Feine Klaviermusik erklingt. Christoph Blocher stutzt mit einer Nagelschere den englischen Rasen vor seiner Villa in Herrliberg zurecht. Ländliche Idylle in Reinkultur – bis Blocher das Radio aufdreht. Ein House-Beat setzt ein, Jump-Cuts erhöhen das Tempo, jemand rappt: "Grüessech, danke, hallo Schwiiz."
Das ist er also, der neuste Streich der SVP. Nach dem "Freiheitssong", in dem die Politiker noch tapfer selbst mitsangen, überlassen sie die künstlerischen Vorführungen diesmal anderen. Starr und steif stehen Amstutz, Blocher, Maurer, Rickli und Co. zwei Tritte erhöht, während sich zehn junge Frauen tanzend um sie räkeln. Die Melodie des Songs erinnert an "Welcome to St. Tropez" von DJ Antoine.
Das Wahlkampfvideo wurde auf eine Art inszeniert, wie sie der Schweizer Wahlkampf noch nicht erlebt hat. Täglich wurden auf der Website welcometosvp.ch Teaservideos veröffentlicht, ein Counter zählte die Stunden und Minuten bis zur Veröffentlichung des Videos und die ganz Ungeduldigen konnten den Song bereits via SMS erwerben.
Wer hinter dem professionell inszenierten Video steht, will die SVP nicht verraten. Das Generalsekretariat und Nationalrat Thomas Matter, auf dessen Firma die Website registriert ist, wollen beide keine Auskunft darüber geben. "Wir haben einen grossen Teil des Projekts parteiintern selber gestaltet. Zum Teil haben wir die Unterstützung unseres Netzwerkes in Anspruch genommen", lautet die einhellige Mitteilung.

Initiant des Videoprojekt war Matter selbst. "Das Projekt ist aus einer spontanen Idee heraus entstanden", hat er letzte Woche dem "Blick" erzählt.
In der Werbebranche fällt der Name des Hitproduzenten Roman Camenzind im Zusammenhang mit dem SVP-Song. Auf Anfrage von persoenlich.com dementiert der Musikproduzent jedoch. "Wir haben nichts mit dem Song zu tun", lässt seine Produktionsfirma Hitmill ausrichten.
Bereits hat die politische Konkurrenz auf das Video reagiert. Am Freitagmorgen haben sich die westschweizer Freisinnigen auf Twitter gemeldet.
Félicitations @UDCch & @SVPch, vous avez une fois de plus oublié la Romandie et le Tessin. #welcometosvp #EF2015 pic.twitter.com/voo9tj619k
— PLR Suisse (@PLR_Suisse) 11. September 2015Text: Boas Ruh

