22.11.2021

Studie

TikTok weckt Interesse für Wissenschaft

Weltweit verwenden immer mehr Wissenschafter das Videoportal, um ihre Forschung breiter zugänglich zu machen. Gemäss einem Experten gehe es jedoch weniger um das Vorbeten komplizierter Forschungsergebnisse, sondern mehr darum, Interesse bei den jungen Leuten zu wecken.
Studie: TikTok weckt Interesse für Wissenschaft
Gemäss Forschern der University of Toronto ist TikTok einzigartig in seiner Art, Nutzer-Engagement zu fördern. (Bild: Pixabay)

Forscher des Knowledge Media Design Institute (KDMI) der University of Toronto kommen zum Schluss, dass Wissenschafter TikTok immer mehr dazu brauchen, ihre Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für ihre neuen Studien haben die Experten das Nutzerverhalten, Datenschutzfragen sowie technische und visuelle Aspekte akademischer Inhalte auf TikTok untersucht.

Junge Leute mitnehmen

«Leicht zugängliche und verständliche Wissenschaftskommunikation auf TikTok ist für den Forschungsbereich eine sehr gute Strategie, Zielgruppen anzusprechen, die sonst nur schwer zu erreichen sind. Man muss jedoch beachten, dass Inhalte auf TikTok zu 80 bis 90 Prozent Unterhaltung sind. Es geht also weniger um das Vorbeten komplizierter Forschungsergebnisse und mehr darum, Interesse bei den jungen Leuten zu wecken», lässt sich der digitale Kommunikationsexperte Julian Banse in einem Gespräch mit Pressetext zitieren.

Videos auf TikTok würden meist nicht professionell, sondern amateurhaft produziert und würden Zusehern einen Blick hinter die Kulissen geben. Die fast alle unter 30-jährigen User legen weniger Wert auf Beleuchtung, Kameraqualität oder das eigene Auftreten als auf anderen Plattformen. «Das macht TikTok zum spannenden Ort, um neue und breiter zugängliche Formen des Lernens außerhalb von Klassenräumen, Vorlesungssälen und Studienbüchern zu ermöglichen», so Studienautor JP King.

Kurz, knackig, humorvoll

TikTok ist den Forschern nach einzigartig in seiner Art, Nutzer-Engagement, beispielsweise in Form von Remixes oder Antwortvideos, zu fördern. Das gehe aber auch mit einem anderen Verständnis von geistigem Eigentum einher, worüber sich die Forscher im Klaren sein müssen. «Eine Datenschutz-Präzision, wie wir sie aus der Wissenschaft kennen, ist auf TikTok natürlich nicht möglich. Hier gilt es für die Forschungseinrichtungen abzuwägen, wie wichtig ihnen das Erreichen neuer Zielgruppen ist, und Kompromisse einzugehen», so Banse weiter.

Je kürzer, humorvoller und interaktiver die Videos seien, desto besser, so die Forscher. Wissenschafter müssten sich jedoch auch der großen Reichweite der Videos und der damit verbundenen Konsequenzen bewusst sein, sollten diese beispielsweise nicht im Einklang mit den institutionellen Werten ihrer Forschungseinrichtung stehen.

Im Großen und Ganzen ist Wissenschaftskommunikation auf TikTok laut der Studie jedoch ein großer Gewinn, der Menschen unterschiedlichster Bildungshintergründe verbinde, miteinbeziehe und zum Nachdenken anrege. Banse: «Generell wird Social Media in vielen Bereichen immer wichtiger. Sei es ResearchGate in der Wissenschaft oder LinkedIn für das Erreichen professioneller Zielgruppen. TikTok ist für viele Universitäten noch Neuland, weshalb die paar wenigen auffallen und davon profitieren.» (pte/tim)



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