31.08.2025

Jean Etienne Aebi

«Die Birne tickt wie eh und je»

Jean Etienne Aebi, ehemals einer der bekanntesten Werber der Schweiz – unter anderem bei Publicis –, hat vergangene Woche zur Premiere seines neuen Albums «Chummit» eingeladen. Ein Abend der überraschenden Kontraste. persoenlich.com hat sich mit ihm unterhalten.
Jean Etienne Aebi: «Die Birne tickt wie eh und je»
Vom Werber zum Musiker: Jean Etienne Aebi präsentiert sein neues Album «Chummit» – angeblich sein letztes Konzert. (Bild: zVg)

Herr Aebi, Sie haben im Zürcher Seefeld vor einigen Tagen Ihr angeblich letztes Konzert gegeben. Was war Ihre Motivation dazu?
In den letzten zehn Jahren habe ich einige Alben eingespielt und natürlich Bühnenauftritte bestritten. Jazz unter anderem mit dem legendären Robi Weber Trio. Blues mit der Lilly Martin Band. Southern Rock mit dem Set von Ueli Bleuler. Eines hat mir einfach noch gefehlt: ein richtiges Singer-Songwriter-Album, bei dem die Lyrics voll zur Geltung kommen. Das Resultat sind Jazz und Blues im fröhlichen Flirt. Das musste nun an einem Release-Concert gefeiert werden.

Wen haben Sie eingeladen und wer ist gekommen?
Schlicht und reduziert, das war mein Motto für das ganze Projekt. Auch in den Arrangements und der Instrumentierung. Deshalb ein Trio mit Michael Dolmetsch an Piano, Orgel, Akkordeon und Markus Fritzsche an Kontrabass plus E-Bassgitarre. Für die zweite Hälfte der Songs dann ergänzt zum Quartett mit Oliver Keller an E- und Akustikgitarre sowie Dobro. Alles Musiker der allerersten Garde. Damit zu Ihrer Frage: Da auch das Konzert im kleinen Rahmen stattfinden sollte, wurden nur handverlesene Gäste eingeladen, grösstenteils Freunde, die mich in meiner Musik schon immer unterstützt haben. In der Lebewohlfabrik kommt man sich nahe, weshalb sie der ideale Rahmen dafür war.

Wie geht es Ihnen heute?
Na ja, die Birne tickt noch wie eh und je, neugierig, voller Einfälle und unternehmenslustig. Der Body lebt halt mit ein paar Baustellen, wie es einem 80-Jährigen zusteht.

Sie waren jahrzehntelang einer der bekanntesten Werber der Schweiz, zuletzt aber vor allem Musiker. Was ist dabei der grösste Unterschied?
Das eine ist kommerziell, das andere kulturell. Das eine ist ein mehr oder weniger toller Job, das andere pure Freude unter dem Pseudonym Johnny Tienne A. So profan ist das.

«Als Musikmacher schreibe und komponiere ich eigentlich nur für mich selbst»

Hat man als Musiker nicht mehr Freiheiten als ein Werber, der an die Vorgaben der Auftraggeber gebunden ist?
Sie sagen es. Zwar war mein Spektrum ja zunehmend weit grösser als man es unter Werbung versteht. Branding, Corporate Entertainment, Consulting. Und dabei war es mir vergönnt, das meist im Unternehmer-Dialog zu realisieren, also mit der Nummer Eins, die frei von Karriere-Rücksichten entscheiden konnte. Aber klar, die Freiheit als Musiker ist eine ganz andere. So wie auch schon in meiner Aktivität als konzeptueller Bildermacher muss ich nichts wiederholen, wenn ich nicht will. Als Musikmacher schreibe und komponiere ich eigentlich nur für mich selbst. Ein Teil der Songs zeige ich danach einigen Vertrauten.

Rückblickend gesehen, wollten Sie nie Berufsmusiker werden?
Eigentlich bin ich das schon, aber eben ohne auf Tour zu gehen. Dazu fehlt mir Lust und Zeit. Entscheidend ist für mich, mit Profimusikern zu spielen, die meine sehr eigenen Songstrukturen und Arrangements sofort verstehen und realisieren. Und ebenso wichtig ist mir, immer wieder andere Stile anzugehen. Nie monoton repetitiv, nie Mainstream, immer kategorisch authentisch.

Sie waren in der grossen Zeit der Werbung aktiv. Verfolgen Sie diese heute noch?
Ich schaue jeden Tag mal bei «persoenlich.com Daily» rein, weil es da hie und da was gibt, dass auch einen interessieren kann, der nichts mehr mit der Szene der Kommunikationsbranche zu tun hat. Das sage ich aber nicht aus Gefälligkeit.

Aus weiter Ferne betrachtet: Welche aktuelle Kampagne gefällt Ihnen am besten?
Sorry, but no idea at all.

Was sind Ihre nächsten Projekte?
Time will tell. Zunächst mal viel Ruhe, viel Familie, viel Literatur, viel Reisen und ach ja, eine Magenspiegelung … Alles weitere wird sich ergeben, falls es sich ergibt.


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KOMMENTARE

Michael Zollinger
01.09.2025 10:42 Uhr
Es war ein wunderbarer Abend mit Johnny Tienne A. Im intimen Rahmen der Lebewohlfabrik im Zürcher Seefeld fühlten sich die Gäste und die Band pudelwohl. Danke, Johnny!
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