20.06.2004

Schweizer PR-Tag in Thun

Wem vertrauen die Schweizer?

Wie holt man verlorene Glaubwürdigkeit zurück? Anlässlich des 50-Jahre-Jubiläums der Schweizerischen Public Relation Gesellschaft SPRG in Thun diskutierten vor 240 Teilnehmern bekannte Experten wie FDP-Nationalrätin Christa Markwalder oder Gastreferentin Professor Gertrud Höhler über Vertrauensverlust in Politik und Wirtschaft. Gleichzeitig wurde die Medienpartnerschaft zwischen der SPRG und den Persönlich-Medien offiziell eingeläutet.
Schweizer PR-Tag in Thun: Wem vertrauen die Schweizer?

"Vermehrt wieder auf Stärken setzen!" -- Diese Forderung erhob die bekannte Gastreferentin und Buchautorin Prof. Dr. Gertrud Höhler (Bild) am PR-Tag in Thun. Die Wahlschweizerin betonte in ihrer engagierten Referat den hohen Stellenwert von guter Public Relation als Schlüssel bei der Vertrauensbildung. Gerade die Chinesen zeigten mit ihrer Devise "hier und jetzt", wohin gesundes Selbstvertrauen führen könne. Höhler ortet aber auch hierzulande keine optimistische Grundstimmung. Deswegen erfülle Public Relation gesellschaftspolitisch eine wichtige Aufgabe: "Es gab noch nie eine Zeit, in der PR wichtiger und gefragter war als heute!" Das vielerorts falsche Verständnis und die mangelnden Kenntnisse über die PR-Arbeit böten gleichzeitig eine "Megachance" für eine verstärkte Profilierung der Branche.

"Vermehrt wieder auf Stärken setzen!" -- Diese Forderung erhob die bekannte Gastreferentin und Buchautorin Prof. Dr. Gertrud Höhler (Bild) am PR-Tag in Thun. Die Wahlschweizerin betonte in ihrer engagierten Referat den hohen Stellenwert von guter Public Relation als Schlüssel bei der Vertrauensbildung. Gerade die Chinesen zeigten mit ihrer Devise "hier und jetzt", wohin gesundes Selbstvertrauen führen könne. Höhler ortet aber auch hierzulande keine optimistische Grundstimmung. Deswegen erfülle Public Relation gesellschaftspolitisch eine wichtige Aufgabe: "Es gab noch nie eine Zeit, in der PR wichtiger und gefragter war als heute!" Das vielerorts falsche Verständnis und die mangelnden Kenntnisse über die PR-Arbeit böten gleichzeitig eine "Megachance" für eine verstärkte Profilierung der Branche.

Höhlers Referat basierte auf der gleichentags veröffentlichten, repräsentativen Konso-Umfrage, wonach über die Hälfte der 700 Befragten aus der Deutsch- und Westschweiz die Meinungsführer aus Politik und Wirtschaft für unglaubwürdig halten (siehe auch "SPRG-Studie: Meinungsführer verlieren an Glaubwürdigkeit"). PR-Berater gelten bei dejenigen Personen besonders glaubwürdig, die auch deren Kunden, Führungskräften und Politikern, überdurchschnittlich viel Vertrauen entgegenbringen. Im Gegensatz zu den Resteuropäern haben zwei Drittel der Schweizer -- im Gegensatz zu anderen Europäern -- zu den Medien ein unverkrampftes Verhältnis und stufen sie als "eher vertrauenswürdig" ein. Solche Werte, so Höhler, böten sich als optimale Grundlage für erfolgreiche PR-Arbeit gerade zu an und müssten noch vermehrt ausgenutzt werden. Entscheidend sei dabei aber die Authentizität.

