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: Abgang von Ralph Grosse-Bley: Zurück zu einheimischen Schaffen

Es ist einer jener Hammerschläge, deren Echo schon Wochen vorher ertönt. Treten sie dann aber ein, so ist man über deren Wucht überrascht. Ähnlich ist es mit dem Abgang von "Blick"-Chefredaktor Ralph Grosse-Bley, der heute Morgen von Ringier kommuniziert wurde. Bereits früher wurde verschiedentlich über dessen Rücktritt gemunkelt, gestern aber standen die Zeichen auf dunkelrot. Das Newsnet und PR-Profi Sacha Wigdorovits prognostizierten den schnellen Abgang des umstrittensten und geheimnisvollsten Chefredaktoren der Schweiz, die Pressestelle liess sich nicht einmal mehr zu einem Dementi hinreissen, sondern verzichtete auf jeden Kommentar. Damit schien der Fall klar. Doch das sind nur die Äusserlichkeiten. Der Abgang Grosse-Bleys – aus welchen Gründen auch immer – signalisiert eine Richtungsänderung an der Dufourstrasse. Die Ära der deutschen Boulevardjournalisten, von Verleger Michael Ringier gegenüber den einheimischen lange bevorzugt, scheint zu Ende. Doch im Gegensatz zu Grosse-Bleys "journalistischem Zwilling“ aus der "Bild"-Küche, dem ehemaligen "SoBli"-Chef Carsten Witzmann, hinterlässt Grosse-Bley Spuren. Bei aller Kritik an seinem Führungsstil und seiner angeblichen Arroganz, der "Blick" ist unter seiner Ägide besser, spannender, attraktiver aber deutscher geworden. Der "Blick" hat – und das ist unzweifelhaft Grosse-Bleys Verdienst – zu dem zurückgefunden, was es eigentlich ist: ein Boulevardblatt. Farbig, schrill – und zuweilen ungerecht. Nur die Leser haben es ihm nicht so richtig gedankt, die Zahlen sind nicht explosionsartig in die Höhe geschnellt. Ob man dafür aber Grosse-Bley einen Vorwurf machen kann, darf man bezweifeln. Wie dem auch sei: mit der Ernennung von Andrea Bleicher zur neuen "Blick"-Chefredaktorin hat man die pragmatischste, die kostengünstigste aber sicher nicht die falscheste Lösung getroffen. Und auch eine historische: die erste Frau an der "Blick"-Spitze. Der "SonntagsBlick" jedenfalls ist unter Rolf Cavalli, dem Lebensgefährten Bleichers und Nachfolger Witzmanns, deutlich besser geworden. Fakt ist: nun ist die Führung der "Blick"-Familie mit Andrea Bleicher, Rolf Cavalli und Peter Röthlisberger ("Blick am Abend") wieder in Schweizer Hand. CEO Marc Walder jedenfalls hat für diesen Coup jedenfalls moralische Unterstützung von ganz oben. In der Februarausgabe von "persönlich" schwärmt Alt-Kanzler und Ringier-Berater Gerhard Schröder von Geschäftsführer Walder. Mehr geht nicht. Und auch in einem allfälligen Machtkampf sind Kanzlerworte immer noch Gold wert.
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