chance, unsere Marktposition auszubauen.

CH Media hat mit TV24, TV25 S1 bereits nationale Sender. Konkurrenzieren Sie mit 3+ nicht Ihre eigenen Sender?
Die 3+-Sendergruppe und auch die nationalen Sender von CH Media sind sehr gut positioniert und in den letzten Jahren stark gewachsen. Wir werden die Programmausrichtung aller Sender gemeinsam mit dem Management der 3+-Sendergruppe analysieren und die künftige Positionierung der Sender besprechen.

Was bedeutet die Übernahme für den TV-Bereich von CH Media?
Wir kaufen mit der 3-Plus-Sendergruppe auch viel Know-how ein. Welche konkreten Änderungen es geben wird, wissen wir noch nicht. Für strategische oder organisatorische Detailfragen ist es noch zu früh. Unser Ziel ist es, die Erfolgsgeschichte von Dominik Kaiser fortzuschreiben.

Wo konkret sehen Sie Synergien?
Der Kauf der 3-Plus-Sendergruppe ist in erster Linie eine Wachstums- und Investitionsgeschichte. Synergien sehe ich vor allem beim Einkauf von Filmrechten und Serien.

Nebst 3+ umfasst die Gruppe auch 4+, 5+ und 6+. Wird CH Media auch diese Sender weiterführen?
Ja. Es ist nichts anderes geplant.

Die 3+-Gruppe beschäftigt rund 65 Mitarbeitende. Welche Veränderungen bringt die Übernahme für sie?
Sie erhalten mit Roger Elsener einen neuen Chef und sind neu Teil des Unternehmensbereichs TV, Radio und Filmvertrieb von CH Media. Alle Mitarbeitenden werden übernommen und auch Dominik Kaiser wird als Senior Advisor bei der Weiterentwicklung des TV-Geschäfts mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Und wie sieht es mit den Mitarbeitenden von CH Media aus. Mit welchen Veränderungen müssen Sie rechnen?
Die Kolleginnen und Kollegen erhalten neue Teamkameraden und alle können voneinander profitieren. Wir werden die neue Ausgangslage zunächst mit dem Management der 3+-Gruppe diskutieren.

Die Mitarbeiter von CH Media und 3+ wurden am Freitag informiert. Wie waren die Reaktionen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei der 3+-Gruppe war es ziemlich emotional, was ich verstehe, wenn plötzlich der Chef von Bord geht. Gänzlich unvorbereitet waren die Mitarbeitenden aber nicht, denn es sind immer wieder Gerüchte herumgeschwirrt, dass Dominik Kaiser verkaufen wolle.

Wird 3+ zusammen mit TV24, TV25, S1 oder TeleZüri Anfang 2021 ins Haus «Leonard» in Zürich-Oerlikon ziehen?
Das ist noch offen. Es bleibt jetzt mal alles, wie es ist.

Werden die Eigenproduktionen wie «Bachelor», «Bachelorette», «Bauer, ledig, sucht...» oder «The Voice of Switzerland» weiterproduziert?
Ja, klar. Das sind Erfolgsformate.

Sind Anpassungen im Markenauftritt des Senders geplant?
Auch für diese Frage ist es zu früh. Wir wissen es noch nicht.

Die Verträge wurden am Donnerstag unterschrieben. Was steht nun als nächste konkrete Handlung an?
Die Mitarbeitenden sollen sich gegenseitig kennenlernen und beschnuppern. Jetzt muss erst einmal Ruhe reinkommen. Zusammen mit dem Management der 3+-Gruppe werden wir die weiteren Schritte besprechen, mit dem Ziel, zu wachsen und weiterhin erfolgreich zu sein.

Peter Wanner hat die Fragen schriftlich beantwortet.