TV-Kritik

SRF hatte bei Bundesratswahlen Nase vorn

S'isch ja nur es chlises Träumli gsi: Die Grünen sind mit ihrem Angriff auf die FDP gescheitert. Es ist ihnen nicht gelungen, Ignazio Cassis an die frische Luft zu setzen. Die Linken hörten vor den Bundesratswahlen Stimmen. Aber es waren nicht genug: Regula Rytz bekam nur 82. Das freut mich vor allem als TV-Zuschauer: Das wochenlange «Gschtürm» von Rytz, Glättli, Prelicz-Huber & Co auf allen Stationen ging nicht nur mir auf den Wecker. Die Grünen hatten sich in die Nesseln gesetzt. Wer weiss, wie lange es solche noch gibt.

SRF und TeleZüri (mit Partnerkanälen) sendeten, wie bei Bundesratswahlen üblich, ab dem frühen Mittwochmorgen. Und beide setzten auf ihre gewohnten Kräfte: Susanne Wille wurde von Politwissenschaftler Adrian Vatter unterstützt. Für Markus Gilli war erneut der ausgewiesene Experte Andreas Ladner erste Wahl. Und mit ihm die Publizistin Esther Girsberger. Das Loblied der (freisinnigen) Zürcherin auf Rytz wurde nicht erhört.

Erstmals durfte sich SRF nicht mehr so breit machen in der Wandelhalle (persoenlich.com berichtete). Richtig so. Susanne Wille und ihren Kollegen blieb dennoch genügend Platz, um «bella figura» zu machen. Achtbar: Die Porträts der amtierenden Bundesräte während den Auszählungen. Und wie bei TeleZüri schon früher, wurde diesmal auch für die SRF-Zuschauer übersetzt. Dutzende von Politikerinnen und Politikern wurden vor die TV-Kameras geholt. Darunter waren spürbar auch «Schadenfreunde».

Bei der Vereidigung des Gesamtbundesrates war TeleZüri nicht mehr auf Sendung. Schade. Bei Susanne Wille trafen sich noch die Parteipräsidenten. Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli stellte sich brav hinten an. Und kam nicht mehr zum Zug. Danach hätte allerdings auch SRF die Übertragung abschliessen können. Willes Gespräch mit Adrian Vetter wollte nicht enden.

Zum «Rundschau talk» am Abend war Bundesrätin Karin Keller-Sutter eingeladen, um unter anderem zur bevorstehenden Abstimmung über die Begrenzungs-Initiative zu reden. Nicht nachvollziehbar. Unflexibel. Nach diesem Tag haben die Zuschauer an dieser Stelle Regula Rytz oder Ignazio Cassis erwartet.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Dieter Widmer, 12.12.2019 09:03 Uhr
    Noch besser war Radio SRF1: weniger aufgeregt, präziser, souveräner in den Bemerkungen und Einordnungen. TV suchte das Spektakel, Radio sagte, wie es war.
Zum Seitenanfang20200125