Neo-Nazis haben YouTube als Einnahmequelle für sich entdeckt, wie der "Guardian" berichtet. Fanatische rechtsextreme Gruppierungen wie "Blood & Honour" oder "Combat 18" profitieren mit ihren YouTube-Videos über Googles Adsense-Programm von Werbeeinschaltungen. Auch Inserate von großen Unternehmen wie O2 oder Virgin Media landen automatisiert auf den Videoseiten der Rechtsextremen. Die werbenden Firmen finanzieren dadurch indirekt die Aktivitäten der verworrenen Fanatiker. Die Videos selbst verstoßen meist gegen die Geschäftsbedingungen, werden wegen mangelhafter Kontrolle aber selten entfernt.
Durch das Adsense-Programm kann jeder, der Videos bei YouTube hochlädt, deren Rechte geklärt sind, von den Werbeeinschaltungen neben dem Vorführ-Fenster profitieren. Google teilt die Einnahmen aus dem Verkauf der Werbefläche mit den Besitzern des Filmmaterials. Je erfolgreicher ein Video ist, desto mehr Geld kann der Urheber damit verdienen. Da jeden Tag zehn Jahre Filmmaterial bei YouTube hochgeladen wird, baut die Plattform auf wachsame User, um Material auszusortieren, das gegen die Nutzungsbedingungen verstösst. Gemeldete Videos werden geprüft und bei Bedarf entfernt.
Die Neonazis nutzen diesen Mangel an Kontrolle eiskalt aus. Mit ihren Propagandavideos, die oft Links zu illegalen Seiten enthalten, verdienen sie gleichzeitig Geld. Erreicht ein Video nämlich eine gewisse Zahl an Views, wird es automatisch in das Adsense-Programm aufgenommen. Da die Filme nur von Eingeweihten gesehen werden, werden Inhalte kaum entfernt. Die Links führen unter anderem zu Material über politische Wirrköpfe aus den USA, etwa den bekannten Rassisten Kevin Haroham. Auch in Deutschland beobachtet die Polizei YouTube-Accounts von rechtsextremen Gruppierungen.
Die Firmen, deren Inserate neben den einschlägigen Videos gelandet sind, äussern sich besorgt. Virgin Media etwa hat angekündigt, mit Google an einer Lösung arbeiten zu wollen. Trotzdem ist es "verstörend, dass Blue-Chip-Unternehmen indirekt Neo-Nazi-Inhalte unterstützen", wie Autor Stephen Fry via Twitter feststellt. Das Bildmaterial auf den Nazi-Accounts ist teilweise verstörend, wie mehrere Beobachter attestieren. Kritiker werfen YouTube vor, sich hinter der Redefreiheit vor der Verantwortung zu verstecken. Andere Stimmen sagen, dass solche Hass-Botschaften nur durch noch mehr Aufklärung und nicht durch Verbote kontrolliert werden können. (pte)

