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Podcast: Wie die Beatles

Weiblicher Dichtestress bei hochsommerlichen Temperaturen. Dutzende von Frauen zwängten sich vergangene Woche am Zürcher Bellevue in ein fahrbereites VBZ-Sondertram. Der Grund für den Massenauflauf: die beiden momentan wohl erfolgreichsten Podcasterinnen des Landes, Kafi Freitag und Judith Wernli, diskutieren während ihrer Fahrt durch die Stadt über perfekten Zimmerschmuck und noch perfektere Heiratsanträge. Freitag gehört zu den Pionierinnen des Genres, Wernli ist ein SRF-3-Radiostar.

Was einmal mehr beweist: Podcasts sind das neue Offenbarungsmedium – und für die Zuhörenden eine ideale Projektionsfläche, um sie in ihrer eigenen Befindlichkeit zu bestätigen. Doch ausgerechnet bei diesem Zeitgeistmedium zeigt sich das traditionelle Geschlechtermuster:  Während Männer lieber über Trump, EU-Verträge oder Fussball-WM sprechen – beste Beispiele sind Markus Somms «Bern einfach» oder Roger Köppels morgendliche Weltbetrachtung -, bevorzugen Frauen eindeutig den sensitiven Bereich und die zwischenmenschlichen Schlachten.

Wobei man in Podcasts ausspricht, was man nicht zu schreiben getraut. Dank dieser Geheimformel füllte der Erfolgspodcast «Zivadiliring» – eine Errungenschaft der Corona-Zeit – sogar das Hallenstadion. Doch kurz nach dem Megahappening trennte sich das muntere Frauentrio – wegen unüberwindbaren Differenzen. So wie die Beatles. Nun sorgen Kafi Freitag und Judith Wernli in den Deutschschweizer Sälen für stehende Ovationen. Und erklären ihren Fans, warum das weibliche Geschlecht trotz allem harmoniebedürftiger sei.


Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von persoenlich.com.

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