13.11.2018

Lukas Maeder

«Die Fahrer sind sozusagen Cowboys ohne Pferde»

Der Zürcher Fotograf Lukas Maeder hatte schon Stars wie Snoop Dogg oder Kendrick Lamar vor der Kamera. In seinem neuen Buch porträtiert er den Oldtimer Motocross Club Schweiz. Im Interview erklärt er, was ihn an dieser unbekannten Welt besonders fasziniert.
Lukas Maeder: «Die Fahrer sind sozusagen Cowboys ohne Pferde»
Lukas Maeder porträtiert in seinem neuen Fotobuch «ein Stück Schweiz fernab von Schwingfesten und Skirennen», wie er sagt. (Bilder: Lukas Maeder)
von Marius Wenger

Herr Maeder, in Ihrem neuen Fotobuch «Dancing in the Dust» porträtieren Sie den Oldtimer Motocross Club. Was faszinierte Sie besonders an der Welt des Oldtimer Motocross?
Es war für mich extrem spannend, weil ich diese Welt so nicht kannte. Faszinierend für mich war das Unbekannte – eben diese Szene. Jeder kennt den Engadiner Skimarathon, das Limmatschwimmen oder das Lauberhornrennen. Aber Motocross mit älteren Männern und alten Maschinen ist für mich eine unglaubliche Kombination. Als ich jeweils die diversen Rennplätze besuchte, spürte ich jedes Mal eine ungeheure Magie und Freude, die auf mich total ansteckend wirkte. Zudem tat es jedes Mal gut, für eine kurze Zeit aus der Stadt rauszukommen.

«Stellen Sie sich einen 80-Jährigen vor, der wie ein 30-Jähriger wirkt und fährt»

Wer sind die porträtierten «Staubtänzer»?
Das sind Männer mit einer grossen Leidenschaft für Oldtimer Motocross. Sie kommen aus allen Regionen der Schweiz und treffen sich, um ihre Passion zusammen auszuleben. Die meisten der Fahrer sind bereits in einem fortgeschrittenen Alter, was mich besonders beeindruckt und fasziniert. Stellen Sie sich einen 80-jährigen Motocross-Fahrer vor, der – sobald er seinen Helm aufgesetzt hat – wie ein 30-Jähriger wirkt und auch so fährt. Einfach unbeschreiblich.

Wie standen die Porträtierten Ihrer Projektidee gegenüber?
Nachdem ich viele von ihnen kennengelernt hatte, waren die meisten sehr erfreut, als ich jeweils Rennen für Rennen wiederauftauchte und Bilder machte. Aber es ist wie überall, mit den einen versteht man sich besser, mit anderen weniger gut. Trotzdem – alle haben mitgemacht und mir dann die Freigabe fürs Buch erteilt, was mir gezeigt und bestätigt hat, dass ich die Szene treffend eingefangen habe.



Wie lange haben Sie am Projekt gearbeitet?
Seit meinen ersten Bildern auf einem Rennplatz liegen schon fast drei Jahre zurück. Die Buchidee entstand aber erst Ende 2017. Von da an habe ich richtig mit Konzept fotografiert. Zuvor hatte ich einfach eine Kamera dabei und habe, wenn’s gepasst hat, ein Bild geschossen. Ich konnte manchmal auch stundenlang einfach die Szene beobachten.

Was wollen Sie mit den Aufnahmen vermitteln?
Einerseits ist es eine Hommage an diesen Verein. Anderseits ist es ein unbekanntes Stück Schweiz, welches ich gerne zeigen möchte. Ein anderes Stück Schweiz, fernab von Schwingfesten und Skirennen.

Die Bilder haben für mich eine – ich nenne sie mal «archaische Wild-West-Ästhetik». Stimmen Sie zu?
Total. Die Männer sind sozusagen Cowboys ohne Pferde, dafür mit einem tollen alten Motorrad. Die ganze Szenerie spielt sich ja auch auf dem Land ab, auf irgendwelchen Feldern und Hügeln. Das hat mir besonders gut gefallen.

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Ihre Bilder von Snoop Dogg oder Kendrick Lamar schafften es bis ins «Time Magazine» oder die US-Ausgabe des «Rolling Stone». Was ist schwieriger: Ein gutes Porträt eines Superstars oder eines Mitglieds des Oldtimer Motocross Clubs Schweiz?
Es sind wohl einfach zwei total unterschiedliche Welten. Dies liebe ich ja so an meinem Beruf. Ich lerne täglich neue Menschen und Situationen kennen. Alle mit einem anderen Hintergrund und einer anderen Geschichte. Was schwieriger ist, kann ich so nicht beantworten. Beides macht mir extrem Freude und beide Male bin ich gleich kritisch mit mir  und meinem Schaffen.

Ihr neues Buch wurde vom bekannten Zürcher Grafiker und Art Director Marcus Kraft gestaltet. Warum fiel die Wahl auf ihn?
Marcus hat bereits mein erstens Fotobuch «We’ll never be this young again» gestaltet. Die Zusammenarbeit mit ihm hat bestens funktioniert, daher fiel die Wahl für mein zweites Buch sehr schnell auf ihn. Auch diesmal bin ich extrem zufrieden mit dem Endprodukt.

Was war Ihnen bei der Gestaltung wichtig?
Das Buch sollte schlicht werden. Die Bilder sollen die Geschichte ohne viel Text erzählen und die Fahrer und die Szenerie spürbar machen – also nah am Geschehen dran sein. Daher das grosse Format vom Buch. Zudem mag ich es klassisch, ohne viel Schnickschnack.


«Dancing in the Dust» wird am Donnerstag, 15. November veröffentlicht. Buchpräsentation und Vernissage finden um 19 Uhr in der ADC Gallery in Zürich statt.



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