Ihr ursprünglicher Beruf war Eisschnellläufer. Weshalb hatten Sie sich dafür entschieden?
Es war keine aktive Entscheidung, es war eher der logische nächste Schritt meines Sportlerlebens. Nach bestandenem Abitur konnte ich meine Sportkarriere in der Sportfördergruppe der Bundeswehr fortsetzen. Eisschnelllaufen war meine Comfort Zone – zu diesem Zeitpunkt hat es mein Leben so sehr bestimmt, dass ich mir keine grossen Gedanken um eine Zukunft ausserhalb des Sports gemacht habe.
Heute arbeiten Sie in der Werbung. Was war der Auslöser für den Branchenwechsel?
Das ist eine lange Geschichte. Nach einem Jahr in der Sportfördergruppe langweilte mich der Alltag, der aus Sport, Essen und Schlafen bestand. Ich habe dann nebst dem Eisschnelllauf eine Ausbildung zum Kaufmann der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft bei einem meiner Sponsoren begonnen – und ganze 3000 Plattenbauwohnungen in den Aussenbezirken von Berlin verwaltet. Nach kurzer Zeit sollte ich zum Abteilungsleiter der Buchführung befördert werden. Diese Aussichten widersprachen aber meiner Natur so stark, dass ich mich dagegen und für ein Studium entschied. Da die Kreativität – neben dem Sport – schon immer mein Talent war, habe ich Kommunikationsdesign studiert. Der Rest ist Geschichte.
«Ich hatte von Tag eins an das Gefühl, dass dies die richtige Entscheidung war»
Gab es auch Momente des Zweifels während des Umstiegs oder danach?
So gut wie nie. Mit der Werbung habe ich eine Branche gefunden, die mich wirklich interessiert und in der ich meine Stärken einsetzen kann. Deshalb hatte ich von Tag eins an das Gefühl, dass dies die richtige Entscheidung war.
Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf den Berufswechsel reagiert?
Sie haben mich ausnahmslos unterstützt, obwohl dieser Schritt absolut konträr zu meinem Sportlerleben war. Ihr einziges Ziel war es, dass es mir gut geht und ich zufrieden bin. Dafür bin ich meiner Familie und meinen Freund:innen jeden Tag zutiefst dankbar.
Haben Sie sich schnell im neuen Berufsfeld zurechtgefunden?
Lange war ich ungewollt der Paradiesvogel in der Welt der Paradiesvögel. Wahrscheinlich bin ich es bis heute.
Ist Ihre Berufsbiografie heute ein Thema im professionellen Umfeld?
Nach knapp zwanzig Jahren in der Werbung nimmt mich niemand mehr als Quereinsteiger wahr. Aber die Sport-Story eignet sich super als Small-Talk-Thema in jeglichen Gesprächssituationen.
Gibt es Parallelen zwischen Ihrem alten und dem neuen Beruf?
Die Werbebranche hat viele Parallelen zum Leistungssport – vielleicht fühle ich mich auch deshalb so zu Hause. Es braucht Ausdauer, Präzision und den Willen, sich ständig zu verbessern und weiterzuentwickeln. Und: Wer vorne mitlaufen will, muss mutig in die Kurve gehen.
«Das sind ähnliche Abläufe wie bei der Entwicklung von Kampagnen»
Welches Know-How aus Ihrer ursprünglichen Tätigkeit hilft Ihnen bis heute?
Resilienz, mentale und körperliche Belastbarkeit sowie eine gewisse Gelassenheit in Stresssituationen. Und natürlich Teamplay. Wir haben oft als Gruppe trainiert, im Wettkampf musste aber jede:r eigenständig performen. Das sind ähnliche Abläufe wie bei der Entwicklung von Kampagnen und deren Präsentation vor den Kund:innen.
Was würden Sie anderen Quereinsteigern raten?
Do what you love. Davon abgesehen lag an meinem ersten Tag als Praktikant bei Jung von Matt Spree eine Zeitschrift mit dem Titel «Work Hard And Be Nice to People» auf meinem Schreibtisch. Heute hängt diese Zeitschrift in meinem Wohnzimmer.
Könnten Sie sich einen erneuten Branchenwechsel vorstellen?
Ja, ich sehe mich zum Beispiel als Hüttenwirt oder Binnenschiffer auf der Mosel. Aber das hat noch Zeit.
In der Sommerserie «Quereinsteiger / Quereinsteigerin» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die nicht den klassischen Weg genommen haben. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

