BLOG

Lebenslust der Unsterblichen

Matthias Ackeret

Moritz Leuenberger ist ein Mann der Ironie. Als er am vergangenen  Sonntag der frisch gekürten Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch gratulierte, freute er sich über den «Generationswechsel». Dass sich der amtsälteste Medienminister der Welt von diesem «Generationswechsel» ausnimmt, versteht sich von selbst. Ein Meister der getarnten Ironie ist SRG-Chef Armin Walpen. Wortreich bezichtigte er seinen ewigen Kontrahenten, den 63-jährigen Medienpionier Roger Schawinski, «jenseits der biologischen Grenze» zu agieren. Dass der eigentlich bald pensionierte Walpen bei sich selbst eine Ausnahme macht, ist nicht überraschend. Mindestens zwölf Jahre wolle er noch im Amt bleiben, verkündete der Walliser unlängst in einem «Tagi»-Interview. Weil die Aussage so schön ironisch tönte, verzichteten die Interviewer auf eine Nachfrage – wohl ein Fehler. Neben so viel Nicht-Ironie ist Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument fast schon erfrischend direkt: Er wolle eine zweistellige Amtsdauer erreichen, verkündete er im letzten Sommer. Man rechne: Vor 2013 wird der Bündner kaum zurücktreten. Eigentlich paradox: Die Medienwelt verändert sich immer schneller und auch radikaler, doch ihre Exponenten – der Medienminister, der SRG-Chef und der Verlegerpräsident – zelebrieren das Methusalemprinzip. «Sterben, um unsterblich zu werden», heisst es in einem frühen Belmondo-Film. «Unsterblich sein, um unsterblich zu werden», antworten die Schweizer Medienrepräsentanten und verharren feist auf ihren Stühlen. Vielleicht haben sie aber auch nur den Lifestyle-Ratgeber eines gemeinsamen Bekannten und Widersachers verinnerlicht. Der Titel: «Das Ego-Projekt, Lebenslust bis 100.» Sein Autor: Roger Schawinski.
Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Die neuesten Blogs

17.07.2019 - Pierre Rothschild

Es kam so, wie es kommen musste

Die Verlage jammern. Damit verunsichern sie die Mitarbeiter und den Nachwuchs.

Zum Seitenanfang20190720
persönlich Exemplar