Anfang Woche tauchte auf dem politisch rechtskonservativen US-Portal Breitbart News eine Werbung von Tamedia Advertising – der hauseigenen Werbemarktorganisation – auf. Das Zürcher Medienhaus war allerdings nicht das einzig betroffene Schweizer Unternehmen diese Woche: Den Detailhändler Coop erwischte es ebenfalls.
Hallo @TamediaDigital Eure Werbung ist auf Breitbart! Aktualisiert die Kampagnensettings (Blacklist), falls ihr das nicht wollt. pic.twitter.com/Oek6aUwOP4
— Sleeping Giants CH (@slpng_giants_ch) 25. Juli 2017
Für Tamedia handelt es sich nicht um den ersten solchen Fall: Bereits Ende 2016 war Werbung auf derselben Plattform erschienen. Dabei hatte es sich allerdings um solche des «Tages-Anzeiger» gehandelt. Tamedia-Kommunikationsleiter Christoph Zimmer liess damals verlauten, dass breitbart.com für Kampagnen gesperrt worden sei.
Danke für den Hinweis, wir haben https://t.co/FemaSwqjgF für Kampagnen gesperrt.
— Christoph Zimmer (@christophzimmer) 2. Dezember 2016
«Die Website breitbart.com ist für unsere Anzeigekampagnen generell blockiert», bestätigt Tamedia-Sprecherin Nicole Bänninger auf Anfrage von persoenlich.com. Dass eine Tamedia-eigene Werbung – und nicht jene eines Kunden – am Dienstag trotzdem auf dieser Seite erschienen sei, sei auf einen internen Einstellungsfehler eines Google-Display-Network-Tests zurückzuführen. «Wir haben die GDN-Testkampagne umgehend gestoppt, korrigiert und erst danach wieder live gestellt», so Bänninger weiter.
Das Medienunternehmen spiele seine Kampagnen vorwiegend nicht über externe Netzwerke aus, sondern programmatisch über seine eigene Demand Side Platform. «Dies erlaubt uns eine tiefere und transparentere Einsicht in unsere Kampagnen, um diese auch laufend optimieren zu können», sagt Bänninger.
Oops @coop_ch, da scheint eine Werbung durchgerutscht zu sein. Bitte Blacklist erneut prüfen. Danke! pic.twitter.com/TbFJLuOQxr
— Sleeping Giants DE (@slpng_giants_de) 24. Juli 2017
Bei Coop habe es sich um eine Remarketing-Anzeige gehandelt, welche im Google Display Network ausgespielt worden sei, erläutert Mediensprecher Ramon Gander gegenüber persoenlich.com. «Nachdem wir festgestellt hatten, dass die Anzeige auf Breitbart geschaltet wurde, haben wir sie umgehend als negatives Placement eingebucht. Fehlschaltungen wie im Falle von Breitbart sind zum Glück eine absolute Ausnahme», betont Gander. Generell gesperrt seien Websites mit pornografischem, propagandistisch-rassistischem und gewaltverherrlichendem Inhalt. Darüber hinaus hätten sie einzelne Websites mit unpassendem Inhalt gesperrt.
Rückzug aus GDN kein Thema
Das Problem ist nicht neu: Im Frühling war die Aufregung gross, als Werbung von internationalen aber auch von Schweizer Unternehmen im Umfeld von extremistischen Youtube-Videos zu sehen gewesen war.
Die Versicherung Swiss Life und die Weichkäse-Herstellerin Baer reagierten radikal und stoppten ihre Werbung über das Google Display Network (persoenlich.com berichtete).
Sowohl für Tamedia als auch für Coop ist eine solche Massnahme derzeit kein Thema. «Wir behalten uns vor, das GDN weiterhin zu Testzwecken zu verwenden», sagt Bänninger. Gander begründet den Entscheid des Detailhändlers damit, «dass das Netzwerk insgesamt sehr gut funktioniert.»
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28.07.2017 10:25 Uhr
28.07.2017 09:10 Uhr

