Beamen wir uns um ein Jahr zurück. 2025 – wir erinnern uns – stand inmitten unserer kleinen Radio-Welt ein weisser Elefant, den zwar jedermann sah, aber alle ignorierten. Die damalige Schlüsselfrage: Sollen die UKW-Frequenzen, wie eigentlich vereinbart, abgeschaltet werden oder nicht? Die Pointe ist sattsam bekannt: UKW erlebte ein grossartiges Comeback, das Parlament knickte am Ende ein und der bereits aufgegleiste Wechsel auf DAB+ wurde rückgängig gemacht. Was vor allem dem Engagement von Medienpionier Roger Schawinski zu verdanken war.
Im Regen stand dabei lediglich die SRG, die ihre UKW-Sender bereits abgestellt hatte und nun für teures Geld ihr UKW-Netz erneut aufbauen muss. Eigentlich real-existierendes Seldwyla, hätte es nicht – und das ist das Positive an der ganzen Debatte – aufgezeigt, dass wohl kein anderes Medium der Jetztzeit so emotionalisieren kann, wie das klassische Radio. Die drei Buchstaben U, K und W prägten während Wochen den öffentlichen Diskurs.
Zudem ist es Fakt, dass die SRG ihr gutes Resultat bei der Halbierungsinitiative vor einem halben Jahr auch – oder vor allem auch – dem einwandfreien Ruf ihrer Radiosender zu verdanken hat. Leider ging dies nach dem hitzigen Abstimmungskampf ein bisschen vergessen. Doch die beiden Beispiele beweisen: Radio lebt und erfreut sich allen technischen Errungenschaften zum Trotz ungebrochener Beliebtheit. Klar gibt es Spotify, klar gibt es KI, klar existiert das ganze Internet, trotzdem hat Radio eine Stärke, die ihr kein anderes Medium streitig machen kann: Unmittelbarkeit und Emotionalität. Dies zeigt auch der Erfolg vieler Podcasts, die am Ende nichts anderes sind als zeitungebundenes Radio.
Die SRF-Radio-Talk-Show «Persönlich» feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum, ein Grund zur Freude, Ralph Wicki, der wohl feinfühligste Radiomoderator des Landes, gibt in diesen Tagen seinen Abschied, ein Grund für eine Träne. Was zeigt, so richtig kalt lässt einem das Radio auch heute nicht.
Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von persoenlich.com.



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UKW: Der weisse Radio-Elefant