Als Negativbeispiel nannte sie den deutschen Regierungschef Gerhard Schröder, der immer noch unter dem Image des Brisoni-Kanzlers zu leiden habe, mit welchem er beim Start seiner Regierungstätigkeit kokettierte. Als Besitzer lediglich eines Brisoni-Anzuges entspreche dieses Bild keineswegs der Realität, sei aber aus den Köpfen der Leute in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht mehr wegzukriegen. Verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen sei sehr schwierig, meinte Gertrud Höhler, doch zu den Stärken eines guten PR-Beraters gehöre auch die Bereitschaft zum Risiko. Entscheidend sei aber, dass man sich mit dem Wesen und den Eigenheiten seines Kunden identifizieren könne. "Wer Gefühle strategisch einsetzt, macht gute PR!" brachte sie es auf den Punkt.

PR-Arbeit transparenter machen

Zuvor hatte sich eine Expertenrunde unter der Leitung von "10vor10"-Moderator Stefan Klapproth mit den Resultaten der Studie auseinandergesetzt. Für Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder ist der Vertrauensverlust gegenüber in der Politik auch ein Resultat der stärker werdenden Polarisierung von links und rechts, welche notwendige und aufwändige Reformen wie die Legislaturplanung ablehnten. Eine solche Blockadepolitik sein nicht besonders glaubwürdig und werde von den Wählerinnen und Wähler langfristig nicht goutiert.

Auch Hans Klaus, ehemaliger Sprecher von Ruth Metzler und frisch berufenes Geschäftleitungsmitglied von Wirz Corporate, glaubt, gerade die Abwahl seiner ehemaligen Chefin habe gezeigt, wie sich die politischen Realitäten geändert hätte und die Abwahl von Bundesräten in Zukunft kein Tabu mehr sei. Erschreckt zeigte sich Klaus darüber, dass jeder zweite die Wirtschaftselite mit Geldgier in Verbindung brächten. Nur durch die Offenlegung von Spitzensalären und Abgangsentschädigungen könne die notwendige Transparenz geschaffen werden.

Für Roman Geiser, CEO von Burson-Marsteller sind es weniger die hohen Managergehälter die den Vertrauensverlust auslösten, sondern die Verschleierung von Rücktrittsgründen bei der Entlassung von Spitzenmanagern. So mache die Tätigkeit eines CEOs rund die Hälfte des Images einer Firma aus.

Bernhard Weissberg, Chef Zeitungen von Ringier, forderte auch die Offenlegung der PR-Aktivitäten. Nur so könne die notwendige Transparenz geschaffen werden. Auf die Borer-Affaire, den "Klassiker" der Branche, angesprochen, gab Weissberg zu, dass der Ringier-Verlag anfänglich falsch gehandelt habe. Durch seine Entschuldigung -- und damit verbundene Entschädigung -- habe der damalige CEO Michael Ringier jedoch genau jenes Verantwortungsbewusstsein gezeigt, das man von Führungskräften immer wieder verlange.

SPRG in gutem Zustand

Präsidentin Mireille E. Saucy zeigte sich über das grosse Interesse am diesjährigen PR-Tag erfreut. Der aus sieben Regionalgesellschaften und 1500 Mitgliedern zusammengesetzte Dachverband der Branche befände sich in einem guten Zustand. Vor allem dankte Saucy dem Hauptsponsor der Veranstaltung, dem Bund der Public Relations Agenturen der Schweiz (BPRA) und versprach, dass man sich bei dessen 30-jährigen Jubiläum in zwei Jahren für die grosszügige Unterstützung revanchieren werde.

Präsidentin Mireille E. Saucy zeigte sich über das grosse Interesse am diesjährigen PR-Tag erfreut. Der aus sieben Regionalgesellschaften und 1500 Mitgliedern zusammengesetzte Dachverband der Branche befände sich in einem guten Zustand. Vor allem dankte Saucy dem Hauptsponsor der Veranstaltung, dem Bund der Public Relations Agenturen der Schweiz (BPRA) und versprach, dass man sich bei dessen 30-jährigen Jubiläum in zwei Jahren für die grosszügige Unterstützung revanchieren werde.



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