17.10.2019

Google und Facebook in der Schweiz

«Blackboxes», aber eine «Bereicherung»

In den letzten Wochen haben sowohl Google als auch Facebook neue Büros in Zürich präsentiert. Wie kommt die stärkere Präsenz der Tech-Giganten in der Schweizer Werbebranche an? Eine «Chance» lautet der Tenor bei Agenturen. Kritischer tönt es bei den Branchenverbänden.

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Roman Hirsbrunner, CEO Jung von Matt/Limmat

«Die Präsenz von Facebook und Google als Arbeitgeber in der Schweiz schätzen wir als sehr positiv ein. Die Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und bringen viel kreatives Potential in die Schweiz. Natürlich ziehen die Unternehmen auch viele Werbegelder auf ihre Plattformen. Wir sehen das aber als Chance. So ist zum Beispiel unser Tochterunternehmen JvM/impact Google Premium Partner und Facebook Marketing Partner. Als Partner arbeiten sie eng mit den beiden Anbietern zusammen, um die Werbemöglichkeiten auf den Plattformen ideal für unsere Kunden zu nutzen.»


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Roman Geiser, CEO von Farner

«Die starke Präsenz von Google und Facebook ist einerseits ein Zeichen für die Attraktivität der Schweiz als Werbemarkt und Talent Hub. Andererseits aber auch ein unmissverständliches Signal für den Medienwandel in der Schweiz. Als Kommunikator und aus Branchensicht finde ich diese Entwicklung inspirierend, denn dieser Wandel befähigt zu ganz neuen Möglichkeiten in der Kommunikation. Als Medienkonsument und Bürger nuanciere ich, denn ich wünsche mir gleichzeitig Medienvielfalt sowie relevante und kommerziell überlebensfähige Medienprodukte. In der Agentur erleben wir, dass unsere Kunden Budgets mehr und mehr ins Performance Marketing allozieren. Durch die Betreuung von Marketingkunden durch Facebook direkt aus Zürich heraus findet eine zusätzliche Aufwertung des Themas Performance Marketing in der Schweiz statt. Wir sehen das positiv, denn dadurch entsteht ein Ökosystem, das zu Spezialisierung, Professionalisierung und mehr Fachwissen führt. Für unsere eigene Performance Marketingplattform bestehend aus unserer Kreation, dem Digital Marketing Team, der Data & Commtech-Tochter DU DA sowie unserem Farner LAB, sind Facebook und Google schon lange wichtige Partner.»


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Michael Hinderling, Mit-Inhaber und Kreativchef von Hinderling Volkart

«Hinderling Volkart konzentriert sich auf die langfristige Konzeption und innovative Umsetzung von Web-Plattformen und digitalen Produkten. Deren Bewerbung ist nicht unser primärer Fokus. Dementsprechend beeinflusst uns die Präsenz der oben genannten Firmen im täglichen Business nicht. Wir nehmen immer mehr wahr, dass eine starke Tendenz zu «blindem» Vertrauen zu den grossen Brands (Google, Amazon, Facebook, ...) vorhanden ist. Viele Firmen in der Schweiz folgen gewissen Trends / Technologien ohne dabei zu überlegen, ob das gewählte Vorgehen überhaupt (langfristig) sinnvoll für sie ist.»


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Thomas Wildberger, CEO Publicis Schweiz

«An dem Tag, an dem ich Google mehr vertraue als mir selber und ich es dem Algorithmus überlasse, welches Produkt er für mich kauft, an diesem Tag wird die traditionelle Werbung verschwinden. Bis dahin bin ich vermutlich pensioniert. In der Zwischenzeit sehe ich Tech-Giganten als Bereicherung, die uns dazu bringen, integrierter zu denken. Je näher wir auf einander zugehen und von einander lernen (vor allem wir von ihnen), desto präziser können wir mit besseren Insights ihre Plattformen bespielen und entscheiden, welche Botschaften wir bei Facebook, Google & Co. platzieren – und welche auf anderen Kanälen.»


