Wer wie Holger Hagenlocher aus Baden-Württemberg stammt, kennt die Entwicklung der dortigen Autoindustrie: Sie verschlief den technologischen Wandel, obwohl die Zeichen längst erkennbar waren. Jetzt ist es zu spät und den Preis zahlen die Angestellten. Stellen verschwinden zu Tausenden bei Zulieferbetrieben wie Bosch oder ZF Friedrichshafen.
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Holger Hagenlocher, KI-Transformationsberater. (Bilder: Oliver Rüesch)
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Tanja Herrmann, Studiengangsleiterin für Marketingstrategie an der HWZ.
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Podium mit Ladina Heimgartner, CEO Ringier Medien Schweiz und internationale Verlegerpräsidentin, Jessica Peppel-Schulz, CEO Tamedia, und Moderator Matthias Ackeret (v.l.).
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Zuvor wurde der Anlass eröffnet durch Verleger Matthias Ackeret und Manfred Klemann, Verwaltungsratspräsident des persönlich-Verlags. (Bild: Christian Beck)
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Rigoberto Pedrozo und seine Freunde sorgten für Stimmung. (Bild: zVg)
Mit diesem trüben Bild einer einst stolzen Branche zeigte der Wirtschaftswissenschaftler und Experte für digitale Transformation auf, was von künstlicher Intelligenz zu erwarten ist, wenn wir deren Disruptionspotenzial unterschätzen. «Wir neigen dazu, die Augen vor technischem Fortschritt zu verschliessen», warnte Hagenlocher am Jubiläumsanlass von persoenlich.com am Dienstagabend im Zürcher Club Kaufleuten.
«Schnittstellen zu unseren Neuronen im Gehirn»
Der Fortschritt, den KI mit sich bringt, ist inzwischen greifbar und real und nicht mehr Science-Fiction. Und die nächste Stufe befindet sich bereits in Entwicklung. «Meta und Google arbeiten an Schnittstellen zu unseren Neuronen im Gehirn», sagte Hagenlocher. Wohin das führt und was ein Nutzen davon sein kann, illustrierte er an einem uns allen vertrauten Beispiel: «In dem Moment, wenn jemand den Wunsch nach Pommes verspürt, geht die Bestellung an den Lieferanten automatisch raus.»
Für Hagenlocher ist klar: Der Wandel kommt. Die Frage ist nur, ob eine Branche ihn aktiv gestaltet oder von ihm überrollt wird. Und vor allem: Wir Menschen müssen weiterhin selber denken. Dazu mahnte Tanja Herrmann als zweite Referentin des Jubiläumsabends.
Die Geschäftsführerin der Agentur House of Influence sieht den Siegeszug von KI auch darin begründet, dass wir nicht so gerne denken. Oder wie sich Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman einst ausdrückte: «Nachdenken ist für Menschen wie Schwimmen für Katzen. Wir können es, aber wir tun es extrem ungern.» Um nicht in der Mittelmässigkeit zu versinken, welche die künstliche Intelligenz nun mal inhärent generiert, weil sie nur wiederkäut, was schon da ist, muss man herausstechen. Denn: «Die Abweichung bleibt hängen, weil sie unerwartet daherkommt.»
«Schnittstellen zu unseren Neuronen im Gehirn»
Der Fortschritt, den KI mit sich bringt, ist inzwischen greifbar und real und nicht mehr Science-Fiction. Und die nächste Stufe befindet sich bereits in Entwicklung. «Meta und Google arbeiten an Schnittstellen zu unseren Neuronen im Gehirn», sagte Hagenlocher. Wohin das führt und was ein Nutzen davon sein kann, illustrierte er an einem uns allen vertrauten Beispiel: «In dem Moment, wenn jemand den Wunsch nach Pommes verspürt, geht die Bestellung an den Lieferanten automatisch raus.»
