Ihr ursprünglicher Beruf war Automobilkaufmann. Weshalb hatten Sie sich dafür entschieden?
Schon mein Urgrossvater reparierte 1903 Fortbewegungsmittel – damals noch Kutschen. Meine Grosseltern und später mein Vater haben das ganze Autobusiness dann gross aufgezogen und so hatte auch ich keine Wahl: Man wird in meiner Familie quasi per Geburt zum Autonarr.
Heute arbeiten Sie in der Werbung. Was war der Auslöser für den Branchenwechsel?
Rio Reiser hat mal gesungen: «Ich will nicht werden, was mein Alter ist.» Wahrscheinlich ist das schon die Antwort. Hinzu kam dann noch eine im Autohaus Reintges nicht zu stillende Lust auf Kreativität.
«Wenn ich glücklich bin, ist die Familie auch glücklich»
Gab es auch Momente des Zweifels während oder nach dem Umstieg?
Ja, viele Zweifel. Bei mir war der Einstieg in die Werbung zusätzlich noch verbunden mit einem Wechsel in ein anderes Land. Aber die Schweizer Werbebranche hat diesen Autoverkäufer aus dem Ruhrpott ganz herzlich aufgenommen. Danke dafür!
Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf den Berufswechsel reagiert?
Die Familie musste die Nachricht, dass ich die Autohäuser nicht weiterführen möchte, sicherlich erst mal verdauen. Aber ich glaube, man hat mir ziemlich schnell angemerkt, wie gut es mir mit dem Wechsel ging. Und wenn ich glücklich bin, ist die Familie auch glücklich.
Haben Sie sich schnell im neuen Berufsfeld zurechtgefunden?
Verrückt schnell, wenn ich das im Nachhinein betrachte. Das habe ich sicher den tollen Menschen der Wirz zu verdanken. Dort habe ich mich ausprobieren dürfen, sehr viel gelernt und vor allen Dingen hat man mich als Quereinsteiger geschätzt und nicht belächelt.
Ist Ihre Berufsbiografie heute ein Thema im professionellen Umfeld?
Ein grosses Thema ist es heute nicht mehr, aber gerade bei Mobilitätsthemen kann ich immer mal wieder mit Wissen glänzen, das nur jemand hat, der mal in den Schulferien im Untergeschoss einer Autowerkstatt wochenlang Autos putzen musste. Und ich sage Ihnen: Das ist in echt nicht so sexy, wie das in Hip-Hop-Videos aussieht.
Gibt es Parallelen zwischen Ihrem alten und dem neuen Beruf?
Sehr viele sogar. Ich betrachte mich selbst als Verkäufer. Ich habe früher Autos verkauft und heute verkaufe ich Ideen, Gefühle oder ganz konkrete Produkte unserer Auftraggeberinnen und Auftraggeber. Das Prinzip ist immer das Gleiche: verstehen, was dein Gegenüber will oder braucht und ihn dann mit der passenden Lösung begeistern.
«Ein guter Verkäufer hört erst mal zu»
Welches Know-how aus Ihrer ursprünglichen Tätigkeit hilft Ihnen bis heute?
Autoverkäufer und Werber rangieren ja auf der Imageskala beide irgendwo relativ weit unten. Und ich verstehe auch warum. Es gibt leider in beiden Branchen zu viele Typen, die dir irgendeinen Mist andrehen wollen. Ein guter Verkäufer hört aber erst mal zu. Das habe ich im Autohaus gelernt und das führe ich heute in der Werbung weiter.
Was würden Sie anderen Quereinsteigern raten?
Da zitiere ich gerne einen verhältnismässig bekannten Werbeslogan, den Sie vielleicht schon mal irgendwo gehört oder gelesen haben: «Just do it!»
Könnten Sie sich einen erneuten Branchenwechsel vorstellen?
Ich kann mir prinzipiell alles vorstellen. Vielleicht mache ich als Nächstes einen Imbiss auf und verkaufe Currywurst. Sie merken, worauf ich hinauswill, oder? Hauptsache: Verkaufen.
In der Sommerserie «Quereinsteiger / Quereinsteigerin» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die nicht den klassischen Weg genommen haben. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.
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30.06.2025 14:57 Uhr

