«Manchmal liegt wenig Greifbares auf dem Tisch»

Kritik an SRF-Kommunikation - Unzufriedene Belegschaft, dazu Vorwürfe von Intransparenz: SRF-Kommunikationschefin Andrea Hemmi erklärt, warum beim Schweizer Radio und Fernsehen klare, einfühlsame Kommunikation derzeit schwierig ist.

von Edith Hollenstein

Frau Hemmi, die Mitarbeitenden werfen SRF vor, keine transparente Kommunikation zu betreiben, stattdessen «Management-Hülsen und nichtssagendes Geschwurbel». Trifft Sie als Kommunikationschefin dieser Vorwurf?
Unser Ziel muss es sein, dass wir möglichst verständlich kommunizieren und informieren. In der Projektarbeit zur Entwicklung der Strategie haben sich die beteiligten Führungsleute tatsächlich sehr stark mit Analysen und Fachbegriffen befasst. Hier ist es allen Beteiligten offenbar zu wenig gut gelungen, auf diese Sprache zu verzichten.

Warum ist es so schwierig, konkrete Aussagen zu machen?
Dass man einige Fragen zur künftigen Arbeit noch nicht im Detail beantworten kann, liegt in der Natur eines solch umfangreichen Projekts. Wir wollen die Mitarbeitenden nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen, sondern immer wieder über Entwicklungen informieren. Auch dort, wo noch wenig Greifbares auf dem Tisch liegt. Viele Themen werden jetzt erst erarbeitet.

Mit Ihren Ansprüchen und in dieser Transformationsphase ist also transparente und ehrliche Kommunikation eine Illusion?
Es gehört zu einer grösseren Veränderung, dass es Unsicherheiten gibt. Diese lassen sich nicht einfach aus dem Weg schaffen. Und dann darf man nicht vergessen, dass die Mitarbeitenden sehr direkt betroffen sind: Es geht um Kündigungen und um Sendungen, die gestrichen werden. Hinzu kommt, dass Corona den physischen Austausch zwischen Mitarbeitenden im Homeoffice und Vorgesetzten weitgehend verunmöglicht – virtuelle Formen schaffen nicht dieselbe Nähe wie der direkte Kontakt, das ist klar. Aber trotzdem ist es mir wichtig, im Austausch zu bleiben und Gesprächsmöglichkeiten anzubieten.

Ein CH-Media-Journalist wirft Ihnen vor, auch gegen aussen oberflächlich und ausweichend zu kommunizieren. Das kann doch nicht das Ziel einer guten Medienstelle sein, die eigentlich mithelfen sollte, Transparenz zu schaffen.
Nein, natürlich nicht. Die Medienstelle erfüllt ihren Auftrag, Fragen von Journalistinnen und Journalisten innerhalb des Unternehmens abzuklären und diese Auskünfte weiterzugeben.

Doch sie könnte auch intern nachhaken, wenn Antworten zu oberflächlich sind. Oder ist das nicht wichtig?
Selbstverständlich haben wir ein Interesse daran und sehen es als unsere Aufgabe, die zahlreichen Fragen so gut wie möglich und so konkret wie möglich zu beantworten. Das tun wir nach bestem Wissen und Gewissen.

Zahlen-Wirrwarr gibt es auch bei der Kommunikation des Stellenabbaus: «Bis in zwei Jahren werden 211 Stellen verschwinden, 95 neue kommen. Unter dem Strich werden bis 2022 also 116 Stellen gestrichen.» Warum informieren Sie nicht einfach über die Anzahl Kündigungen, die ausgesprochen werden müssen?
Weil es nicht nur um Kündigungen geht. Kündigungen sind ein Teil des Abbaus – nebst Pensionierungen, Frühpensionierungen, Fluktuation. Die Kündigungszahlen haben wir auch kommuniziert.

Wie versuchen Sie in den nächsten Tagen, wie oben erwähnt, trotzdem im «Austausch zu bleiben und Gesprächsmöglichkeiten anzubieten»?
Wir haben letzte Woche gerade zwei einstündige Skype-Calls gemacht, in denen die Geschäftsleitung Fragen der Mitarbeitenden beantwortet hat. Auf einer internen Online-Plattform kann jede und jeder laufend weitere Fragen stellen. Zudem gibt es in den nächsten Wochen erneut virtuelle Informations- und Austauschrunden zu einzelnen Themen, etwa zum neuen Betriebsmodell. Diese Möglichkeiten bestehen auch in Zukunft weiter. Aber ganz wichtig bleibt, dass Abteilungsleitende und Führungskräfte auch ganz direkt in ihren Teams informieren.