Das Geschäft mit Online-Coupons boomt. Auch Google will da mitmischen: Im September letzten Jahres kaufte der Suchmaschinen-Gigant für 114 Millionen Dollar das in Berlin beheimatete Portal DailyDeal auf. Dahinter stehen die Brüder Fabian und Ferry Heilemann. Sie führen das Unternehmen auch nach dem Verkauf weiter. Und wollen, wie der 29-jährige Fabian Heilemann im Gespräch mit "persoenlich.com" erklärt, auch in der Schweiz ihre Marktposition ausbauen.
Herr Heilemann, zusammen mit Ihrem Bruder sind Sie Gründer und Geschäftsführer des Schnäppchen-Portals DailyDeal. Bei welchem Schnäppchen haben Sie zuletzt zugegriffen?
Fabian Heilemann: Bei einem Wertgutschein des britischen Online-Modeshops Asos: 19,90 Euro für 40 Euro, bei einem Mindestbestellwert von 45 Euro. Asos hat DailyDeal genutzt, um in Deutschland bekannter zu werden. Innerhalb von 24 Stunden konnten wir 5054 Gutscheine verkaufen. Dass auch grosse Marken auf DailyDeal setzen, macht uns glücklich. Es zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.
Viele haben bereits von Angeboten auf einem Coupon-Portal profitiert. Trotzdem: Er klären Sie uns das Prinzip doch nochmals ganz kurz?
DailyDeal vernetzt Unternehmen mit Konsumenten und bietet beiden Seiten einen echten Mehrwert. Konsumenten bietet DailyDeal einen Kompass für den urbanen Lifestyle. Mit den täglich neuen Angeboten für Reisen, Restaurants, Wellness und Freizeit können sie Geheimtipps und angesagte Locations in ihrer Stadt und bei Reisen auch weltweit zum Kennenlernpreis erleben.
Unternehmen gewinnen mit vergünstigten Kennenlernangeboten Neukunden und steigern ihre Markenbekanntheit. Sie profitieren von unseren fairen Konditionen: Wir finanzieren die verkaufsfördernden, crossmedialen Werbekampagnen vollständig vor und stellen sie lediglich erfolgsabhängig mit einer verhandelbaren Provision pro verkauftem Gutschein in Rechnung.

Fabian Heilemann, 29, Mitgründer von DailyDeal. Er verantwortet die Unternehmenstätigkeiten in der Schweiz, Österreich und Deutschland.
Wie wurden Sie persönlich zum Schnäppchenjäger, oder besser zum: Jäger der Schnäppchenjäger?
Die Inspiration kam von Livingsocial, Groupon und Buywithme, die ich mir im Sommer 2009 während eines Studienaufenthaltes als Doktorand an der Stanford Business School angesehen hatte. Das war allerdings weit vor dem Hype um das Geschäftsmodel. Mich reizte die Idee, die Online- mit der Offlinewelt kommerziell zu verknüpfen. Zudem hatte ich früher ein eigenes Unternehmen, das französisches Gebäck auf Wochen- und Jahrmärkten verkauft hat. Ich wusste also um die Probleme von Händlern, effizient und effektiv zu werben. Mit dem Couponing-Modell helfen wir Unternehmern, Neukunden auch ohne grosses Werbebudget zu gewinnen.
Ihr Unternehmen wurde Ende letzten Jahres für 114 Millionen Dollar von Google aufgekauft. Google ist mittlerweile ein Riesenladen. Bremst das nicht Ihre Geschäftstätigkeit?
Im Gegenteil: Als Mitglied der Google-Familie eröffnen sich für uns und unsere Werbepartner viele Vorteile. Google bietet uns beispielsweise mit AdWords die Möglichkeit, Deals intelligent und zielgerichtet zu bewerben. Ende Mai hatten wir die Möglichkeit, prominent auf YouTube zu werben. Auch hier war der Effekt enorm.
Etliche Leute haben schlechte oder zumindest gemischte Erfahrungen gemacht: Mit Restaurants, die völlig überrannt wurden und mit Beautysalons, die ihre Leistung aus lauter Hektik nicht mehr erbringen konnten. Ist die ganze Sache Humbug?
Nein, Couponing ist ein effizientes Instrument, um neue Kunden zu gewinnen. Eine Gutschein-Aktion sollte aber überlegt eingesetzt werden. Beispielsweise hilft es einem Gastronom, dessen Restaurant über zehn Tische verfügt, nicht weiter, wenn wir für ihn 1000 Gutscheine verkaufen. Wir raten ihm, den Deal zu deckeln. Er sollte nur so viele Gutscheine verkaufen, dass er die durch DailyDeal gewonnenen Gäste überzeugen kann, noch ein zweites, drittes oder viertes Mal zum Normalpreis bei ihm zu konsumieren.
Wie wichtig ist für Sie der Schweizer Markt?
Der Schweizer Markt ist für uns strategisch relevant und mit der bisherigen Entwicklung von DailyDeal sind wir sehr zufrieden. Wir sind im Januar 2011 in der Schweiz gestartet und haben uns in den vergangenen anderthalb Jahren am Markt etabliert. Bereits in unserem ersten Geschäftsjahr haben wir im Auftrag von 780 Unternehmen 57255 Gutscheine mit einem Gesamtwert von 6,4 Millionen Franken verkauft. Das Interesse von Unternehmen und Konsumenten ist auch im ersten Halbjahr 2012 deutlich gestiegen. Wir sind deshalb überzeugt, dass wir unsere Marktposition in diesem Jahr weiter ausbauen können.
Gäbe es ein Schäppchen-Angebot, bei dem Sie sofort zugreifen würden?
Zahlreiche. Vor allem Gutscheine für Reisen oder Restaurants sprechen mich persönlich an. DailyDeal bietet mir als Kunde durch die Vielzahl der Angebote einen Kompass für den urbanen Lifestyle. Ich nutze die einzelnen Deals, um meine Stadt und die Welt zu erleben. Das sagt mir sehr zu.
Interview: Adrian Schräder
Das ausführliche Interview mit Fabian Heilemann erscheint in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift "persönlich".

