Millionenschwere Investitionen in Logistikzentren, die kostspielige Entwicklung neuer Produkte, verstärkte Werbung und Preisnachlässe auf breiter Front fressen den Gewinn des weltgrössten Onlinehändlers Amazon auf. Im ersten Quartal verdiente das Unternehmen nur noch 130 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es 201 Millionen Dollar gewesen. Der Konzernleitung macht dies indes keine Sorgen. Denn vor allem der Tabletcomputer Kindle Fire entwickelt sich für Amazon zum Ass im Ärmel. Über seinen neuen Hoffnungsträger verkaufte der weltgrösste Online-Händler zu Jahresbeginn deutlich mehr digitale Produkte wie E-Books, Magazine und Spiele. Der US-Konzern zeigt damit, dass sich sein teurer Investitionskurs allmählich auszuzahlen beginnt.
Noch allerdings verschlingt die Strategie viel Geld. Das hänge unter anderem mit dem Ausbau der Versandkapazitäten und der Erweiterung der Produktpalette zusammen, sagte Deutschland-Chef Ralf Kleber am Freitag. Analysten zeigten sich trotzdem erfreut. Die Amazon-Zahlen lagen über ihren Prognosen. Und an der Börse herrschte Jubel: Die Amazon-Aktie sprang am Donnerstag nachbörslich fast 15 Prozent in die Höhe. Damit stieg der Marktwert von Amazon um mehr als zehn Milliarden Dollar. Amazon-Chef Jeff Bezos kam dies unmittelbar zugute: Sein Aktienpaket verteuerte sich um nahezu 2,5 Milliarden Dollar.
Kindle Fire zündet
Amazon expandiert in drei Bereichen: Versandzentren, um den Online-Handel zu unterstützen, die Bereitstellung von Videoinhalten über die Tochter Lovefilm sowie in neue Technologien zur Datenspeicherung im Internet. Grösstes Abenteuer des Konzerns ist aber wohl der Kindle Fire: Es wird vermutet, dass Amazon beim Verkauf des Tablet-Computers leichte Verluste akzeptiert, um dann vor allem mit Inhalten wie Büchern und Spielen zu verdienen. Das Gerät soll Amazon helfen, den Wandel vom Händler materieller Produkte wie DVDs und Videospiele zu digitalen Inhalten zu stemmen. (sda)