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Tobias Zehnder, Mitgründer und Partner Webrepublic

«Die wachsende Präsenz von Google und Facebook auch hier in der Schweiz widerspiegelt den Wandel unserer Mediennutzung und zeigt auf, dass auch globale Technologiekonzerne nicht ohne lokale Kontakte und Ansprechpartner auskommen. Die Schweiz ist ein digitaler Wachstumsmarkt und die aktive Bearbeitung hilft, die Möglichkeiten dieser Plattformen besser auf den lokalen Markt abzustimmen und auch dafür zu sorgen, dass unsere Anforderungen bei der weiteren Entwicklung berücksichtigt werden. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit Schweizer Verlagen zusammen und sehen den hohen Wert von lokalen Plattformen und Daten. Für gewisse Kampagnen und Ziele sehen wir eine bessere Performance, wenn wir in einem Schweizer Umfeld präsent sind. Die starke lokale Präsenz von Google wie auch Facebook hilft uns, komplexe Kundenprojekte besser umzusetzen und mit direkten Ansprechpartnern im engen Austausch zu sein. Vor allem spüren wir auch die starke Ausbildungstätigkeit der beiden Akteure, die aus unserer Sicht dem gesamten Markt hilft und über die vergangenen Jahre viel Digital-Know-how in Schweizer Marketingabteilungen gebracht hat. Gerade KMUs sind in diesem Bereich heute deutlich fitter, das fördert das gesamte Ökosystem unserer Branche.»


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Catherine Purgly, Geschäftsführerin Leading Swiss Agencies (LSA)

«Der Ausbau von Google und Facebook in der Schweiz könnte den Konkurrenzkampf um die besten Talente in der Branche weiter verschärfen. Beide sind inzwischen wichtige Player im Schweizer Werbemarkt, werden jedoch weitgehend als Blackboxes wahrgenommen. Wir würden uns eine konstruktivere Zusammenarbeit für mehr Transparenz im Schweizer Werbemarkt wünschen.»


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Roland Ehrler, Direktor vom Werbeauftraggeber-Verband (SWA)

«Die Mediennutzung hat sich in den letzten Jahren immer mehr auf digitale Kanäle verlagert. Deshalb und weil digitale Kanäle oft eine gezieltere Ansprache ermöglichen, investieren Werbeauftraggeber ebenfalls immer mehr in digitale Kanäle. Hier gehören Google und Facebook zu den grössten Anbietern und konnten sich ein immer grösseres Stück am Werbekuchen sichern. Für die globalen Player macht es natürlich Sinn auch in der Schweiz die Nähe zu den Werbekunden zu suchen. Das war bei Google schon länger so und Facebook zieht nun nach. Dies wird auch im Schweizer Werbemarkt zu spüren sein, mit positiven und negativen Auswirkungen. Als Interessensvertreter unserer Mitglieder, den Auftraggebern, sind wir mit allen Anspruchsgruppen in Dialog. Auch wenn Anbieter keine Büros in Zürich haben! Es ist natürlich einfacher, wenn wir nicht nach Berlin reisen müssen, um zum Beispiel mit Facebook persönlich in Kontakt zu treten. Mit der stärkeren Präsenz der beiden Player, sehen wir jetzt die Möglichkeit unseren Dialog zu verstärken und gemeinsam den zahlreichen Herausforderungen im Digitalmarkt zu begegnen. So wünschen wir uns etwa, dass Google und Facebook mehr Verantwortung im Schweizer Werbemarkt übernehmen. Sei es in der Forschung, Bildung, Werbestatistik oder der Regulation.»


persoenlich.com stellte folgende Fragen: Wie beeinträchtigt/beeinflusst die immer stärkere Präsenz von Google und Facebook hierzulande den Schweizer Werbemarkt?  Und welche Auswirkungen hat dies konkret auf Ihr Unternehmen/Ihren Verband?


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