Für Hagenlocher ist klar: Der Wandel kommt. Die Frage ist nur, ob eine Branche ihn aktiv gestaltet oder von ihm überrollt wird. Und vor allem: Wir Menschen müssen weiterhin selber denken. Dazu mahnte Tanja Herrmann als zweite Referentin des Jubiläumsabends.
Die Geschäftsführerin der Agentur House of Influence sieht den Siegeszug von KI auch darin begründet, dass wir nicht so gerne denken. Oder wie sich Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman einst ausdrückte: «Nachdenken ist für Menschen wie Schwimmen für Katzen. Wir können es, aber wir tun es extrem ungern.» Um nicht in der Mittelmässigkeit zu versinken, welche die künstliche Intelligenz nun mal inhärent generiert, weil sie nur wiederkäut, was schon da ist, muss man herausstechen. Denn: «Die Abweichung bleibt hängen, weil sie unerwartet daherkommt.»
Optimistischer Blick aus der Medienbranche auf KI
Besonders gefordert ist die Kreativ- und Medienbranche durch die neuen technologischen Möglichkeiten. Einen optimistischen Blick und ein weitgehend ungetrübtes Verhältnis zur KI pflegen dagegen die Chefinnen von Ringier und Tamedia. «persönlich»-Verleger Matthias Ackeret befragte Ladina Heimgartner und Jessica Peppel-Schulz anlässlich des Branchenanlasses. Die beiden Frauen sehen KI nicht nur als Hilfsmittel, sondern als Rettungsanker für die krisengeschüttelte Branche.
«Das Leben ist einfacher geworden», beschreibt Heimgartner die Veränderungen, die KI bei Ringier gebracht haben. «Vieles von dem, was noch vor zwei Jahren händisch gemacht wurde, erledigt sich heute per Knopfruck innert Sekunden.» Als Beispiel nennt Heimgartner Speech-to-Text-Systeme, mit denen sich das aufwändige manuelle Transkribieren von Gesprächen automatisieren lässt.
Der Effizienzgewinn hat jedoch seinen Preis. Heimgartner gibt offen zu: «Bei jeder Stelle, die wir neu besetzen, frage ich mich, was sich davon automatisieren lässt und wo der menschliche Mehrwert gegeben ist.» Gleichzeitig zeigt sich die Chefin von Ringier Medien Schweiz aber überzeugt, dass gerade im Journalismus der Mehrwert, wie ihn nur Menschen bieten können, ungleich stärker gefragt ist als in anderen Branchen. Quasi als Bestätigung dafür, dass KI den Journalismus nicht ersetzt, sondern unterstützt, sagte Jessica Peppel-Schulz, bei Tamedia würden «alle Artikel von Journalisten und Journalistinnen geschrieben». Insgesamt sieht sie KI als «grosses Geschenk», das auch geschäftlich ganz neue Möglichkeiten biete.
«Darauf bin ich schon ein bisschen stolz»
Gemessen an den Negativschlagzeilen, die insbesondere Tamedia in den letzten Jahren begleiteten und in geringerem Masse auch Ringier nach Personalabbau und Entlassungen, klangen Heimgartner und Peppel-Schulz auf dem persoenlich.com-Podium geradezu optimistisch bis euphorisch. Ohne KI, so die Tamedia-Chefin, «hätten wir wirklich Schwierigkeiten gehabt, in die Zukunft zu blicken». Und die Ringier-Kollegin zeigte sich positiv davon überrascht, wie schnell und wie positiv die Medienbranche vor zwei Jahren auf das Aufkommen von Diensten wie ChatGPT reagiert habe. «Das ist ein grosses Kino, was da passiert ist in unserer Branche. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz», sagte Ladina Heimgartner.
Entscheidend wird sein, wie die Verlage das Spannungsfeld zwischen Automatisierung und menschlichem Mehrwert meistern – und ob sie rechtzeitig in Vertrauen und Glaubwürdigkeit investieren. Glaubt man dem Gehörten, dann scheint das kein allzu grosses Problem zu sein. Ob das alle so sehen, steht freilich auf einem anderen Blatt.
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