Ihr ursprünglicher Beruf war Apotheker. Weshalb hatten Sie sich dafür entschieden?
Primär war es wohl das Interesse für Naturwissenschaften und Medizin, deren praktische Anwendung und die Nähe zu Menschen. Letzteres ist mir heute noch geblieben: Qualitative Beratung und Dienstleistung stehen auch in der Werbung im Fokus.
Heute arbeiten Sie wie erwähnt in der Werbung. Was war der Auslöser für den Branchenwechsel?
Eigentlich war das ein schleichender Übergang. Kurz nach dem Studium heuerte ich bei der damals grössten Agentur der Schweiz für Pharmamarketing an und verspürte dort schon eine grosse Affinität zur Werbung. Ich wechselte dann bald auf die Kundenseite und erwog alsbald den Gedanken, mich mit einer Pharmaagentur selbstständig zu machen. So weit kam es dann allerdings nicht und ich bewegte mich in die Konsumgüterbranche. Die Affinität blieb und die Möglichkeit, mit der grössten Biermarke der Schweiz und der dazumal besten Agentur der Schweiz (SFLB) grossartige Bierwerbung zu machen, bestärkte mich im Beschluss, den Wechsel in die Werbebranche zu vollziehen.
«Ich denke, dass Zweifel immer wieder dazugehören»
Gab es auch Momente des Zweifels während oder nach dem Umstieg?
Ich denke, dass Zweifel immer wieder dazugehören und verlockende Angebote aus der Industrie einen wankelmütig machen können. Doch hat der Spassfaktor immer schwerer gewogen, weswegen ich den Wechsel eigentlich nie bereut habe.
Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf den Berufswechsel reagiert?
Nun, der Einstieg in die damalige TBWA\ war sicherlich auch mit etwas Wagemut verbunden. Doch war das nicht weitgehend hindernd, sondern ich sah es als Chance, meinen neu eingeschlagenen Weg in die Konsumgüterwelt nachhaltig in einem spezifischen Segment des Marketings weiterzuverfolgen. Insofern hatte dies durchaus eine Konsequenz und war nicht speziell überraschend.
Haben Sie sich schnell im neuen Berufsfeld zurechtgefunden?
Eigentlich ja – mein Einstieg war bereits auf Kaderstufe, weswegen ich nicht allzu operativ tätig sein musste, sondern den Fokus eher auf die beratende Tätigkeit und die Kundenentwicklung legen durfte. Getragen durch die Leidenschaft, für die vorliegenden Aufgabenstellungen auch gemeinsam mit dem Team immer möglichst kreative Lösungen zu finden, war dies schnell der perfekte Match für mich. Was mir den Einstieg zusätzlich erleichtert hat, war die Tatsache, dass ein Teil meiner Aufgaben noch mit der Expertise aus meinem vorherigen Berufsleben zu tun hatten. So waren wir mit verschiedensten Mandaten aus der Pharmaindustrie betraut und haben zwischen 2006 und 2011 doch bis zu 15 Prozent Umsatz in diesem Segment gemacht.
Ist Ihre Berufsbiografie heute ein Thema im professionellen Umfeld?
Nein, ich nehme dies nicht wirklich wahr – streiche es aber auch nicht speziell hervor. Wenn es zur Sprache kommt, dann sind die Leute selbstverständlich überrascht, doch dringt dann die Professionalität schnell durch und die aktuellen Bedürfnisse und die Beantwortung derselben stehen im Vordergrund.
Gibt es Parallelen zwischen Ihrem alten und dem neuen Beruf?
Wie eingangs bereits angetönt, braucht es in beiden Aufgaben ein gutes Gespür für Menschen. Diese kommen in der Regel mit einem Problem oder einer Aufgabenstellung auf einen zu und suchen eine Lösung. Das heisst, man ist letztlich als «Problemlöser» positioniert, welcher über seine Dienstleistung und Beratungskompetenz überzeugen muss. Dabei spielt der Aufbau von Vertrauen und Verlässlichkeit eine grosse Rolle, was sowohl als Apotheker als auch als Geschäftsführer einer Agentur von hoher Relevanz ist.
«Ein souveräner Umgang mit Zahlen ist auch nicht zu unterschätzen»
Welches Know-how aus Ihrer ursprünglichen Tätigkeit hilft Ihnen bis heute?
Manchmal ist noch etwas Fachexpertise bei Kunden aus dem Gesundheitsbereich erforderlich, welche ich natürlich gezielt einbringen kann. Des Weiteren ist es sicherlich von Nutzen, ausgehend von den Naturwissenschaften einen methodologischen Ansatz zu verfolgen, wenn es um Analyse, Daten und strategisches Vorgehen geht. Und ein souveräner Umgang mit Zahlen ist dabei auch nicht zu unterschätzen. Dies hilft auch bei Herausforderungen im Marketing.
Was würden Sie anderen Quereinsteigern raten?
Folge deinem Herzen, zeige Einsatz, Neugier und Lernbereitschaft – dann werden Akzeptanz und Wertschätzung von selbst folgen. Ich hatte das Glück, stets auf visionäre und weitsichtige Vorgesetzte zu treffen, die nicht meine Grenzen, sondern mein Potenzial gesehen haben. Dank ihrer Unterstützung, insbesondere im Bereich Weiterbildung, konnte ich meinen Weg konsequent gehen und mich kontinuierlich weiterentwickeln.
Könnten Sie sich einen erneuten Branchenwechsel vorstellen?
Warum nicht? Es gibt immer wieder unternehmerische Themen, die einen Reiz auf mich ausüben. Es wäre für mich durchaus vorstellbar, hierfür einen neuen Weg einzuschlagen. Auch wenn mir die Umgebung, in welcher ich mich heute und schon lange einbringen darf, nach wie vor sehr gut gefällt. But: Never say never.
In der Sommerserie «Quereinsteiger / Quereinsteigerin» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die nicht den klassischen Weg genommen haben. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.
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11.08.2025 07:54 Uhr

