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Aussenwerbung: Fast wie Ostberlin

Zürich werde schon bald ähnlich trostlos wie die einstige DDR-Hauptstadt Ostberlin, befürchten bürgerliche Kreise. Der Grund: Die linke Mehrheit des Gemeinderats fordert völlig überraschend ein baldiges Plakatverbot auf städtischem Grund. Jetzt arbeitet der Stadtrat, der sich gegen dieses Ansinnen stellte, eine entsprechende Vorlage aus. Was bedeutet, dass sogar den denkmalgeschützten Lindt-Plakaten, jahrzehntelang das Wahrzeichen des Centrals, der Garaus gemacht werden soll. Um das Klima zu retten oder die Zürcher vor den Verführungen des Kapitals zu retten oder weiss Gott, was auch immer.

Am Mittwoch überreichten sowohl die städtische FDP als auch die Aktion «Zürich soll leuchten», die vom Schreibenden initiierte wurde, dem Zürcher Gemeinderatspräsidenten Christian Huser (FDP) vor dem Rathaus Hard rund 3000 Protestunterschriften gegen dieses absurde Vorhaben (persoenlich.com berichtete). Ob es was bewirkt, ist zumindest Prinzip Hoffnung.

Vor zehn Jahren wäre jedenfalls ein Plakatverbot in der grössten Schweizer Wirtschaftsmetropole noch undenkbar gewesen. Und dies, obwohl die Plakatfirmen die VBZ jährlich mit 30 Millionen Franken unterstützen, was den Linken, eigentlich Förderer des ÖVs, erstaunlich egal ist. Zudem fällt die Arbeiterpartei SP mit dieser Entscheidung ihrer eigenen Klientel in den Rücken, gehört doch ein Grossteil der Werber und Kreativen, aber auch der Plakatierer zu ihrem Wählerpotenzial. Gerade dort ist die Enttäuschung über die Berufsozis im städtischen Parlament, die fernab von jeglicher wirtschaftlichen Realität mit einem solchen Verbot deren Existenz gefährdet, besonders gross. Hinzu kommt, dass ausgerechnet Zürich als Hochburg des Plakats gilt, wie die ständige Sammlung im Museum für Gestaltung zeigt.

Trotzdem ist der Vergleich mit Ostberlin falsch. Dort waren zumindest Plakate für das «Wursa»-Waschmittel oder die legendären «Club»-Zigaretten erlaubt. In Zürich nicht einmal das.


Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von persönlich und persoenlich.com.

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KOMMENTARE

Andreas Gossweiler
13.09.2025 08:58 Uhr
Sehr geehrter Herr Ackeret Dass Sie sich gegen das Werbeverbot engagieren, ist Ihr gutes Recht und ist auch aus kommerziellen Gründen schlau, denn die Werber und (sogenannten) Kreativen sind Ihr Zielpublikum. Allerdings sollten die Fakten stimmen. Hier harzt es aber sehr. Einmal mehr malen Sie das Schreckgespenst der DDR an die Wand, das ist sicher nicht zutreffend, denn auch ohne Werbeplakate hätten wir noch längst keine sozialistische Wirtschaft. Zürich "gilt" nicht als Hochburg des Plakates, das war vor 100 Jahren, aber die heutige Plakatgestaltung ist leider grösstenteils erstaunlich fantasielos. Einmal mehr versuchen Sie, die optisch banale Schoggiwerbung am Central als besonders wertvolles Kulturgut hochzujazzen. Jetzt behaupten Sie sogar, diese Schoggiwerbung sei "denkmalgeschützt". Wie kommen Sie darauf? Diese Werbung ist nicht im Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte aufgelistet, und dort hätte sie auch nichts verloren, denn sie ist optisch bedeutungslos – genau wie 99% der aktuellen Plakatgestaltung. Die Werbung in der DDR war viel kreativer, zum Beispiel die Leuchtreklame mit der berühmten "Löffelfamilie" in Dresden, die tatsächlich und zu Recht unter Denkmalschutz steht. Oft wird der SP Klientelpolitik vorgehalten, aber Sie werfen ihr vor, die Interessen ihrer (angeblichen) Wähler zu missachten. Dabei zeigt das Beispiel (falls Werber und Plakatierer, die ihre Jobs nicht wegen des Werbeverbots verlieren, sondern wegen der Digitalscreens, mehrheitlich SP wählen, was ebenfalls fraglich ist), dass die SP ethische Werte höher gewichtet als den schnellen Stimmengewinn.
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