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Plädoyer für Beni

Matthias Ackeret

Putin bleibt und Beni geht. Ist das gerecht? Für den Zweitgenannten jedenfalls nicht. Beni Turnheer hätte – und da widersprech ich wohl den meisten Kritikern – einen besseren Abgang verdient. Es mag stimmen, dass die Quoten von „Benissimo” im Sinkflug sind (bei welcher Sendung nicht?), das Konzept überholt und die Lebensdauer von 20 Jahren jegliche TV-Norm überschritten hat. Doch Unsterblichkeit entsteht auch durch Konstanz: „Wetten dass...“ ist noch älter, der „Samschtig-Jass“ sowieso und der französische Startalker Michel Drucker parliert seit bald vierzig Jahren wöchentlich auf seinem roten Sofa in unmittelbarer Nähe der Champs-Elysees. Die Programmverantwortlichen des Schweizer Fernsehens wollen nicht begreifen, dass Beni Turnheer einer der letzten grossen Stars des Leutschenbachs ist. Ganz in der Tradition von Heidi Abel, Mäni Weber und Kurt Felix. Mit dem Tod von „Benissimo“ stirbt auch eine ganze TV-Epoche, Beni war das Sinnbild für das Schweizer Fernsehen: manchmal schwerfällig, manchmal genial, aber immer schweizerisch. Natürlich hätte man einem Beni niemals künden dürfen. Die Vorstellung wie er von Unterhaltungschef Christoph Gebel den blauen Brief bekommt oder zum Abschiedsgespräch geladen wird, befremdet. Einer wie Beni müsste seinen Abgang selbst verkünden: Als Paukenschlag. Das wäre der zweitschlechteste Fall, aber zumindest stilvoll. Umgeben von seinen Freunden Tina Turner, Robbie Williams oder Udo Jürgens. Stars, die allesamt in seiner Sendung aufgetreten sind. Sandra Studer hat beim „Schweizer des Jahres“ vorexerziert, wie man seinen Abschied zelebriert. „Der perfekte Abgang ist Teil jeder Show“, lehrt Altmeister Kurt Felix. Diese Möglichkeit hat das Schweizer Fernsehen dem „Plauderi der Nation“ nun genommen. Ohne Beni wird es am Leutschenbach definitiv matter.
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