17.10.2021

Prix Europa

Zwei Journalistinnen gewinnen den Hauptpreis

Die in Weißrussland inhaftierte Journalistin Katsiaryna Andreyeva und ihre Kamerafrau Darya Chultsova sind am Freitag geehrt worden. Bei der Awardshow, an der die besten Digital Media-, Radio- und TV-Produktionen Europas ausgezeichnet wurden, gingen 15 Preise in 12 Länder.
Prix Europa: Zwei Journalistinnen gewinnen den Hauptpreis
Wurden mit dem Titel «European Journalist of the Year» geehrt (v.r.): Die in Weißrussland inhaftierte 27-jährige Journalistin Katsiaryna Andreyeva und ihre 23 Jahre alte Kamerafrau Darya Chultsova. (Bild: zVg/Belsat TV)

Am Freitagabend wurden im Rahmen der Prix Europa Awards in Potsdam die besten europäischen Digital Media-, Radio- und TV-Produktionen des Jahres ausgezeichnet. Insgesamt gingen 15 Preise in 12 Länder, wie es in einer Mitteilung heisst. Nachdem der Wettbewerb im vergangenen Jahr online durchgeführt worden war, konnten sich in diesem Jahr trotz Corona-Beschränkungen 400 Branchenmitglieder am Austragungsort Potsdam versammeln, um eine Woche lang über die 209 nominierten Produktionen aus 26 Länder zu diskutieren. 

Deutschland darf sich über den Titel beste TV-Investigation freuen. Die NDR-Produktion «Planet ohne Affen» sucht nach den Hintermännern des illegalen Handels mit Menschenaffen. Als bestes Fernsehdrama wurde die französische Produktion «Nobody’s Child» ausgezeichnet über ein Kind, das von seinen Pflegeeltern verlassen wird. Der Preis für die beste Fernsehserie geht nach Belgien: «Albatros» dreht sich um das Leben in einem Diät-Camp. «Shadow Game», der beste Dokumentarfilm, kommt aus den Niederlanden – er begleitet geflüchtete Jugendliche bei dem zynisch als «Spiel» bezeichneten Versuch, Grenzen innerhalb Europas entgegen aller Hürden und Gefahren zu überqueren. Auch in der besten Dokumentarserie, dem dänischen Mehrteiler «Absolute Beginners», geht es um Jugendliche – allerdings um solche, die das Privileg haben, in ihrem Heimatland zu bleiben und ein Internat zu besuchen. Im besten Film über kulturelle Vielfalt führt eine Gruppe griechisch-orthodoxer Nonnen ein Bauprojekt in einem Fjord entgegen aller Widerstände durch: der Film heißt «Faith Can Move Mountains» und kommt aus Norwegen.
 
Als beste Radioinvestigation wurde laut Mitteilung die BBC-Produktion «Blood Lands» ausgezeichnet; sie untersucht den Mord an zwei schwarzen Feldarbeitern von einem Mob wütender weißer Farmer. Auch der Preis für die beste Hörspielserie ging an die Briten: In dem Hochspannungs-Sechsteiler «The System» verschreibt sich die Hauptfigur einem geheimnisvollen Programm, das verspricht Verlierertypen in Alphamänner zu verwandeln. Die kroatische Produktion «Fly or Die» erzählt eine einzigartige Liebesgeschichte zwischen zwei Störchen und wurde dafür als bestes Radiofeature prämiert. «The Manipulator» ist der Titel der besten Radio-Dokumentations-Serie; sie kommt aus Schweden und dreht sich um Cybermissbrauch. Lustiger geht es zu beim französischen Hörspielgewinner «Godcast», der den allgemeinen Podcasttrend auf die Schippe nimmt. Der Preis für das beste Musikprogramm geht ans tschechische Radio: In «Concert for Animals» kommunizieren Orchestermusiker über ihre Instrumente mit Tieren.
 
In den digitalen Medien wurde das finnische Radio für das beste Audioprojekt geehrt: Im Rahmen der landesweiten Kampagne «Donate your speech» wurden insgesamt 4000 Stunden Sprachbeiträge aus der finnischen Bevölkerung gesammelt. Die beste Onlineproduktion, «The Cycle Club» aus den Niederlanden, kommuniziert über einen Kanal des Nachrichtendiensts Telegram mit seinen Userinnen und Usern, um Informationen über den Menstruationszyklus auszutauschen.
 
Der letzte Preis wurde in Abwesenheit übergeben. Die in Weißrussland inhaftierte 27-jährige Journalistin Katsiaryna Andreyeva und ihre 23 Jahre alte Kamerafrau Darya Chultsova wurden mit dem «European Journalist of the Year» geehrt, wie es weiter heisst. Beide wurden zu einer zweijährigen Haftstrafe in einem Arbeitslager verurteilt, weil sie per Livestream von einer Protestveranstaltung gegen den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko berichtet hatten. Die Lobesrede hielt der türkische Journalist Can Dündar, der 2017 selbst mit dem Ehrentitel ausgezeichnet worden war und der für seine eigene journalistische Arbeit in der Türkei in Haft saß. Aufgrund einer lebenslangen Verurteilung in seinem Heimatland lebt er in Berlin im Exil.
 
Mit der Preisverleihung verabschiedet sich der scheidende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz als Präsident des Prix Europa. Neue Präsidentin wird die Intendantin des Bayrischen Rundfunks Katja Wildermuth. (pd/tim)



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