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Cannes Lions 2011: Hauch von Sapporo

Matthias Ackeret

Was für ein Finale, was für ein Schlussbouquet! Die diesjährigen Cannes Lions endeten für die Schweizer Kreativen so, wie es niemand erwartet hätte: Gold für Saatchi & Saatchi in der Königklasse Film, zwei bronzene Löwen für Spillmann/Felser/Leo Burnett. Das Glück war am letzten Tag "unseren" Werbern hold. Ein Hauch von Sapporo wehte über die Croisette. Nicht zu vergessen die beiden Bronze-Löwen für Wirz (Promo & Activation), der bronzene für Jung von Matt (Poster) und der silberne für JWT+H+F (Presse) für ihr ihr geniales Hakle-Inserat, welches eindrücklich zeigte, dass hinter einer guten Idee kein grosses Budget sein muss. Reduce to the max in seiner Vollendung! (persoenlich.com berichtete). Dass die Schweiz am Ende doch so erfolgreich abschloss, war nicht vorauszusehen. In den letzten Jahren mussten sich die hiesigen Kreativen ihre Erfolge hart erkämpfen, das zeigte sich vor allem darin, dass für die prestigeträchtigen Jurys wie Film, Press oder Poster längst keine hiesigen Juroren mehr aufgeboten wurden. Offiziell mag dies niemand bestätigen, aber vergleichbare Länder wie Schweden oder Belgien waren in der Vergangenheit in Cannes oftmals erfolgreicher. Dadurch abzuleiten, dass die Schweizer Werbung mittelmässig oder gar schlecht wäre, ist aber falsch. Viele der beim ADC prämierten Sujets wie das vielgerühmte VBZ-Plakat mit den Nationalräten Jositsch und Mörgeli sind international gesehen überhaupt nicht verständlich. "Ein Cannes-Löwe", so meinte der diesjährige Direct-Juror Markus Ruf, an der Schweizer-Party vom vergangenen Donnerstag im Miramar-Club direkt am Meer, "ist der grösstmögliche Nenner verschiedener Werbeauffassungen und Mentalitäten." Was heisst, dass eine Kampagne mit bekanntem Auftraggeber und zündendem, allgemein verständlichem Witz weitaus mehr Chance hat, als ein unbekannter Auftraggeber ohne Witz. Möglicherweise mehr als eine Binsenwahrheit, das vorhin genannte Hakle-Inserat ist das beste Indiz, dass es mit ein bisschen Chuzpe und auch Glück doch geht. Blickt man auf die vergangenen Tage zurück, so hätte den diesjährigen Grand-Prix nur einer verdient: nämlich das Werbefestival selbst. Beeindruckend, wie sich die Cannes Lions nach den Deprojahren 2009 und 2010 neu erfunden und ihre Vormachtstellung als DER internationale Branchenanlass ausgebaut haben. Menschenschlangen bei den Veranstaltungen, abendliche Grosspartys an der Croisette und exzessive Preise. Werbung at his best! Es gehört zu den grossen Trugschlüssen, dass sich Werber bescheiden zu benehmen haben. Erstens entspricht es nicht ihrer Mentalität, zweitens nähme es ihnen auch niemand ab. Die diesjährigen Cannes Lions waren dafür der beste Beweis. Motto: die nächste Krise kommt irgendwann. Aber wenn sie schon kommt, dann erlebt man sie lieber in Cannes als anderswo. Ausserdem: Mehr Bilder und Infos über diesjährigen Cannes Lions und die Schweiz-Party am Miramar-Beach finden sich in der Juli-Ausgabe von "persönlich", die in anderthalb Wochen erscheinen wird.
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