11.03.2021

Geld von Facebook

Schweizer Verlage zeigen sich skeptisch

Anders als in Deutschland oder in Frankreich hat Facebook derzeit noch keine Pläne, Schweizer Medien zu unterstützen. Auch wenn irgendwann Geld fliessen würde, Ringier, Tamedia und auch NZZ sowie CH Media sind zurückhaltend.
Geld von Facebook: Schweizer Verlage zeigen sich skeptisch
Facebook spricht von «Millionen» die an die Medien gehen sollen, auch in Europa. Aber wie viel ein einzelner Verlag erhält, bleibt unklar. (Bild: Pixabay.com)

Spiegel, Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung und über hundert weitere deutsche Zeitungen profitieren von Facebook News, das im Mai in Deutschland lanciert wird. Zwar ist die Frage (noch) hypothetisch, doch beim Thema ob die Schweizer Medien von Facebook Geld annehmen würde, zeigen sie sich skeptisch.

Laut einem Artikel des Tages-Anzeigers wollen sie Mark Zuckerbergs Charme widerstehen und die Facebook-Millionen verschmähen. Für Ringier äussert sich Blick-CEO Ladina Heimgartner: «Wir wissen, dass das ein zweischneidiges Schwert ist: Gleichzeitig wird Gewinn auf unsere Kosten erzielt.» Und auch Marco Boselli, Co-Geschäftsführer Tamedia, beobachtet die Entwicklungen vorerst nur. «Generell verfolgen wir solche Initiativen von Facebook oder Google mit kritischem Interesse», sagt Boselli im Tagi. «Diese Unternehmen können aufgrund ihrer Grösse und Dominanz einen signifikanten Einfluss auf uns und die gesamte Branche hierzulande haben.» Und dieser könne sich positiv, aber auch negativ auswirken.

Etwas das Statement der NZZ: «Die Digitalkonzerne verdanken ihre Einnahmen mittelbar auch den publizistischen Leistungen der Medienhäuser. Es ist daher zu begrüssen, wenn Firmen wie Facebook und Google diese Leistungen auch finanziell entgelten», sagt Sprecherin Seta Thakur. Heute lasse sich nicht sagen, welche Vor- oder Nachteile bei einer engeren Zusammenarbeit mit Facebook verbunden wären.

Der Regionalzeitungsverlag CH Media will immerhin die Facebook-Avancen «in den kommenden Tagen und Wochen vertieft prüfen und diskutieren». Aber auch dort gibt sich der Unternehmenssprecher «zurückhaltend».

Hintergrund ist der Launch von Facebook News in Deutschland im Mai 2021 und die Frage, ob Facebook dies auch in der Schweiz planen. Hierzu ist aber noch nichts geplant, wie Facebook-Sprecher Johannes Prüller am Donnerstag auf Anfrage von persoenlich.com schreibt. «Derzeit befinden wir uns in Verhandlungen mit französischen Medienunternehmen, um Facebook News in Frankreich einführen zu können. Ausserdem sondieren wir weitere Länder, um das Produkt in weiteren Regionen anzubieten», so Prüller.

Facebook hatte im Zusammenhang mit dem Streit um das Mediengesetz in Australien im Februar verlautbart, in den kommenden drei Jahren weltweit mindestens eine Milliarde Dollar für die Unterstützung von Journalismus auszugeben. (eh)


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