07.12.2021

Stop Hate Speech

Wie Onlinehass reduziert werden kann

Hasskommentare im Netz lassen sich eindämmen, wenn man Empathie für die Betroffenen erwirkt. Dies zeigt eine wissenschaftliche Studie von Forschern der ETH und der Universität Zürich im Rahmen des von Alliance F initiierten Projekts «Stop Hate Speech».
Stop Hate Speech: Wie Onlinehass reduziert werden kann
Hasserfüllte Kommentare (englisch: Hate Speech) im Internet sind zu einem weltweiten Problem geworden. (Bild: zVg)

Das globale Phänomen der Hassrede im Internet hat in den beiden Jahren der Covid-Pandemie ein alarmierendes Ausmass angenommen. Ein häufig praktizierter Ansatz zur Eindämmung von Hassrede ist die Gegenrede (Counter Speech), wie ihn auch das Projekt «Stop Hate Speech» vorschlägt und mit einer Community von Freiwilligen trainiert und anwendet. Die Idee: Hass bleibt nicht unwidersprochen. Indem eine Community bei Hasskommentaren aktiv dagegenhält, kann einerseits der Hass gebremst werden, andererseits wird der Online-Diskurs für alle zugänglicher und so die Meinungsfreiheit gestärkt. Damit die Gegenrede als Instrument aber tatsächlich Hass eindämmt, muss sie möglichst wirkungsvoll sein. Zur Frage, welche Art der Gegenrede die grösste Wirkung erzielt, existieren jedoch kaum wissenschaftliche Experimente.

Ein Forschungsteam um Dominik Hangartner, Professor für Politikanalyse an der ETH Zürich, hat nun untersucht, welche Botschaften die Verfasserinnen und Verfasser von Hate Speech am ehesten dazu bewegen, künftig auf Hassbotschaften zu verzichten. Anhand der Reaktionen auf Hassnachrichten von 1350 Twitter-Nutzer wurden verschiedene Strategien zur Gegenrede experimentell getestet. Die Ergebnisse sind eindeutig: Nur Antworten, die an die Empathie mit den von der Hassrede Betroffenen appellieren – wie zum Beispiel «Ihr Post ist für Jüdinnen und Juden sehr schmerzhaft …» –, können die Hassrednerinnen und Hassredner dazu bewegen, ihr Verhalten zu ändern.

«Wir haben sicherlich kein Allheilmittel gegen Hassrede im Internet gefunden, aber wichtige Hinweise, welche Strategien funktionieren können und welche nicht», wird Dominik Hangartner in einer Mitteilung zitiert. Die Studie wurde Montag in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und Wissenschaft

Für das nationale «Stop Hate Speech»-Projekt der Alliance F, das mit der ETH Zürich und der Universität Zürich an der Gegenrede arbeitet, sind die Forschungsergebnisse enorm wichtig, wie es weiter heisst. «Mit Empathie kann Hate Speech am wirkungsvollsten bekämpft werden. Diese Erkenntnis ist zentral für unser Projekt zur Reduktion von Hass im Netz», sagt Sophie Achermann, Co-Projektleiterin. «Auch Regierungen, NGOs oder Medienunternehmen können darauf aufbauen, um adäquat auf ein globales demokratie- und diskursschädigendes Problem zu reagieren.»

Unter der Leitung von Alliance F leistet das Projekt «Stop Hate Speech» laut eigenen Angaben Pionierarbeit, indem es Technologie, Zivilgesellschaft und Wissenschaft miteinander verbindet, um gemeinsam gegen Hass im Netz vorzugehen. Der eigens für das Projekt entwickelte Algorithmus «Bot Dog» wurde von einer Online-Community trainiert, um Hate Speech im Internet aufzuspüren und zu erkennen. So kann Bot Dog die Nutzerinnen und Nutzer alarmieren, wenn ein Beitrag auf Social Media oder ein Onlinekommentar auf einer Medienplattform Hass enthält. Die Community reagiert mit Gegenrede und holt die Diskussion auf eine sachliche Ebene zurück (persoenlich.com berichtete).

Das Projekt Stop Hate Speech wird ermöglicht durch den Migros-Pionierfonds, unterstützt von der Raiffeisen Jubiläumsstiftung, der Ernst Göhner Stiftung, der Gebert Rüf Stiftung, Innosuisse, dem Bundesamt für Kommunikation sowie verschiedenen Städten und Kantonen. (pd/cbe)



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